Der Historiker für Genussmitel, Dr. Roman Rossfeld, informierte ausführlich über die Entstehungsgeschichte des Kaffees und dessen gesellschaftliche Prägung.
Kaffee HAG, damit war lediglich Handels-Aktien-Gesellschaft gemeint. Der abgeschlagene Kopf der Schlange sollte die Entgiftung des Kaffees betonen.
Aus Hag-Kaffee wurd dann der Kaffee Zaun, er sollte auch gesundheitlich verträglich in den Vordergrund stellen.
Schnellkaffee und der Genuss standen bei Nescafé im Vordergrund.
Kaffee sollte den Alkoholkonsum mindern Der Informationsabend der Volkshochschule Wil galt der Herkunft des Kaffees und dessem gesellschaftlichen Prägung, Kaffee und Koffein haben eine bewegte Geschichte
18.11.2005, Niklaus Jung Bei der Volkshochschule Wil referierte am Donnerstagabend der Historiker für Genussmittel Dr. Roman Rossfeld zum Thema „Kaffee – Droge des Bürgertums“. Kaffee war in den Anfängen des 19. Jahrhunderts für die Allgemeinheit verboten, nur die oberste Schicht hatte Zugang, Später wurde der Kaffeegenuss gar gefördert, als Alternative zum Alkohol. Der koffeinfreie Kaffee sorgte alsdann für andere Problemkreise, statt im Kaffee ist Koffein heute in jeder Kopfwehtablette.
Der Historiker Roman Rossfeld, aufgewachsen in Uzwil, lebt heute in Zürich. Seine Studien über Genussmittel gelten insbesondere dem Kaffee und der Schokolade. Er zeigte die Geschichte des Kaffees auf und dessen gesellschaftliche Einwirkungen. Nach Rossfeld ist Kaffee als Droge zu bezeichnen, einerseits sei darin eine Leistungssteigerung gegeben, anderseits könnten auch typische Entzugserscheinungen auftreten.
Um 1800 war Kaffee verboten Rossfeld gab eingangs zu verstehen, dass der Genuss von Getränken beim Menschen grundsätzliche Auswirkungen habe. Ausgehend davon, dass der Mensch aus den vier Säften, Blut-weisse- und schwarze Galle und Schleim aufgebaut sei, hätten Getränke wie Kaffee, Tee ihren Einfluss, das Gleichgewicht werde gestört. Dem Kaffee seien deshalb schon früh auch medizinische Wirkungen zu Hauf adaptiert worden.
Um 1800 herum war der Handel und auch der Genuss von Kaffee verboten. Die Gründe fanden sich in der damaligen Statusgesellschaft und man wollte das Geld nicht ins Ausland abfliessen lassen. Um 1900 folgte die Liberalisierung der Gesellschaft, sie liess die Hierarchie in den Hintergrund treten, das Zeitalter der Konsumgesellschaft war angebrochen. Hinter dem Kaffee war nach Rossfeld bald einmal eine Werthaltung feststellbar, es ging um Nüchternheit, weg vom Alkohol.
Kaffee zwecks Leistungssteigerung Hinter der Wirkung von Kaffee sah man bald einmal eine mögliche Steigerung der Leistungsfähigkeit, nicht zuletzt durch die aufkommende Fabrikarbeit. Rossfeld wies darauf hin, dass man dies im Hintergrund des damaligen 10 bis 12 Stundentages sehen muss. Kaffee sollte Entspannung bringen in der Pause, um dann wieder leistungsfähiger zu sein.
Die Debatte um den hochprozentigen Alkohol gab dem Kaffee ebenfalls Auftrieb. So habe das „Blaue Kreuz“ den Kaffeegenuss bewusst gefördert, dazu seien gar geeignete Örtlichkeiten gebaut worden, berichtete der Referent weiter. Die schädigende Wirkung des Kaffees durch übermässigen Koffeingenuss habe dann zur Forschung nach koffeinfreiem Kaffee geführt. Sebastian Kneipp bezeichnete 1889 den Kaffee als Giftpflanze und Menschenmörder. Zerrüttung, Nervenprobleme und Trübsinn seien die Folgen.
Koffeinfreier Kaffee, Auftrieb beim Kaffeekonsum Die Geschichte des koffeinfreien Kaffees habe nicht etwa zu weniger Kaffeekonsum geführt, es wurde gar noch mehr Kaffee verkauft, berichtete Rossfeld zu dieser Entwicklung. Die Forschung für koffeinfreien Kaffee habe auch zähe Forscher bedingt. Der Kaffee mit seinen über 1000 Inhaltsstoffen habe ein stufenweises Vorgehen notwendig gemacht.
Koffeinfreier Kaffee war wieder etwas Neues und wurde unter dem Gesundheitsaspekt „Schont das Herz“ unter die Leute gebracht, es galt das Vertrauen der Kaffeetrinker zu gewinnen. Die Gegner des koffeinfreien Kaffees hätten argumentiert, das sei wie ein Auto ohne Benzin.
