Do, 17.05.2012
Jahrgang 13, Nr. 4521
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Kompetente Referenten informierten über die Börsensituation, die Aussichten und die Anlagemöglichkeiten bei der St. Galler Kantonalbank:
v.l. Thomas Stucki, Dirk Schumacher und Robert Zimmermann.
Über 140 Punkte stieg der Aktienindex seit 2003, der Höhenflug werde so schnell nicht abbrechen.
Dirk Schuhmacher zeigte die Grössenverhältnisse bei den sogenannten BRIC-Staaten, Brasilien, Russland, Indien und China auf.
Die BRIC-Staaten werden ob ihrer grossen Zuwachsraten zu eigentlichen Wachstumsmotoren emporsteigen.

BRIC’s-Staaten: Bald grösste Kapitalmärkte
Der Börsenapero der St. Galler Kantonalbank im Stadtsaal Wil sorgte für ein Stimmungsbild, wo die zukünftigen Wachstumsländer zu finden sind.

08.05.2007, Niklaus Jung
„Es kann noch weitergehen mit der Börsenhausse“, so der Tenor am Börsenapero der St. Galler Kantonalbank vom Montag im Stadtsaal Wil. Thomas Stucki, Chief Investment Officier, belegte an zahlreichen Grafiken, dass Europa und auch die Schweiz im Börsenbereich wenig Schwankungen zu erwarten hätten, allerdings werde sich das Wachstum verlangsamen. Fast unheimlich wirkte der Ausblick auf die Auswirkungen des enormen Wachstums bei den BRIC’s-Staaten, Brasilien, Russland, Indien und China, wie sie genannt werden.


Das Interesse an der Börsenentwicklung ist ungebrochen. Im Wiler Stadtsaal fand sich einmal mehr eine grosse Zahl interessierter Anleger ein, sich über die künftigen Entwicklungen im Weltmarkt und den Börsen selber ein Bild zu machen.

„Vier Jahre Börsenhausse – wie weiter“. Diesen Titel stellte Beat Krähenmann, Leiter Privatebanking Wil an den Anfang der Information. Weil die Börse wiederkehrend von Höhen und Tiefen befangen sei, müsse die Zukunft nach dem bereits längeren Hoch interessieren. Mit Dr. Thomas Stucki stellte Krähenmann einen erfahrenen Börsenfachmann vor. Seit Herbst 06 Chef Investment Officier, bringe er Erfahrungen ein aus der vorausgehenden vierjährigen Tätigkeit bei der CH-Notenbank. Einen Ausblick auf die Entwicklung der Weltmärkte, dies bis 2050, machte anschliessend Dr. Dirk Schuhmacher von Goldman Sachs Frankfurt.

Positive Aussichten bei Aktien, Rohstoffe und Euro
An den Anfang seiner Ausführungen stellte Thomas Stucki die Einschätzungen seitens der St. Galler Kantonalbank. Die Börse sei zwar seit 2003 um über 140 Punkte gewachsen, dies treffe allerdings nicht für alle Bereiche zu. Während auch in der Zukunft bei den Aktien, den Rohstoffen und auch dem Euro positive Entwicklungen zu erwarten seien, könne dies von den Obligationen nicht gesagt werden. Die Rohstoffe werden ob der grossen Nachfrage seitens China, Indien und auch Brasilien an Wert zulegen.

In den USA mache sich im ersten Halbjahr 07 zwar eine wirtschaftliche Abschwächung bemerkbar, diese werde sich aber im zweiten Halbjahr wieder ausgleichen. Ein Wachstum in den USA von 2 bis 3 Prozent sei für europäische Verhältnisse überaus gut, werde aber in den Staaten selber als schlecht taxiert. Probleme haben die USA im Hypothekenmarkt, 14 Prozent der Schuldner könnten ihre Zinsen nicht mehr bezahlen. Ansonsten machten sich die USA insbesondere als Job-Maschine bemerkbar, unter 4 Prozent Arbeitslosigkeit sei ein sehr guter Wert, führte Stucki aus.

