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Viele helle Momente gewünscht
Der traditionelle Wiler Silvesterumzug konnte bei schönsten Winterwetter stattfinden, entsprechend gross war der Publikumsaufmarsch auf dem Hofplatz.
Niklaus Jung
Mit dem Behördenempfang startet in Wil alljährlich die Silvesterfeier mit nachfolgendem Umzug der Laternen. Zu den Politgrössen der Stadt sprach in diesem Jahr Pfarrer Christoph Casty von Evangelisch Wil, die Finanzkrise ansprechend. Andreas Hilber, Präsident von Wil-Tourismus, konnte auf dem Hofplatz eine grosse Zahl Laternenträger begrüssen. Stadtpräsident Bruno Gähwiler wünschte den Städtern fürs Neue Jahr, den Laternen gleich, viele helle Momente.
Der Wiler Silvesterumzug ist eines der Markenzeichen von Wil Tourismus. Einmal mehr versammelten sich viele Familien mit ihren Kindern auf dem Hofplatz, ihre schönsten, meist selbst hergestellten Laternen vorzuführen. Bekanntlich werden die schönsten Laternen alljährlich prämiert, um die Motivation für den Selbstbau noch zu steigern. Entsprechend konnten zahlreiche herrlich gestaltete Laternen beobachtet werden.
Der Anlass des Laternenumzuges geht auf die frühere Laternenvisitation zurück, wo es noch keine Strassenlampen gab. Zu jedem Haus musste gemäss Urkunden vor zwei Jahrhunderten eine funktionierende Laterne verfügbar sein, zum Jahresende immer vor dem Haus platziert.
Das alte Jahr mit Trommelwirbel verabschiedet Der Auftakt auf dem Hofplatz in den Abendstunden des Silvesters erfolgt immer mit dem Aufmarsch der Stadttambouren, gefolgt von der grossen Schar Laternenträger. Nach der Begrüssung durch den Präsidenten von Wil Tourismus, Andreas Hilber, folgte die musikalische Begrüssung seitens der Stadtmusik und dem Kathi-Chor. Mit wärmenden Gedanken zeigte sich weiter Karl Ulmer an den beiden Zwischenhalten in der Altstadt.
In seinen guten Wünschen zum Neuen Jahr wies Stadtpräsident Bruno Gähwiler auf die gewandelte Tradition des Laternenumzuges hin. Während früher die Lampen der Sicherheit in Notlagen galten, stehe heute Freude und Feststimmung im Vordergrund. Das Basteln der Lampen mache die Kinder stolz auf ihre Werke, sie dürften sie nun vielen Leuten vorzeigen. Die Laternen seien auch Symbol für helle Momente, Leuchtturm und Orientierung. Gähwiler wünschte allen viele helle Momente im kommenden Jahr.
„Näher mein Staat zu Dir“ Dem Laternenumzug geht immer der Behördenempfang im Gerichtssaal voraus. Nach dem gegenseitigen Zuprosten zum Neujahr sprach in diesem Jahr Pfarrer Christoph Casty von Evangelisch Wil zu den Amtsträgern der Stadt. Casty nahm in seinem Kurzreferat die Finanzkrise unter die Lupe. Er sei schon etwas erstaunt gewesen, wie er in Finanzkreisen plötzlich Wortbegriffe gehört habe, welche sonst eher in kirchlichen Kreisen Anwendung fänden. Von Vertrauen, Hoffnung und Rettung sei da plötzlich die Rede gewesen. Offensichtlich wolle man die Krise mit neuem Vertrauen lösen, einem Rettungspaket vom Staat, nach dem Motto „Näher mein Staat zu Dir“, eher bekannt sonst von „Näher mein Gott zu Dir“.
Man könnte fast an eine neue Dimension der Religion glauben, wenn man die Mechanismen der Finanz- und Wirtschaftswelt nicht kennen würde. Hier gehe es bekanntlich eher um handfeste Werte. Die Wirtschaft kenne man besser von der hartherzigen, statt der barmherzigen Seite. Existenzangst und Gewinnsucht machten es wohl auch in der Zukunft schwierig, den Kurs ethischer Dimension zu halten.
Religion und Ethik sind keine Feuerwehr In den Zeiten der grossen Krisen finden ethische Begriffe schnell Anklang. Allerdings müssten sich die Wirtschaftsverantwortlichen merken, dass Gott nicht als Lückenbüsser herhalten könne. Ethische Werte sollten nicht erst Anwendung finden, wenn man nicht mehr weiter weiss. Sobald die Krise überwunden, geht es nach alter Schule weiter, schlussfolgerte Casty.
Religion und Ethik können nach Christoph Casty nicht als Feuerwehr dienen, wenn Notlagen herrschten. Es gelte in jedem Tag danach zu ringen, den Menschen Mut weiter zu geben und es auch selber gut zu machen. Ethik sei eine Herzensangelegenheit und müsse für alle Entscheide herhalten, sozusagen als Lebensenergie für die Wirtschaft, schloss Christoph Casty seine Ausführungen.
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