Do, 17.05.2012
Jahrgang 13, Nr. 4521
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Alles wurde gut organisiert, vom ersten bis zum letzten Akt.
Das Zeltaufstellen ist immer ein besonderer Spass.
Selber einmal ein Star sein. Dies wurde beim Karaoke ausprobiert.
Sternchen, Stars und Co. vergnügten sich vor dem Computer.
Mal "grausam", mal "Profi", betitelte der Computer die Möchtegernstars.
Auch im Schlamm lässt es sich tanzen und feiern - und wie!
Auf Grossleinwand waren die Stars noch hautnaher zu sehen als in Natura.
Sämtliche Headliners begeisterten und zeigten tolle Shows.
Die Atmosphäre war gut, auch wenn das Wetter sich mehr als nur durchzogen zeigte.
Ein Bisschen Schlamm und Dreck gehört zu einem richtigen OpenAir.
Das Trampolin war bei grossen und kleineren Gästen beliebt.
shakeadelic entschied den Newcomer-Wettbewerb für sich und geht nun ins Studio.

Tolle Stars, tolle Atmosphäre und für jeden Geschmack etwas
In der Degenau Jonschwil ging zum ersten Mal erfolgreich das Tufertschwiler OpenAir über die Bühne.

21.08.2006, Cornelia Forrer
Es ist nun Geschichte. Das erste in Jonschwil ausgetragene OpenAir Tufertschwil ist vorbei. Toll wars und problemlos gings über die Bühne. 26'000 glückliche Gäste, das ist doch eine tolle Leistung.

Einmal als erwachsene Single alleine und zwei Tage mit dem Nachwuchs am OpenAir Tufertschwil und dabei verschiedene Brillen anzuziehen. Das ist es, was mich dieses Jahr reizte, nachdem ich in anderen Jahren immer mal wieder für einzelne Highlights hineingeschaut und mir so nur die jeweiligen Rosinen aus dem immer schon vielfältigen Programm herausgepickt hatte.


Und gleich zu Beginn das Resumee: Ich habe festgestellt, dass es sich auch alleine durchaus feiern lässt und man auch als „etwas älteres Semester“, das keinerlei beziehungsmässiges Abenteuer sucht, nicht raucht oder kifft und auch den Umgang mit dem Alkohol im Griff hat, im Kreise der Jugendlichen und Junggebliebenen ganz schön schnell Anschluss finden.

Du setzt dich zu einer Gruppe, beginnst das Gespräch und wenn du aufgeschlossen und nicht ganz daneben bist, gehörst du auch bald schon dazu. Bei den flirtenden und schmusenden Pärchen funktioniert das natürlich nicht, aber mal ehrlich – welcher auch nur halbwegs normale Mensch will sich da schon dazugesellen und fünftes Rad am Wagen sein?

Nur Fragen stellen
Raschen Kontakt findest du aber in den meisten Kreisen, wenn du das Gespräch mit einer Frage nach einem der Headliners beginnst. Und es spielt keine Rolle, ob du nun diesen Headliner kennst oder nicht. Nur den Namen musst du von ihm kennen, denn das Wissen wird sich von selber ergeben. Jetzt nämlich wird bald der unauffällige Herr, die (im wahren Leben wohl recht schicke) gutgelaunte Dame genau so gesprächig wie der Partyfreak schlechthin. Alles blüht auf und plaudert dich voll. Die Fachperson und Plaudertasche in jedem einzelnen erwacht und jeder und jede hat irgend etwas Spannendes gelesen oder munkeln gehört.

Die Jungen laden dich zum Bier und die gleichaltrigen Semester eher zum Wein ein. Und du landest in irgendeinem Zelt und feierst dort, dass sich (die nicht vorhandenen) Balken biegen. Und hast du keine eigene Unterkunft dabei, dann könntest du gleich auch übernachten, denn Platz hats genug, und man wird ja nicht so lange schlafen wollen, wenn konzerttechnisch ein Höhepunkt dem anderen folgt.

Und glücklicherweise überzeugen sie alle Span wie Dr. Feelgood, Thunder und BAP. Und dann rocken endlich die lang herbeigesehnten Status Quo, singen, fetzen und schwingen die Hüften, wie zu ihren Anfängen. Beim „Rockin’ all over the world“ ist dann auch der hinterste und letzte Zuhörer nicht mehr zu halten. Und die noch später auftretenden Blaumeisen können von der allseits guten Laune der begeisterten Oldie-Fans nur noch profitieren, wenn diese auch vor sichtlich weniger Publikum spielen, weil die meisten „ihre“ Lieblinge bereits gesehen haben.

