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Oberuzwil: 19.11.2008
Bruder Karl Bauer aus dem Kapuzinerkloster Appenzell: Unter diesem freundlichen, kompetenten Dirigenten lief der Gospelchor Oberbüren zu Hochform auf. (Foto C.Nadler)
Bruder Karl Bauer aus dem Kapuzinerkloster Appenzell: Unter diesem freundlichen, kompetenten Dirigenten lief der Gospelchor Oberbüren zu Hochform auf. (Foto C.Nadler)

Hansi Britschgi setzte mit seinem E-Bass harmonische Akzente und gab dem ganzen Gefüge damit Boden. (Foto C.Nadler)
Hansi Britschgi setzte mit seinem E-Bass harmonische Akzente und gab dem ganzen Gefüge damit Boden. (Foto C.Nadler)

Mit virtuosen Tastenläufen begleitete Christian Schneebeli am imposanten Keyboard, zwischendurch mit eigener, aber dennoch ganz harmonischer Melodienführung.
Mit virtuosen Tastenläufen begleitete Christian Schneebeli am imposanten Keyboard, zwischendurch mit eigener, aber dennoch ganz harmonischer Melodienführung.

„Love can build a bridge“  - Liebe kann Brücken bauen – ein inniges Liebeslied, von Kristina Marty und Beat Lütolf sehr einfühlsam gesungen. (Foto C.Nadler)
„Love can build a bridge“ - Liebe kann Brücken bauen – ein inniges Liebeslied, von Kristina Marty und Beat Lütolf sehr einfühlsam gesungen. (Foto C.Nadler)

Blond und dennoch aus voller Kehle – und Seele - singend wie im tiefsten Süden der USA: Janine Hälg bei einem ihrer Soli. (Foto C.Nadler)
Blond und dennoch aus voller Kehle – und Seele - singend wie im tiefsten Süden der USA: Janine Hälg bei einem ihrer Soli. (Foto C.Nadler)

Der Gospelchor Oberbüren kann sich nicht über einen Mangel an männlichen Stimmen beklagen, der Chorklang wirkt äusserst ausgewogen. (Foto C.Nadler)
Der Gospelchor Oberbüren kann sich nicht über einen Mangel an männlichen Stimmen beklagen, der Chorklang wirkt äusserst ausgewogen. (Foto C.Nadler)

Patrik Gerber behandelte das Schlagwerk sehr einfühlsam und dezent, gab so dem Chor zwar den „Herzschlag“, übertönte ihn aber an keiner einzigen Stelle. Sehr wohltuend! (Foto C.Nadler9
Patrik Gerber behandelte das Schlagwerk sehr einfühlsam und dezent, gab so dem Chor zwar den „Herzschlag“, übertönte ihn aber an keiner einzigen Stelle. Sehr wohltuend! (Foto C.Nadler9

Mit ihrer klangvollen Altstimme verführte Irene Schmid mit dem eingängigen, zum Ohrwurm gewordenen „Amen“ das Publikum zum Mitsingen, von Bruder Karl Bauer mit Gesten auffordernd unterstrichen. (Foto C.Nadler)
Mit ihrer klangvollen Altstimme verführte Irene Schmid mit dem eingängigen, zum Ohrwurm gewordenen „Amen“ das Publikum zum Mitsingen, von Bruder Karl Bauer mit Gesten auffordernd unterstrichen. (Foto C.Nadler)

Singen von religiösen Botschaften macht Spass, diese Botschaft kommt mit derart fröhlichen Gesichtern auch in den Herzen der Zuhörerschaft an.
Singen von religiösen Botschaften macht Spass, diese Botschaft kommt mit derart fröhlichen Gesichtern auch in den Herzen der Zuhörerschaft an.

Gospellieder sind nicht einfach Lieder, sondern Verkünder von Gottes Wirken bei den Menschen, an den Gesichtern der Singenden eindrücklich ablesbar.
Gospellieder sind nicht einfach Lieder, sondern Verkünder von Gottes Wirken bei den Menschen, an den Gesichtern der Singenden eindrücklich ablesbar.

Raphael Brühwiler streute zwischen den Liedern bedenkenswerte Gedanken zu den Aussagen der Texte ein und trat gegen Schluss auch als Solist auf. (Foto C.Nadler)
Raphael Brühwiler streute zwischen den Liedern bedenkenswerte Gedanken zu den Aussagen der Texte ein und trat gegen Schluss auch als Solist auf. (Foto C.Nadler)

Beschwingtes Lob Gottes
Konzert des Gospelchors Oberbüren in der Katholischen Kirche Oberuzwil
Annelies Seelhofer-Brunner
Wer gerne Gospel singt, liebt die fetzigen, beschwingen Klänge, in welche eine religiöse Botschaft verpackt ist. Diese kann zwischendurch ganz leise, innig und zart verkündet werden und so auch diese Seite des menschlichen Lebens zeigen.

Wer Gospel gerne hört, liebt genau diese Abwechslung von lautstark gesungenem Gotteslob, mit vielen Wiederholungen noch eindringlicher gestaltet, und ganz piano, ja fast verhauchendem Chorklang, welcher eine Hühnerhaut erzeugt, die von Kopf bis zu den Zehenspitzen reicht.