Der Kaffee habe dann kein Koffein mehr gehabt, dafür sei Koffein in verschiedenen anderen Produkten zum Einsatz gekommen. So finde man heute Koffein in jeder Kopfwehtablette, Redbull und „hallo wach“ seien weitere Koffeinträger. Aber auch in Kleidungsstücken finde man Koffeinanwendungen. So gebe es Strümpfe für Frauen mit Koffein zwecks Verhinderung von Zelluitis.
Die verschiedenen Kaffeeprodukte hätten auch verschiedene Wege der Vermarktung gehabt. 1940 sei unter dem Titel Virgo-Kaffee mit Pfarrer Künzle ein Produkt erschienen, die vertrauenserweckende Person habe wirken müssen. 1957 habe sich Inkarom auf dem Markt gezeigt, ein Kaffee mit zusätzlichen Fremdaromen. Der erste lösliche Kaffee mit Nescoré von Nestle sei dann der erste Schnellkaffee gewesen.
Dann kamen die Ersatzprodukte Die Jahre um 1950 beschrieb Roman Rossfeld mit Aufkommen der Fresswelle, die Gesellschaft sei total genussorientiert worden, aber auch vom Genuss weg sei Thema gewesen. Jedenfalls sei die ganze Gesundheitsdebatte beim Kaffee mit koffeinfrei unter den Tisch gewischt worden.
Weil Kaffee für untere Schichten noch immer teuer gewesen sei, hätten Ersatzprodukte wie Frank-Aroma und Kathreiner Malzkaffee Auftrieb bekommen. Das sei auch der Aufstieg zur Zichorienindustrie gewesen. Dahinter habe auch die Überlegung gestanden, dass Kaffee keinen Nährwert habe, also mussten Ersatzprodukte her. Aus den verschiedensten Produkten wie Feigen, Malz und gar Rüben habe man Kaffee geröstet. Die Zichorienindustrie habe 1850 mit fünf Fabriken begonnen, 1877 seien es bereits 14 gewesen und bis 1885 hätten 85 Fabriken diese Produkte hergestellt.
Die Industriegesellschaft verlangte schnellen Kaffee Rossfeld berichtete weiter über die Instantisierung. Dahinter stand der grundsätzliche Trend, Lebensmittel länger haltbar zu machen. Und der zweite Grund war die rasche Konsumierbarkeit. Weil die Leute immer mehr in der Fabrik arbeiteten, hatten sie weniger Zeit für die Arbeit zu Hause. In dieser Zeit seien nämlich auch der Maggiwürfel, die Kondensmilch und die Tafelschokolade aufgekommen. Dazu gehörte nun auch die Herstellung von löslichem Kaffee.
Heute sei der Kaffee durch die Industrialisierung, Rossfeld nannte dabei Vietnam als zweitwichtigster Lieferant, praktisch zu erschwinglichen Preisen erreichbar. Die Ersatzprodukte seien nur noch marginal auf dem Markt erhältlich. Der schnell lösliche Kaffee stehe im Vordergrund. Mit dem Aufkommen der Espresso-Maschinen habe der Bohnenkaffee wieder Auftrieb bekommen, weil man per Knopfdruck seinen Kaffee haben könne.
Dass Kaffee nicht einfach Kaffee ist, bestätigte die Diskussion unter den Teilnehmern im Anschluss. Allerdings relativierte der Referent, dass bei falscher Zubereitung auch der beste Kaffee zur „Brühe“ werde.
Gentechnologie auf dem Teller
Donnerstag, 24. Nov. 2005 20.00 h - 21.30 h, Vortragsraum Hof, 2. Stock. Referent: Dr. Jan Lucht, Biologe, Schweiz. Arbeitskreis für Forschung und Ernährung, Zürich.
Gentechnik wird weltweit in immer grösserem Umfang auch bei der Lebensmittelherstellung eingesetzt. Dafür werden verschiedene Gründe angeführt: Vitamine können umweltverträglicher produziert werden, Pflanzen benötigen weniger Spritzmittel gegen Insekten, Bauern erhalten neue Möglichkeiten für eine nachhaltige und schonende Landwirtschaft.
Viele Konsumentinnen und Konsumenten fühlen sich aber noch nicht gut genug informiert, wenn es um Gentechnik und Lebensmittel geht. Dieser Vortrag richtet sich an alle, die mehr darüber wissen wollen, in welchen Bereichen Gentechnik eingesetzt werden könnte und warum, wie sie funktioniert, welche Vorschriften in der Schweiz gelten und wie man sich beim Einkauf bewusst dafür oder dagegen entscheiden kann.
Die Leiterin der Volkshochschule, Elisabeth Fürer, hatte mit dem Thema "Kaffee - eine Droge des Bürgertums" ein interessantes Gesellschaftsthema aufgegriffen.