Die Stimmung in Europa ist gut
Thomas Stucki verwies weitergehend auf das optimale Wirtschaftswachstum in der Schweiz hin. Die dynamische Entwicklung bei Exporten und dem Detailhandel lasse auf eine stabile Stärke schliessen. Europa könne generell als „in guter Stimmung“ beurteilt werden, so verbessere das Wachstum in Deutschland auch die Arbeitsmarktlage. Die Risiken in den USA, so das Facit von Stucki, seien zwar gestiegen, aber eine Rezession müsse nicht erwartet werden. Europa könne sich momentan sogar von den USA abkoppeln.

Der Euro bleibt stark
Lobend erwähnte Stucki weiter die Einführung des Euro, welcher sich als überaus stabile Währung entwickelt habe, er habe sich als Alternative zum US-Dollar entwickelt. Dies habe seine Gründe: Der Kapitalmarkt sei liquide und werde vielfältiger, die Maastricht-Kriterien wirkten trotz einzelner Verletzungen disziplinierend und die meisten neuen EU-Staaten wollten den Euro übernehmen.

Die Wirtschaftsentwicklung in Europa zeige sich ob der attraktiven Aktien- und Immobilienmärkte überrascht positiv, die erwartete Zinsdifferenz spreche für den Euro. Der Euro sei für die Devisenreserven der Zentralbanken eine gute Ergänzung geworden zum US-Dollar. An Hand einer Grafik zeigte Stucki auf, das China über Devisenreserven von 1200 Mia US-Dollar verfügten. Allein sich die Summe vorzustellen mache schon Mühe, umso grösser sei die Herausforderung eine solche Geldmenge anzulegen. Im Vergleich verfüge die Schweiz gerade einmal über 37 Mia Devisenreserven.

„die BRIC’s verändern die Welt“
Im zweiten Referat zeigte Dr. Dirk Schumacher, Senior European Economist, auf, wie die sogenannten BRIC-Staaten, gemeint sind Brasilien, Russland, Indien und China, immer mehr zu Wachstumspolen auf dem Weltmarkt werden. Für Schuhmacher ist klar, dass es die Bric’s Staaten sein werden, welche in den nächsten 10 Jahren die Finanzwelt verändern. Darin seien Grössenordnungen von Volkswirtschaften, welche für sich allein schon deutliche Veränderungen herbeiführen könnten. Diese Länder werden es sein, welche bis 2025 wohl für über 40 Prozent des globalen Wachstums verantwortlich seien.


Schuhmacher sieht diese Länder auch noch in 50 Jahren an bestimmender Position, Europa werde an Einfluss verlieren. China wird nach Schuhmacher die USA spätestens bis zum Jahr 2035 überholen, auch Indien werde den USA den Rang ablaufen. Natürlich werden die BRIC’s-Staaten nicht über die Jahrzehnte in diesem Tempo wachsen, aber aufholen werden sie zu den Industriestaaten. Als wichtige Voraussetzungen für ein stabiles Wachstum nannte Schuhmacher eine vernünftige Wirtschaftspolitik, eine stabile politische Institution, Offenheit gegenüber dem Ausland, und hoher und breiter Bildungsstand. Aber Wunder brauche es sicher nicht.

Abschliessend wies Schuhmacher auf weitere sich abzeichnende Wirtschaftspole, die N-11 Länder hin. Darin sind Länder wie Türkei, Iran, Pakistan, Indonesien, Philippinen und auch Vietnam. Aber auch Nigeria, Mexiko und Korea finden sich in der Liste. Abschliessend zeigte Robert Zimmermann vom REP-Office Zürich der Goldmann Sachs International Anlagemöglichkeiten im Bereich der BRIC’s Staaten auf.


Unheimliche Zahlen: China weist Devisenreserven von 1202 Mia US-Dollar aus, die Schweiz gerade Mal 37 Mia.
Total unterschiedlich, die Anteile der Bevölkerung zum Brutto-Inland-Produkt (BIP) bei den BRIC-Staaten.
Der Stadtsaal Wil war keineswegs überdimensioniert bezüglich Teilnehmerzahlen am Börsenapero.
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