Gospelchor Oberbüren
Dieser Chor hat das grosse Glück, viele Männerstimmen in seinen Reihen zu haben. Die Frauen sind in solchen Chören ja nie das Problem, wohl aber die Tenor- und Bassstimmen. Sein zweites Glück ist dessen Leiter, Bruder Karl Bauer aus dem Kapuzinerkloster Appenzell, welcher dem Chor seit vielen Jahren sein unverwechselbares Gepräge gibt. Die kleine, aber äusserst feine Band mit dem virtuosen Christian Schneebeli am Keyboard, Hansi Britschgi als feiner Unterstützer an der E-Gitarre und Patrik Gerber am sehr dezent, aber dennoch effektvoll gespielten Schlagzeug begleitete auf sehr hörerfreundliche Art und Weise. Da brauchte es keine Ohrstöpsel, keine riesigen Verstärker, dafür wirkliche Könner an ihrem jeweiligen Instrument.

Ein Konzert wie eine Predigt
Erst standen nur die Sopranstimmen bereit, begannen aber schon zu singen, und zwar auf Deutsch. „Gib der Freude einen Platz!“ hiess der Aufruf, dem nach und nach auch die übrigen, gemessenen Schrittes hergekommenen Alt- und Männerstimmen folgten. Bei dieser Art Musik ist es fast unmöglich, den Körper ruhig zu halten, unwillkürlich wippt alles mit, in fliessenden Bewegungen.

Impulse durch Moderator Raphael Brühwiler
Durch das Konzert führte Raphael Brühwiler. Er setzte mit seinen kurzen Ausführungen immer wieder einen Akzent auf die Hauptaussage eines Songs. Diese Lieder besingen alle menschlichen Nöte, zeigen aber auch die tröstliche Nähe Gottes und seine Liebe, die er den Menschen durch Jesus Christus schenkt. Es sind Wünsche, die alle Menschen kennen. So sollen Steine aus dem Weg geräumt werden (One less Stone), es wird nach einem Engel gerufen (I need an Angel) oder die Liebe soll Brücken bauen helfen (Love Can Build a Bridge). Selbst wer kein Wort Englisch versteht, wird durch diese Art Musik berührt.

Dynamischer Chorleiter
Bruder Karl Bauer ist auf dem Podest ständig in Bewegung, treibt die Singenden an, spricht ihnen vor, zeigt den Takt und lässt nichts aus den Augen. Jeder Einsatz kommt gezielt und punktgenau. Dass die Sängerinnen und Sänger dem doch einmal nicht ganz folgen mochten, sondern die Band eine „Zusatzschlaufe“ spielen liessen, wurde kaum bemerkt, und wenn schon! Gerade dies macht die Echtheit eines Laienchores aus, diese Möglichkeit, auch einmal nicht alles perfekt zu erwischen. Ganz sympathisch war, dass Bruder Karl mit einem Lächeln über diese kleine Konzentrationslücke hinwegging und unbeirrt weiter dem Strom der Töne Struktur gab.

Abwechslungsreiche Liederwahl
Im Oberbürer Chor verstecken sich verschiedene Gesangstalente, die auch solistisch eine gute „Falle“ machen. Ganz unterschiedliche Stimmfärbungen und Klangvolumen brachten Abwechslung in die - musikalischen – Aussagen. Das Lied „Rock my Soul“, schon fast zu einem Gassenhauer geworden, liess auch das Publikum nicht unberührt – sofort setzte rhythmisches Klatschen ein. Aber auch hier hatte Bruder Karl stillere Passagen eingebaut, was erhöhte Spannung brachte. Ein besonders schönes afrikanisches Lied, durch seine vielen Vokale fast an lateinische Gesänge anklingend, ergriff das Publikum ganz speziell.
Ein wunderschön gesungenes „Heilig“ auf Spanisch – „Santo, santo“ - hatte einen starken „Hühnerhautfaktor“. Als Schlusslied hatte sich der Chorleiter etwas ganz Spezielles einfallen lassen. Er verband „Revival“ und „Die Himmel rühmen die Ehre Gottes“, komponiert von Joseph Haydn (1732 – 1809) zu einer eindrücklichen Vision eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Hier löste die deutsche Sprache den englischen Anfang ab, fugenartig mit der Aussage „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre - und seiner Hände Werk“ endend.

Zugaben gehören zum Programm
Ein Chor tut gut, sich auch mögliche Zugaben schon vorher zu überlegen. Wenn das Publikum derart beglückt und begeistert klatscht, sind solche „Fortsetzungen“ unerlässlich. Mit „I Gonna Walk“, einem zügig gesungenen Lied, welches von goldenen Treppenstufen erzählt, wurde dieser Block eröffnet. Danach kam das von allen ersehnte und auch vom Publikum immer mit grösster Begeisterung mitgesungene Lied „Amen“ zum Zug. Und weil Amen eben auch Amen ist, wurde das unersättliche Publikum etwas überlistet. Zwar gab es noch eine Zugabe, die von zwei Solistinnen bis zum Schluss durchgesungen wurde, während sich der Chor im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub machte, allerdings sehr geordnet und gemessen, wie zu Beginn. Die Band blieb ebenfalls am Ball, das Konzert klang fein und lieblich aus und entliess die Zuhörenden mit fröhlichen, glücklichen Gesichtern in den Sonntagabend.

Solisten und Solistinnen

Kristina Marty
Janine Hälg
Clemens Dahinden
Beat Lütolf
Raphael Brühwiler
Irene
Dani Fürer

Verschiedene Fotos wurden freundlicherweise von Carola Nadler zur Verfügung gestellt.