Humor hilft weiter
Ab nach Hause dann und das warme Bett geniessen, denn zwei Nächte am OpenAir wäre des guten wohl doch zu viel, denkt sich der begeisterte Single, packt die sieben Sachen ein, verabschiedet sich von den deutlich jüngeren OpenAir-Kollegen und schwirrt ab ins Dunkle. Und die Entscheidung erweist sich trotz der sehr guten Organisation im Nachhinein als richtig, denn die Nacht vom Samstag auf den Sonntag im Zelt ist kühl und feucht, und es tut gut, wenigstens vorher gut und warm verpackt durchgeschlafen und vor dem zweiten Teil ein Bad genommen zu haben.

Der musikalische Mix vom Samstag lockt mich schon am Morgen mit meinen Kindern zurück ins Getümmel. Doch erstmals heisst es, einen Zeltplatz zu suchen und das Iglu zu errichten. Und obwohl es schon eine ganze Weile her ist, weiss frau noch, wo die Stängelchen hingehören, wie die Seile gespannt und wo die Heringe befestigt werden müssen. Und das ist gut so, denn nichts ist peinlicher, als unter Beobachtung einer stattlichen Zuschauerschar vom bereits errichteten Zelt aus, unter Johlen und Lachen, sein Zelt aufzubauen.

Die Jugend ziehts bald schon zum Newcomer-Wettbewerb, dem sich Firetag, shakeadelic und Dlime Lizeps stellen und wo shakeadelic aus dem Liechtenstein letztlich siegt. Die vier Ohrbooten vermitteln dann ihre Botschaften mit frecher Berliner Schnautze und versprühen dabei Charme und Humor. Die Kids sind begeistert und tanzen vergnügt auf dem Rasen umher.

Angebote sind teuer
Zwischen Bright und Dada Ante Portas genehmigen sie sich eine erste Mahlzeit und stellen erstmals fest, dass die Ansätze fürs Abfallkonzept zwar sehr gut sind, doch nicht überall überzeugen. „Es hat viel zu wenig Abfallkübel und viel Abfall landet deshalb auf dem Boden, gerade bei den Zelten“, stellen die beiden Unterstufen-Schulkinder immer wieder fest und ärgern sich, dass sie sich jeweils einen Kübel suchen müssen, um ihren Dreck zu deponieren.

"Letztes Jahr, als noch Abfallsammler unterwegs waren, war dies viel besser", attestieren sie. Überzeugend, doch für die Kids noch wenig von Interesse, sind die verschiedenen Präventionsmassnahmen. Hier werden junge und ältere Menschen gezielt angesprochen, mit Geschenken und Informationsmaterial ausgestattet und ins Zelt gelockt.

Es wird auch weniger Alkohol konsumiert. Oder liege ich da falsch? Die Getränke sind jedoch, wie übrigens auch alle anderen kulinarischen Angebote, teuer und nicht eben familienkonform. Der Döner ist so scharf, dass es selbst mich fast aus den Socken haut. Die Schoggibananen sind zwar gut, doch nach zwei Bissen heruntergeschluckt und der Kaffeebecher beinhaltet auch nur drei kleine Schlucke. Und meine Kids verlangen nach Milch - doch davon weiss hier keiner was.

Für Möchtegernstars
„Wir trinken fast nur Hahnenburger“, erzählt denn auch eine Mutter, die mit ihren vier Kindern gekommen ist. Fünf Franken für einen Becher Cola, das sei einfach zu teuer, wenn man mit ein paar Kindern komme. Sie befürchte auch, dass gerade Jugendliche des Preises wegen viel zu wenig trinken würden.

Toll sind die Unterhaltungsangebote und preislich auch im Rahmen: das Trampolin etwa. Das Karaokezelt ist Tag und Nacht voll besetzt, doch die Karaoke ist ja auch nicht nur lustig, sondern auch noch kostenfrei. „Anfänger“, „mehr üben“, „grausam“ oder „Vollprofi“, attestiert der Computer den Möchtegernestars.

Was auffällt, sind die durchwegs überzeugenden Auftritte der noch so grossen Stars. Alle sind sie topmotiviert, ob sie nun spätnachts oder noch mitten am Tag eingeplant sind. Ob Juli, Jamiroquai, Scooter, ob Kandlbaur oder AnnA: es sind und bleiben Profis, die trotz mittlerweile schlechten Wetterbedingungen ihr Bestes geben und ihre Fans zu motivieren verstehen.

