Sa, 04.02.2012
Jahrgang 13, Nr. 4418
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OK-Präsidentin Susanne Kaspar bei der Vernissage.
Das Rad symbolisiert den gleichförmigen Tagesablauf der Schwestern von St. Katharina, das Pendel die innere Gelassenheit, mit welcher die Nonnen durchs Leben schreiten.

Gelassen auf der Suche nach Gott
Die Dienerschaftskapelle zeigt erstmals wieder eine Ausstellung, das Klosterjubiläum behandelt das Thema: „Alles dreht sich um Gott“

07.05.2007, Christof Lampart
Mit der Vernissage zur Ausstellung „Alles dreht sich um Gott“ folgte am Sonntagnachmittag in der Dienerschaftskapelle im Hof zu Wil ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr „400 Jahre Kloster St. Katharina“. Die Ausstellung ist gleichzeitig eine Premiere für die Dienerschaftskapelle, bisher war der Raum der Öffentlichkeit schon länger nicht mehr zugänglich.

Die Ausstellung handelt, klar, vom Kloster St. Katharina. Und doch ist sie auf mehrere Arten „ungewöhnlich“, vergleicht man die Ausstellung mit all jenen Veranstaltungen, die bis anhin rund ums Jubeljahr des Dominikanerinnenkonvents statt fanden.

Denn zum einen wurde mit der Dienerschaftskapelle ein Ort gewählt, der nichts direkt mit dem „Kathi“ zu tun hat. Und zum anderen übernahmen nicht die Schwestern das Ausstellungsmachen, sondern vergaben diesen Auftrag nach aussen. Und zwar in die Hände von Stadtarchivar Werner Warth und seinem Team.

Dieses kam bei der Konzeptionierung schon bald einmal von der ursprünglichen Idee der Schwestern ab, eine „Antiquitätenschau“ (Warth) zu zeigen, in welcher sich vor allem die glorreiche Geschichte des Klosters spiegeln würde.

In Einheit mit Gott
Vielmehr wurde – in enger Absprache mit den „Kathi“-Schwestern, von denen auch ein gutes Dutzend der Vernissage beiwohnten - der Fokus aufs Hier und Heute gelegt. Und so zeigt die Ausstellung eindrücklich, wie das Leben der 19 Schwestern im Alltag verläuft.

Entlang der Innenwände der Dienerschaftskapelle sind diverse Tafeln angebracht, welche über die (Bau-)Geschichte des Klosters Auskunft geben. Im Mittelpunkt des Raumes – und damit auch die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehend – steht eine schwarze Platte, auf der ein weisses Rad abgebildet ist. In der Mitte des Rades, direkt über der Nabe, hängt von der Decke ein Pendel aus Eisen herunter. Dieses symbolisiert die Gelassenheit der Schwestern, mit der sie ihrem ritualisierten Tagesablauf nachleben – ganz in Einheit mit Gott.

Tiefe Gelassenheit spürbar
Von dieser erzählt auch ein Film, der in den letzten Monaten mit sechs „Kathi“-Schwestern gedreht wurde. Dieser wird in einem kleinen „Kino“ gezeigt, das durch einen schwarzen Vorhang vom übrigen Raum abgetrennt ist, so dass die einen in Ruhe Lesen, die anderen in Ruhe fernsehen können.

In diesen aufschlussreichen Interviews äussern sich die Nonnen über ihre Jugend, ihren erlernten Beruf, den Eintritt ins Kloster, die Freuden und Schwierigkeiten im Zusammenleben. Aber auch über persönlich als stark religiös empfundene Momente, zu denen für viele auch das bewusst erlebte Sterben einer Mitschwester zählt. Dann werde gemeinsam das „Salve Regina“ gesungen, erzählt eine, und eine andere erklärt, Gott nie so nahe zu sein, wie in diesen Momenten.

Und bei all diesen Aussagen ist eine grosse, tief wurzelnde Gelassenheit spürbar, welche beeindruckt. Auch die rund 50 geladenen Gäste konnten sich bei der Vernissage nicht davon frei machen, wie etliche Gespräche und Eintragungen ins Ausstellungs-Gästebuch verrieten.

Wandern, Jassen, Ferien
Ein weiteres Gestaltungselement dieser Ausstellung, in welcher nicht ein einziges altes Stück zu sehen ist, sind viele Leuchtstelen, die an den Ecken der schwarzen Platte aufgestellt sind. Auf ihnen wird auf der Vorder- und Rückseite allerlei über den Tagesablauf erzählt.

Die Besucher erfahren, wie die Stundengebete heissen, dass um 5.30 Uhr Tagwacht ist, die Nonnen ab und zu gerne einen Jass klopfen und auch Wanderungen und jährliche Ferien (drei Wochen) zum fixen Ablauf gehören. Die Ausstellung „Alles dreht sich um Gott“ wird vom 11. Mai bis zum 1. Juli, jeweils am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr, geöffnet sein. Der Eintritt ist kostenlos.


Werner Warth bei der Vernissage. Mit seinem Beitrag erhielt die Ausstellung aktuelle Botschaften, um nicht allein Geschichtliches darzustellen.
Gäste und Nonnen bestaunten gleichermassen die Ausstellung.
Vier beleuchtete Informations-Stelen umgeben ein Rad, in dessen Mitte ein Pendel ruht.
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