Do, 16.10.2008
Jahrgang 9, Nr. 3212
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Der Vorstand des St.Gallischen Gewerbeverbandes stand den Delegierten Red und Antwort zum abgelaufenen Jahr.
Präsident Hans M. Richle: "Die Gewerbenähe spielt eine Rolle, wenn über Unterstützung von politischen Kandidaten entschieden wird. Es gilt Gewerbepolitik von Parteipolitik zu unterscheiden".
Über 100 Delegierte aus den angeschlossenen Gewerbevereinen wollten sich über die Geschäfte des Kantonalverbandes informieren.
Höchste Aufmerksamkeit erreichte das Referat von AFG-Unternehmer Edgar Oehler, im Bild im Gespräch mit Ständerätin Erika Forster.

Keinen traditionellen Gewerbler im Nationalrat
Der St. Gallische Gewerbeverband bekundete an der Delegiertenversammlung in Flawil Mühe über das schlechte Abschneiden ihrer Kandidaten bei den Nationalratswahlen, besser lief es beim Kantonsrat.

08.05.2008, Niklaus Jung
Es dürfte insbesondere das Referat von Dr. Edgar Oehler, des AFG-UNternehmers, gewesen sein, welches die Delegierten des St. Gallischen Gewerbeverbandes (SGV) so zahlreich in der Botsberg-Halle in Flawil aufmarschieren liess. Die Jahresgeschäfte sorgten nicht für Brisanz, der Rücktritt des Vorstandsmitgliedes Marie Theres Huser wird erst im nächsten Jahr anlässlich der Gesamterneuerungswahlen ersetzt. Bedauern äusserte Präsident Hans M. Richle zur misslungenen Platzierung eines traditionellen Gewerblers im Nationalrat.

Noch konnte die Gemeinde Flawil dem st. Gallischen Gewerbe für die 119. GV nicht den Gemeindesaal als Tagungsort anbieten, aber die Botsberg-Halle zeigte sich als ebenso ansprechender Ort. Beim Gewerbeverband nimmt man die Platzierung ihrer Exponenten in den nationalen wie kantonalen Parlamenten wichtig, um ihre Interessen einbringen zu können. Es war deshalb nicht verwunderlich, dass der Vorsitzende Hans M. Richle sich ausgiebig über den nun abgeschlossenen Wahlmarathon ausliess.

Was in aller Munde bei den Gewebehauptversammlungen, die UBS und die Immobilienkrise in den USA, wollte auch Richle eingangs thematisieren. Die Folgen dieser wahnwitzigen Entwicklung, wie er sie nannte, werden sich in den kommenden Jahren noch schmerzlich bemerkbar machen, umschrieb Richle die Situation.

Kein traditioneller Gewerbler im Nationalrat
Mit Ernüchterung blickte Richle auf die vergangenen Wahlen zurück. Es muss dem Gewerbe wohl schlechter gehen, bis man sich wieder für Vertreter in den Parlamenten engagiert, führte Richle an. Es sei ernüchternd, wenn von 12 Kandidaten gerade mal zwei Vertreter die Wahl schafften. Mit dem Landwirt Walter Müller und dem Rorschacher Gemeindepräsidenten Thomas Müller seien dies nicht einmal traditionelle Gewerbler.

Erfreulicher lobte Richle den Ausgang bei den Kantonsratswahlen, wo eine starke Wirtschaftsvertretung zu erwarten sei. Nochmaliges Bedauern führte der Vorsitzende ob der Nichtwahl von Armin Eugster in die Regierung an, mit Stefan Kölliker von der SVP habe es im zweiten Wahlgang zumindest ein Gewerbevertreter geschafft. Der Entscheid für die Unterstützung von Kandidaten obliegt dem Vorstand. Primär wird nach Richle auf die Gewerbenähe geachtet, man müsse Gewerbepolitik noch von Parteipolitik unterscheiden dürfen, begründete Richle die Entscheide.