Lauter zufriedene Gäste
Und selbst am Sonntag ist das so, als das Gelände nur noch Schlamm ist. Wen stört es, dass er darin fast versinkt, wenn auf der Bühne DJ BoBo tanzt und Baschi singt? Wie vorausgesehen, sind es Tokio Hotel, die auch sonst recht vernünftige Teenies zum Schmelzen und Kreischen verlocken. Hier sind auch weinende Fans zu sehen und nicht alle sind unter zwanzig, die ihre Arme nach ihren Lieblingen ausstrecken. Hier tanzt Mami mit ihrem Dreikäsehoch, wenn Bill sich über das Wetter beschwert. Und Papi schwenkt die hoch erhobenen Hände hin und her.

Generationen sollten gemäss Veranstalter des OpenAirs Tufertschwil begeistert werden. Und dies ist in jedem Falle gelungen. Schlussendlich gehen nämlich Grossmami und Papi mit Enkelchen und Söhnchen zufrieden nach Hause, wenn auch alle verschmutzt vom Kopf bis zu den Füssen sind. Sie haben getanzt, gesungen und sich im Schlamm gesuhlt. Und allen hats gefallen. „Ich kann ja daheim alles in die Waschmaschine stecken“, sagt eine Mutter lachend. Die Freude aber über das schöne Wochenende und die vielen Eindrücke, die werden noch lange anhalten.

Die Zelte werden abgebrochen, und der Parkplatz leert sich. Und alle machen sich auf den Weg nach Hause, ob dieses nun ins Schaffhausische, Bernische oder in der Region ist. Was sich auch bewährt, sind die Sicherheitsvorkehrungen und das Parkplatzkonzept. Alles geht zügig und problemlos voran. Das OpenAir Tufertschwil zum ersten Mal in Jonschwil ausgetragen, ist nun schon Geschichte. Es war ein Erfolg – einfach toll! Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder. 26'000 glückliche Gäste - das ist doch ein grosses Bravo wert!

Erfolgreiches OpenAir
Erfreute Stellungnahme seitens des Jonschwiler Gemeindepräsidenten Stefan Frei:

Das erstmals in Jonschwil durchgeführte OpenAir Tufertschwil liegt hinter uns. Rund 26'000 Besucher wur-den verzeichnet. Die organisatorischen Vorbereitungen haben gut funktioniert. Einzelne Schwachstellen werden in den nächsten Wochen analysiert, um für künftige Austragungen Lehren zu ziehen.

Es ist nicht selbstverständlich, dass der „3tägige Ausnahmezustand“ in unserer Gemeinde ohne nennenswerte Probleme abgelaufen ist. Der Gemeinderat dankt deshalb der Bevölkerung für das grosse Verständnis für die unumgänglichen Umtriebe, sei’s bezüglich Verkehr, Geräuschpegel oder Abfall. Diesem Dank schliesst sich auch der Veranstalter unter Leitung von Linus Thalmann ausdrücklich an. Ein weiterer Dank geht auch an die Landbesitzer und an die rund 300 Helferinnen und Helfer, wovon über 80 aus der Gemeinde Jonschwil stammten, die sich tatkräftig engagierten, um das tolle Festival zu ermöglichen.

35 % der Bevölkerung anwesend
Aus Sicht der Gemeinde ist besonders erwähnenswert, dass 848 Tickets an die einheimische Bevölkerung verkauft wurden. Zusammen mit den Helfern waren somit rund 35 % der Bevölkerung am OpenAir präsent. Dies beweist eindrücklich, dass das OpenAir in der Gemeinde Jonschwil mit offenen Armen empfangen wurde.

Ein detaillierter Bericht über den Grossanlass bezüglich allen erreichten Wirkungen wird noch folgen. Trotz reibungsloser Organisation liegen die Besucherzahlen leider unter den Erwartungen. Nach einer genauen Analyse durch Veranstalter und Gemeinde kann über weitere OpenAir-Festivals in der Degenau in Jonschwil entschieden werden. Wir würden uns jedenfalls über ein OpenAir 2007 freuen!

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Ausgabe vom 17.05.2012 | © IWP 1999-2012 | Geschichte | Werbung | Logos | Impressum | Kontakt