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O Tannenbaum, o Tannenbaum
Weihnachtskonzert des Männerchors Frohsinn, Oberuzwil
Annelies Seelhofer-Brunner
Mit einem breitgefächerten Liederstrauss aus dem adventlichen Musikgut stimmte der Männerchor Frohsinn auf die bevorstehenden Festtage ein. Das in Scharen erschienene Publikum bekam dabei mehrmals Gelegenheit, selber mitzusingen. Fritz Buchschacher gab zu den einzelnen Liedern ergänzende Erklärungen, dies von der hohen Kanzel herab.
Reise durch Bayern und das Dreiländereck Mit dem Glockenjodler, einem nur auf Silben gesungenen Volksstück aus den Ennstal in der Steiermark - sehr getragen und einem Kirchengeläute nachempfunden - begannen die Männer unter der Leitung des langjährigen Dirigenten Werner Baumgartner ihr vielseitiges Konzert. Danach erklang - aus der bayrischen Bauernmesse von Annette Thoma - der beliebte Andachtsjodler. Hier fiel zum ersten Mal die Orgel ein, gespielt vom jungen Oberuzwiler Musiker Sandro Lenherr. Mit fein gezeichneten Zwischenspielen baute diese Musik weiter feierliche Stimmung auf.
Publikum als zweiter Chor Mutig hatte der musikalische Leiter ein eher unbekanntes Weihnachtslied ausgesucht, um die Besucherinnen und Besucher zum Singen anzustacheln. „Ich steh an deiner Krippe hier“ mit seiner Mollstimmung brauchte etwas Einübungszeit. Der grosse Johann Sebastian Bach, noch heute aus dem geistlichen Musikgut nicht wegzudenken, hat die Melodie Gesängen aus dem weltlichen Liederschatz nachempfunden. Das Publikum liess sich auf das Experiment ein und sang tapfer mit. Die Lieder „Vom Himmel hoch“ und „Kommet ihr Hirten“ tönten dann schon viel vertrauter, und beim zum allgemeinen Volksgut gewordenen „O Tannenbaum“ schwang endlich der ganze Kirchenraum mit. Dass dies ursprünglich ein Lied an eine untreue Geliebte gewesen sein soll, erfuhr die staunende Zuhörerschaft vom fachkundig von der Kanzel herunter kommentierenden Fritz Buchschacher.
Instrumentalstücke Sandro Lenherr bekam Gelegenheit, seine Virtuosität auch als Solist zu zeigen. Im „Adagio“ von W.A. Mozart, KV 356, ursprünglich für Glasharfe komponiert, registrierte der junge Mann die Orgel für ganz feine, hohe und fast zerbrechlich tönende Klänge. In der akustisch hervorragenden Grubenmannkirche kamen diese ganz besonders gut zur Geltung. Da in dieser Komposition erdige und Fundament gebende Basstöne weitgehend fehlten, schien die Musik sehr schwebend, fast sphärenhaft. Ganz besonders beklatscht und gefeiert wurde ein Stück für zwei Orgeln, in Oberuzwil mit Orgel und E-Piano – dieses allerdings mit Cembalo-Einstellung – und auf Distanz gespielt, sass doch Sandro Lenherr den ganzen Abend versteckt auf der Empore, während Werner Baumgartner sich vor dem Chorraumaufgang postiert hatte. Das abwechselnde Spiel mit den zwei verschiedenen Klangfarben, oft ein Instrument Echo des andern, verführte zu ganz genauem Hinhören, um diese „Musik mit Tiefenwirkung“ auch richtig geniessen zu können. Begeisterter Applaus war die Belohnung für dieses Spiel zweier Virtuosen, die einfach darauf vertrauten, dass der richtige Einsatz immer zur richtigen Zeit kommen werde, auch wenn der Ton möglicherweise noch gar nicht richtig angekommen.
Abwechslungsreiche Programmgestaltung Das Programm war sehr gut gegliedert in Stücke mit getragenem Charakter, solche mit eher volkstümlichem Einschlag oder mit typischen Männerchorklängen. Die Instrumentalstücke dazwischen liessen den Sängern immer wieder Zeit zu verschnaufen. Toni Kaufmann prägte mit seiner markanten Bassstimme und seiner gepflegten Aussprache des englischen Textes das Lied „I’m Dreaming of a White Christmas“. Dieses ist unterdessen ist fast allen Sprachen der – christlichen – Welt zu hören. Im ebenfalls sehr bekannten, durch die Andrew Sisters in den Dreissigerjahren des 20.Jahrhunderts weltberühmt gewordenen „Winter Wonderland“ - auf Deutsch gesungen - forderten Tempo und Melodienführung den Männern fast alles ab. Wie gut, dass so ein Lied immer einen wiederkehrenden Refrain hat! Toni Kaufmann sang auch hier die Solopartien. Sogar mit einem Weltrekordsong wartete der Männerchor auf, mit dem Lied „When a Child is Born“, einem Lied, das zum Welterfolg wurde. Auch Udo Jürgens kam zum Zug, mit seinem Lied „Wünsche zur Weihnachtszeit“, einer Aufzählung von Problemen der heutigen Zeit, so etwa Umweltverschmutzung, Armut und Hunger, aber auch zwischenmenschliche Konflikte, die bei gutem Willen doch gerade in der Adventszeit angegangen werden könnten.
Subtile Begleitung Neu hat sich in den Reihen der Sänger auch ein Gitarrist eingefunden, Kurt Lüthard, der manches Lied mit eigener Melodienführung und überraschendem Klang mitbegleitete. Elmar Bühler unterstützte ganz subtil mit einem leichtfüssigen Schlagzeugspiel, so dass die Sänger jederzeit sich selber hören konnten. Werner Baumgartner, jahrzehntelanger Routinier als Begleiter, nahm sich ebenfalls sehr zurück und gab seinen Männern Raum, ihre Stimmen erklingen zu lassen.
Zum Schluss wünschten alle Beteiligten den Zuhörenden mit einem rassigen „Fröhliche Weihnachten“ frohe Festtage. Präsident Felix Grünenfelder erbat für alle Solisten einen Sonderapplaus, einzeln, versteht sich! – und überreichte Werner Baumgartner für einmal anstatt eines feinen Tropfens einen Blumenstrauss – für die Gattin, die an manchem Abend allein zu Hause sitze… Als Zugabe liess der Dirigent ein kurzes Stück des Glockenjodlers nochmals singen, dann war Schluss. Die Männer mit ihren Körbchen am Ausgang sammelten die Kollekte ein, welche nach Abzug der Unkosten bei allfälligem Überschuss an die Organisation „Sternschnuppe“ gehen soll. Hoffentlich waren Herz und Portemonnaie nach dieser besinnlichen Feierstunde weit offen!
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