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| Vor dem Vortrag diskutierten von links: Peter Aerne, Prof. Peter Ulrich und Edith Eisenring, Wirtschaftslehrerin an der Kanti. |
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| Professor Peter Ulrich referierte über Wirtschaftsethik. |
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| Aufmerksame Schülerinnen und Schüler der Kanti Wil verfolgten die Vorlesung. |
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| Beat Steiger, verantwortlich für die Wifona (Mitte) war ebenfalls anwesend. |
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Sozialverträgliche Wirtschaftspolitik
Professor Ulrich beleuchtete Nachhaltigkeit unter wirtschaftsethischen Gesichtspunkten
17.04.2008, Ernst Inauen
Beim zweiten Vortrag der öffentlichen Vorlesungsreihe der HSG befasste sich der Wirtschaftsethiker Dr. Peter Ulrich mit Zusammenhängen von Wirtschaft und Ethik. In der Aula der Kantonsschule Wil verfolgten wiederum über 200 Personen die Ausführungen von Professor Ulrich von der Universität St.Gallen.
Im Vorfeld der zweiten WIFONA (Wiler Forum für Nachhaltigkeit) vom 7. Mai 2008 findet in der Kanti Wil eine vierteilige Vorlesungsreihe der Universität St.Gallen statt. Sie führt dieses Programm im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit der UNESCO-Bildungsdekade für nachhaltige Entwicklung 2005-2014 durch. Als dritte Referentin wird sich am 22. April Frau Professor Dr. Kerstin Odendahl dem Thema „Nachhaltigkeit auf internationaler Ebene – Was ist das und wie wirkt sie sich für die Schweiz aus?“ widmen. Am 6. Mai folgt dann die vierte Vorlesung von Professor Dr. Gebhard Kirchgässer. Er befasst sich mit der „Nachhaltigkeit aus umwelt-ökonomischer Perspektive.
Aufklärung Am 15. April eröffnete die Kanti-Lehrerin für Wirtschaft, Edith Eisenring die zweite Vorlesung mit der Begrüssung und Vorstellung des Gastreferenten Professor Dr. Peter Ulrich von der Kulturwissenschaftlichen Abteilung der HSG. Der Titel seiner Vorlesung befasse sich mit „Nachhaltigkeit – wirtschaftsethisch ernst genommen“. Professor Ulrich gelte als Wegbereiter für die Wirtschaftsethik und sein Lehrstuhl sei der erste für diese Fachrichtung gewesen, gab Edith Eisenring bekannt. Einleitend äusserte Professor Peter Ulrich einen „Werbespot“: „Das heutige Referat will kein moralischer Zeigefinger sein. Wir verstehen unser Fach als eine aufklärerische Aufgabe, um welche sich eigentlich die Oekonomie kümmern müsste!“ Das Problem einer naturverträglichen Wirtschaftsentwicklung könne innerhalb der Logik eines marktwirtschaftlichen Systems nicht gelöst werden, solange diese nicht in einen übergeordneten gesellschaftlichen Kontext eingebettet werde.
Rechte und Pflichten Die im Vortrag seines Vorgängers Professor Thomas Dyllick angeführte Standarddefinition des Brundtland-Berichts von 1987 mache dies zu wenig deutlich. Sie vermeide alle Kategorien der zwischenmenschlichen Verbindlichkeit, zu denen Rechte und Pflichten gehören. Genau darum gehe es doch im Kern aus wirtschaftsethischer Sicht. Wenn das notwendige Wirtschaftswachstum nicht mit Sozialverträglichkeit verknüpft sei, öffne sich die soziale Schere immer mehr. Es sei auffallend, dass auch im OECD-Raum die sozialen Probleme keineswegs gelöst seien. Ein Umdenken sei schwer zu bewerkstelligen. „Umdenken machen die meisten Menschen gar nicht gern“, stellte Peter Ulrich dazu fest. Seit etwa 20 Jahren werde eine forcierte Wirtschaftspolitik betrieben, die nicht sehr sozialverträglich sei. Die OECD habe rund 30 Millionen Arbeitslose, die Arbeit werde immer billiger („billig wie Dreck“ zitierte der Redner) und die Schwächeren gerieten in prekäre Bedingungen.
Dreidimensionalität Der Referent beleuchtete die Kriterien Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsverträglichkeit. Die „Triple Bottom Line“ suggeriere eine problemlose additive Dreidimensionalität nachhaltiger Wirkung und die Harmonisierbarkeit von Umwelt- und Sozialverträglichkeit mit der Logik des bestehenden Wirtschaftssystems. Trotz Wirtschaftswachstum lasse sich eine gerechte Gesellschaftsordnung niemals durch Quantität allein ersetzen. Um eine Harmonie zwischen Wirtschaftswachstum und Sozialverträglichkeit zu erreichen, seien die Ursachen des Missverhältnisses statt die Symptome zu bekämpfen. Die wirtschaftsethische Aufgabe sei mehr als Oeko-Effizienz.
Reformen Lösungsansätze sieht Peter Ulrich auf verschiedenen Ebenen. Es erfordere Reformen, allerdings nicht im heute vorherrschenden Sinn der Entfesselung marktwirtschaftlicher Sachzwänge. Im Gegenteil seien Ansatzpunkte für eine sozialökologische lebensdienliche Denk- und Sachzwangbegrenzungspolitik zu suchen. Mit vier elementaren Denkschritten führte Peter Ulrich Vorschläge an: 1. Die gedankliche Ueberwindung der tendenziell herrschenden Ziel-/Mittel-Verkehrung in der heutigen ökonomischen Systemlogik. 2. Ein zweistufiges Konzept von guter Ordnungspolitik, nicht nur als Wettbewerbs-, sondern auch als Vitalpolitik. 3. Eine buchstäblich „zivilisierte Marktwirtschaft“ als bürgerliberaler Fortschrittshorizont. 4. Die Etablierung einer vitalpolitischen Rahmenordnung des globalen Wettbewerbs. Nach der Vorlesung meldete sich in der vorgesehenen Fragestunde nur ein einziger Schüler zu Wort. Die Kanti-Wirtschaftslehrerin versprach das anspruchsvolle Thema im Unterricht weiter zu verarbeiten.
| Prof. Dr. rer.pol. Peter Ulrich |
- Geboren 29. Mai 1948 in Bern - 1967-71 Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Uni Fribourg - Promotion zum Dr. rer.pol. an der Uni Basel - Seit 1987 ordentlicher Professor für Wirtschaftsethik an der Universität St.Gallen - 1989 Gründer und seither Direktor des Instituts Wirtschaftsethik Universität St.Gallen - Diverse Buchveröffentlichungen |
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