Do, 17.05.2012
Jahrgang 13, Nr. 4521
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Oskar Süess als Pirat und Erzähler.
Die Schatztruhe schafft immer etwas Geheimnisvolles.

„15 Mann auf des toten Manns Kiste...“
Oskar Süess startete in der Wiler "Sunnestube" mit Piratengeschichten seine Erzähltheaterreihe

27.01.05, CHRISTOF LAMPART
Volles Haus bei der Premiere – welcher Künstler träumt nicht von so einem Auftakt? Am Mittwochnachmittag wurde dieser Traum für den Wiler Oskar Süess wahr. Zu seinem Erstlingsprogramm in der Wiler „Sunnestube“ erschienen über 70 Personen und füllten den Raum bis auf den letzten Platz.

Unter dem Titel „Oscar, der Schrecken aus Tümpeln und Teichen“ startete Oskar Süess in der Wiler „Sunnestube“ als Seeräuber in sein ganz persönliches Abenteuer Erzähltheater. Wie ein Freibeuter, der über die Planke gehen muss, hatte auch Süess den Sprung ins „kalte Wasser“ vor sich.

Zwar warteten keine hungrigen Haie auf das Fabuliertalent, aber doch eine ganze Menge Kinder, die begierig nach dem schnappten, was er ihnen verbal bot. Wie Schwämme sogen sie auf, was der Seeräuber sagten – und das war nicht wenig und zugleich sehr ansprechend.

Schnell umdisponiert
Dabei musste Süess auch anfänglich einige Klippen umschiffen, sich zuerst an sein Publikum heran tasten, heraus finden, wie weit er gehen kann. Sein ein wenig polternder, mit wilder Meeresbrandung vom Band untermalter Erstauftritt war einem Mädchen schon zu viel; es begann zu weinen. Und so musste der Pirat sich schon früher als geplant von seiner sanften Seite zeigen, beschwichtigen und trösten.

Oscar nahm schon gleich mal ein wenig „Dampf“ weg, zumal das sich überwiegend im Vorschulalter befindliche Publikum wohl bei der einen oder anderen selbstironischen Bemerkung des Seeräubers vom Verständnis her nicht folgen konnte. Das merkte Süess und so erzählte er auf einmal weniger von sich und seiner wilden Vergangenheit, sondern vom Seeräuberleben allgemein. Woher kommt die Piratenflagge? Welche Entschädigung erhielt ein Seeräuber, wenn er bei einer Schlacht ein Bein verlor? Was ist der grösste Schatz überhaupt? Für Oscar ist dies gar keine Frage: „Gold und Edelsteine kann ich mir immer wieder von anderen klauen, aber der grösste Schatz ist für mich die Fantasie“, erzählte er den Kindern und – las eine seiner vielen Seeräubergeschichten vor.

Feuer und Flamme
Der Wechsel zwischen Geschichten und Szenischem kam sehr gut an. Die Kinder lauschten den Erzählungen aufmerksam, und wenn der Schrecken aus Tümpeln und Teichen das junge Publikum aktiv ins Geschehen einbezog, dann waren die Mädchen und Buben Feuer und Flamme. Da durfte mal ein Mädchen den in einer kleinen Truhe befindlichen Schatz herum zeigen, während andere wiederum aktiv mit rieten, wenn der Pirat eine Frage an die jungen Landratten richtete.

Oskar Süess schwamm sich im Verlaufe der rund 90 Minuten immer mehr frei, agierend fortwährend souveräner, so dass das Publikum in den Genuss eines vergnüglichen Nachmittags kam. Dass er sich beim Vorlesen ab und zu verhaspelte, machte gar nichts. Denn das war ein Pirat, der zu seinen Fehlern stand, über sich selbst lachen konnte. Vom Schrecken der Binnengewässer konnte hier schon lange nicht mehr die Rede sein. Die letzte Zurückhaltung schwand, als Oscar das Lied „15 Mann auf des toten Manns Kiste – jo-ho-ho-ho – und ne Buddel voll Rum“ anstimmte. Egal, ob leise, laut oder geheimnisvoll, nicht nur die Kinder sangen mit Begeisterung mit. Und auch das kleine Mädchen weinte nun schon lange nicht mehr.


Der Revolver bewirkte auch etwas Piratenstimmung.
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