Sa, 31.07.2010
Jahrgang 11, Nr. 3865
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Stadtarchivar Werner Warth und sein Bruder Martin beim Einrichten der Ausstellung.
Kantonsarchäologe Dr. Martin Schindler und Werner Warth vor dem symbolischen „Schicht für Schicht“-Emblem.

„Schicht für Schicht“: Archäologische Funde rund um Wil im Stadtmuseum.
In der neuen Ausstellung zeigt das Wiler Stadtmuseum prähistorische Funde aus der Gegend rund um Wil.

29.01.2008, Gerhard Kasper
Obwohl nur drei der Exponate aus dem Archiv des Wiler Stadtmuseums stammen – die anderen sind Leihgaben von der Kantonsarchäologie – vermittelt die neue Ausstellung im Hof zu Wil aufschlussreiche Einblicke in das Leben unserer Urahnen.

Einmal mehr ist es Stadtarchivar Werner Warth gelungen, eine Ausstellung zu realisieren, die nicht nur optisch anspricht, sondern auch fachlich und informativ auf hohem Niveau steht.

Abwechslungsreiche Vernissage
Etwa fünfzig Interessierte hatten sich in der Hofgasse eingefunden und warteten gespannt auf die Erläuterungen zur nicht alltäglichen Ausstellung im Stadtmuseum. „Es müssen nicht spektakuläre goldene Vasen und Schmuck sein – auch kleine und kleinste Fundstücke haben grosse Bedeutung für die Erklärung unserer Identität“, relativierte Werner Warth die in der Ausstellung zu sehenden Stücke.
Seine Ausführungen wurden anschaulich ergänzt durch kurze Videoclips. So wurde zum Beispiel zeitgerafft die Entwicklung vom Einzeller zum Menschen dargestellt mit der Folgefrage: „Was bedeutet das Zeitalter des Menschen für den Planeten Erde?“

Die kurze Geschichte der Archäologie rund um Wil war bald erzählt: 1896 waren die Schwerter und Hohlarmringe am Gärtensberg gefunden worden – eben diese drei Exponate, die unmittelbar von hier stammen. Besonders gross muss das Interesse an diesem Fachgebiet nicht gewesen sein, hatte sich doch 1946 auf einen Aufruf zur freiwilligen Mitarbeit an Ausgrabungen bei Jona aus Wil niemand gemeldet.

In einem weiteren Clip wurden die Archäologie und ihre Methoden vorgestellt. Neben Fachwissen braucht es schier unendliche Geduld und Ausdauer, eine Grabungsstätte zu erforschen und aus kleinen und grösseren Fundstücken Vorzeitliches zu rekonstruieren. Sehr anschaulich war auch ein weiterer Videoabschnitt, der in nachgestellten Szenen anhand von Funden und Rekonstruktionen steinzeitliches Leben mit Fischerei, Jagd und Feuermachen illustriert. Der Stadtarchivar verstand es, mit den kurzen Filmszenen den Appetit zu wecken: einerseits auf den ganzen Video, der in der Ausstellung zu sehen ist, vor allem aber auf die diversen Exponate.

Kantonsarchäologe Dr. Martin Schindler
„Wir vom Kanton haben nur ein paar Gegenstände aus unserem Archiv zur Verfügung gestellt – und haben dafür eine ganze Ausstellung erhalten!“, bedankte sich der Vertreter des Amtes für Kultur und der Kantonsarchäologie bei den Ausstellungsmachern. In seinem Referat stellte er kurz die wichtigsten Aufgaben des archäologischen Dienstes vor:
Inventar und Schutz der Fundstellen, Sicherung, Lagerung und Restaurierung der Funde, Öffentlichkeitsarbeit und Vermitteln von Wissen. Eine wichtige Aufgabe erfüllen hier die Regionalmuseen, die über den Kanton verstreut sind: Werdenberg, Sargans, Weesen, Rapperswil, Rorschach, St.Gallen.

Dank an Behörden und Mitarbeiter
„Ohne die wohlwollende Unterstützung durch die Ortsgemeinde und die Stadt wären Ausstellungen wie diese schlicht nicht zu realisieren“, richtete Werner Warth seinen Dank an die behördlichen Vertreter. Für die konzeptionelle Mitarbeit und das praktische Umsetzen der Ideen dankte der Stadtarchivar allen, die in stunden- bis tagelangem Einsatz diese Ausstellung ermöglicht haben. Mit dem Hinweis auf eine Veranstaltung der Organisation „Experimentelle Archäologie“ am 24. Juli, wo Interessierte sich im Bronze giessen oder Herstellen von Steinzeit-Werkzeugen üben können, sprach Warth vor allem die Schulen an, zumal die Teilnahme kostenlos ist.

Kein Fast-Food
Die professionelle Ausstellung ist nicht gemacht für eilige, oberflächliche Besuche. Die Exponate in den stehenden und liegenden Vitrinen laden zum eingehenden Betrachten der Gegenstände und zum Lesen der erläuternden Texte ein. Wer sich die Zeit dafür nimmt, verlässt die Ausstellung bereichert, denn man wird nicht von einer Überfülle erschlagen, sondern man erfährt anhand sorgfältig ausgewählter Stücke Wissenswertes über die frühe Wiege unserer Kultur.


Dr. Martin Schindler referierte über die Aufgaben der Kantonsarchäologie.
Werner Wartn und Ortsbürgerpräsident Niklaus Sutter.
Gut erhaltener Axtkeil.
Pfeilspitzen aus dem Fund Maugwil.
Der Stadtarchivar berichtet über seine schon frühe
Begeisterung zur Archäologie.
Sog. Schildbuckel: Kalottenformiger Schutz vor dem Handgriff in Schildmitte.
Illustrative Leuchtsäulen führen durch die Zeitabschnitte.
Gefunden 1896 bei den Ausgrabungen Gärtensberg.
Zwischen den beiden Steinplatten wurde Getreide gemahlen: Mit einem Knebel in der Aussparung des oberen Rades wurde dieses gedreht.
Leihgabe des Kant. Archivs.
Pfeilspitze, gefunden im Ufergeröll der Thur.
Ob Gebrauchsgegenstände unserer Zeit später auch solches Interesse wecken werden?
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