Engagement des Gewerbeverbandes beim Nachwuchs
Weitergehend informierte Richle über die seit 122 Jahren durchgeführten Abnahmen bei den Lehrabschlussprüfungen für gewerblich-industrielle Berufe. Bekanntlich gehören seit zwei Jahren auch die kaufmännischen Berufe und des Detaihandels dazu. Das sind total 5'323 Lehrabschlussprüfungen in 227 Berufen und weitere 722 Teilprüfungen. Wenn es die Gewerkschaften auch nicht gerne wahrhaben wollten, sei dies ein klarer Leistungsausweis des Gewerbes, wo mit Leistung nicht mit Forderungen etwas erreicht werde.

Im Raum steht weiter eine Neuregelung bei der Organisation der Lehrabschlussprüfungen, ausgelöst durch die Anpassung des Berufsbildungswesens an das neue Bundesrecht. Das kantonale Amt für Berufsbildung setzte dem SGV dazu eine Leistungsvereinbarung in Kraft für die Jahre 2008 bis 2010.

Regierung für wirkungsvollen Austausch
Neben der seit 75 Jahren optimal verlaufenden Vereinbarung mit der OBTG mit erleichterten Bankdarlehen für KMU lobte Regierungsrätin Karin Keller-Sutter das vor 1,5 Jahren ins Leben gerufene KMU-Forum. Der Austausch zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Regierung könne neue administrative Belastungen vermeiden. Es gehe bei vielen Entscheiden auch darum, die KMU-Verträglichkeit zu prüfen.

Verbesserungen sieht Kantonsrat Armin Eugster für das Gewerbe mit der Revision des Steuergesetzes. Die Revision gelte auch der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Kantonen. Bereits stehen neue Revisionen in Vorbereitung, die Bekämpfung aus dem linken Politlager sei wohl programmiert, führte Eugster weiter aus.

Mit dem gestärkten bürgerlichen Lager im Kantonsrat, neu sind es 64 von 120 Mitgliedern, seien die Voraussetzungen zur Durchsetzung deutlich besser. Der Kanton kann sich nach Eugster beim derzeitigen Nettovermögen von 1 Milliarde Franken auch einiges an Entlastungen leisten, Eugster votierte auch für die Abschaffung der Arbeitsgerichte. Was bei der Mieterschlichtstelle gut funktioniere, könne auch bei der Arbeitsschlichtstelle Fortsetzung finden.

Wir von der Realwirtschaft
Mit Spannung wurde im Anschluss an die DV das Referat des AFG-Unternehmers Edgar Oehler erwartet. Sein Thema hiess zwar „Wir von der Realwirtschaft“. Dennoch musste Oehler auch noch einen Satz zum FCSG fallen lassen. Sportlich müsse man von „lampenden Ohren“ sprechen. Schlimmer sieht Oehler die Problematik der Einnahmenausfälle im neuen Stadion, sollte der Stadt-FC absteigen. Oehler sprach auch vom verloren gegangenen Stolz auf die Schweizer Banken und Versicherungen ob der Misere bei der UBS.

Oehler forderte die Gewerbler auf, sich wieder vermehrt einzubringen in der Politik. In der Furcht vor Repressalien hätten die meisten das Kämpfen für eine Sache verlernt. Realwirtschaft, so Oehler , finde noch immer dort statt, wo mit der Hand gearbeitet werde. Seine Arbonia Forster AG habe auch kämpfen müssen, um am Standort aufbauen zu können. Der initiative Unternehmer sei wieder verstärkt gefragt, welcher sich nicht scheue, für seine Sache einzutreten.

Dem Referat folgte das traditionelle Gewerblerbuffet, welches neben Gaumenfreuden auch dem Austausch unter Gewerblern galt.


In ihren Grussworten von der Regierung betonte Karin Keller-Sutter insbesondere den optimalen Austausch mit dem Gewerbe im vor 1,5 Jahren gegründeten KMU-Forum.
Armin Eugster, Vizepräsident beim Gewerbeverband, gab sich zuversichtlich, dass im nun gestärkten bürgerlichen Lager im Kantonsrat (64 von 120 Grossräten) eher Steuerentlastungen machbar werden.
In seiner Vorstellung der Gemeinde Flawil mit den 9'750 Einwohnern wies Gemeindepräsident Werner Muchenberger insbesondere auf das Jubiläumsjahr 1150 Jahre Flawil hin.
Mit von der Partie an der GV war auch der ehemalige FDP-Erziehungs-Chef Ernst Rüesch (links).
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