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GOYA, Zwischen Lieben und Leiden
Eine kraftvolle Inszenierung des Theaters des Ostens, Berlin bot sich am Samstagabend in der Wiler Tonhalle mit dem Stück „Goya“, dem spanischen Maler.
Niklaus Jung
Die Tonhalle Wil war am Samstagabend Ort eines überaus attraktiven Schauspiels. Mit Goya, präsentierte das „Theater des Ostens“ Berlin die widersprüchliche Geschichte des spanischen Malers Goya in einer ganz speziellen Form. Goya, in Jugendjahren wie auch im gesetzten Alter vorkommend, präsentierte die Theaterfrau Vera Oelschlegel gleich in zwei Personen.
Goya, eine fantastische Geschichte, die der grosse Autor Lion Feuchtwanger in einem umfänglichen Roman darstellte. Theaterfrau Vera Oelschlegel aus Berlin hatte sich Einiges vorgenommen, als sie sich entschloss, aus diesem faszinierenden Roman eine Bühnenfassung zu produzieren, die ganzen Texte selber zu verfassen, und zugleich Regie zu führen und auch noch eine der Hauptrollen zu spielen.
Berühmte Theaterfrau Die Tonhalle Wil kaufte bereits das dritte, grosse Bühnenwerk dieser Künstlerin und berühmten Theaterfrau ein, wie die künstlerische Leiterin Susanna Wipf bei der vorausgehenden Einführung informierte. Gerne erinnere sie sich an „Der Name der Rose“ oder auch „Schimmelreiter“. Und sie verspreche vorausgehend nicht zu viel, so Wipf, von einem Geniestreich der Bühnenkünstlerin zu sprechen.
Wenn sich die Tonhalle für einmal nicht bis auf letzte Plätze füllte, muss dies zum Teil sicher auch der Komplexität des Stückes zugeschrieben werden. Die Schauspieler des Theater des Ostens jedenfalls zeigten hohe Schauspielkunst.
Goya in zwei Charakteren auftretend Das renommierte Theater des Ostens, Berlin stellte in seiner Bühnenfassung den Künstler Goya in Gestalt von zwei Charakteren auf die Bühne. Goya 1, wie ihn das Programmheft ausweist, berührend dargestellt von Dieter Wien, ist der ruhigere, der weltweise Goya: „Jugend wäre ein gutes Mittel, wenn man sie später im Leben haben könnte“. Goya 2 als der leidenschaftliche, ungeduldige Teil, dargestellt von Oliver Trautwein, strebt nach ganz oben, will den Escorial erobern. Aber er ist auch den Frauen verfallen, verstrickt sich in der Affäre mit der Herzogin.
Goya tritt als ein von Selbstvorwürfen geplagter Mann in Erscheinung, mit Schuld beladen. In ständigen Zweifeln ringt er um seine Freiheit, seine subjektive Wahrheit in seinen Bildern lebendig werden zu lassen. Goya ist kein angenehmer Maler, er portraitiert die Königsfamilie so wie er sie sieht, z.B. malt er die Königin als hässliche, putzsüchtige Greisin. Auf den Rat von Freunden, dieses Bild nicht zu veröffentlichen, reagiert er trotzig, „die Alte bleibt in der Mappe“. Diese alte Königin wurde genial dargestellt von Vera Oelschlegel.
Professionalität im Bühnenbild Die gesamte Inszenierung, sowohl Texte, wie das fantastische Bühnenbild des Künstlers Reinhart Zimmermann, überzeugten durch Professionalität und künstlerische Einheit der verschiedenen Gestaltungsmittel. Das Bühnenbild, nur ein Halbkreis aus rotem Stoff, links und rechts am Bühnenrand stehen Gemälde Goyas, kam mit wenigen wechselnden Requisiten aus.
Goya, Inbegriff des wahren Künstlers „Die schwierige Kunst der Malerei kommt dem Göttlichen näher als irgendeine andere, weil sie alles erleben lässt, was Gott geschaffen hat..“, schrieb Goya, der grosse, spanische Maler in seinem Bericht an die Akademie im Jahre 1792. Goya gilt seit 200 Jahren als der Inbegriff des wahren Künstlers: radikal, freiheitsliebend, leidend, liebend, kämpfend, aber auch zerrissen.
Goya lebte ein Leben aus dem Vollen. Er sparte sich nicht auf. Er entwickelte ungeheure Kraft zu immer neuen, kühnen Gestalten, Szenen, Geschichten. Er entdeckte flirrendes Grau und Dunkel und schwelgte zugleich in Farbe und Licht. Er malte und zeichnete Portraits der Könige und Granden, Kinder und Stierkämpfer, Frauen und Weiber, er malte Liebe und Tod, Kerker und Irrenhaus, Inquisition und Hampelmann, Komödianten und Strassenräuber, Katen und Hunde, er malte alles, er malte das Leben. Seine Lebensart kam im Stück überaus treffend zum Ausdruck.
Im Stück kommt unter anderem die Aufnahme Goya's in die königliche Akademie von San Fernando. Goya arbeitete auf dem Hof als Portraitmaler. Wegen seiner Affäre mit der Herzogin von Alba, Dona Cayetana kommt sein ausschweifender Lebenswandel zu Ausdruck. Die Herzogin wurde Goyas grosse Liebe, seine wilde Leidenschaft, obwohl Goya verheiratet war, Kinder hatte und seine Frau Josefa liebte.
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