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Wil: 17.05.2009
Im Katharinensaal, der bereits für das Musical gestuhlt ist, versammelten sich ca. 100 Freunde des Klosters.
Im Katharinensaal, der bereits für das Musical gestuhlt ist, versammelten sich ca. 100 Freunde des Klosters.

Der Vorstand mit Priorin Sr. Simone Hofer, Raphael Kühne, Elisabeth Zehnder, Susanne Kaspar und Hans Sutter.
Der Vorstand mit Priorin Sr. Simone Hofer, Raphael Kühne, Elisabeth Zehnder, Susanne Kaspar und Hans Sutter.

Die Schwestern sind nicht hinter dem Mond
Mitgliederversammlung des Freundeskreises Kloster St.Katharina Wil.
Ueli Merz
Erstaunliche Tatsachen über das Kloster als Förderer der Stadt Wil wurden an der beliebten Versammlung publik. Was hat das Kloster für Wil geleistet und wie nimmt die Stadt das Kloster wahr?

Der junge, erst im Jahre 2007 gegründete Verein für die Erhaltung und Förderung des Dominikanerinnenklosters umfasst zum Zeitpunkt der zweiten Mitgliederversammlung bereits 280 Personen und 8 juristische Mitglieder. Die Klostergemeinschaft trägt bei, trotz kleinem Bestand von 17 Schwestern und wenig Aussicht auf Nachwuchs, durchzuhalten. Toni Vinzens führte mit Elan durch die offizielle Versammlung, inklusive Verabschiedung der Rechnung und eines ansehnlichen Budgets, das dazu dient, die Schwesterngemeinschaft zu unterstützen.

Neugestaltung Klostergarten mit Zisterne
Die Neugestaltung des kaum erkennbaren Klostergartens wird mit einem grösseren Betrag unterstützt. Architekt Josef Leo Benz zeigte Bilder des heutigen Zustands und die Idee, einen platzraubenden Anbau zu eliminieren und dem Garten mit einer Zisterne in der Mitte zu Gestalt verhelfen. Der laufende Umbau ist termingerecht im Gang. Folgende drei Etappen sind bereits abgeschlossen: Einbau eines Treppen- und Liftelements, Neugestaltung des Einganghofs und Anpassungen im östlichen Bereich: Küchenverlegung, sanitäre Anlagen erneuert, sowie Wasch- und Bügelraum ergänzt. Momentan ist die vierte Etappe im Bau mit Umgestaltung des Besucherbereichs. Zuletzt werden Kreuzgarten und Kreuzgang saniert und umgestaltet. Die Kosten sind neu mit 6 anstelle 4 Mio. Fr. veranschlagt.

Hat das Kloster eine Zukunft?
Angesichts der schrumpfenden Gemeinschaft stellte Alt Stadtammann Hans Wechsler die Frage, ob die hohen Renovationskosten sinnvoll seien und lieferte dazu auch die Antwort: Mit Gottes Glauben führen die Schwestern das Vorhaben durch und glauben an die Zukunft. Auch Klöster können fusionieren. Dann hat das Kloster vorgesorgt und wird weiterbestehen.

Verdienste des Klosters für die Stadt
Hans Wechsler, der lange Zeit die Geschicke der Stadt Wil prägte, kennt die Klostergemeinschaft bereits 44 Jahre lang, sei es als Stadtammann, als Schulrat und später als Klosterbeirat. Er berichtete, wie das Kloster von 1809 bis in seine Zeit, 1964, die Primarschüler unterrichtete. Dazumal hatte die Stadt Wil nur 28 Lehrpersonen, je 14 für die Mädchen und Knaben. Zehn Jahre später, 1974, waren es bereits 61 Lehrpersonen. 1964 gab das Kloster von sich aus den Unterricht auf, weil es erkannte, dass es den Zuwachs nicht selber meistern konnte. Das Kloster leistete für die Stadt Wil sehr viel: Ehemals weit ausserhalb der Stadt gelegen hatte das Kloster grosse Güter. Es baute 1850 das heute noch gebrauchte Schulhüsli für die dazumal kurz zuvor gegründete Mädchensekundarschule. Die von den Ortsbürgern gebaute Tonhalle steht auf Land des Klosters, wobei kurz darauf 1887 das Schulhaus daneben von der Stadt Wil gebaut wurde. Das Institutsgebäude hat das Kloster 1909 erbaut und 1937 entstand auf dem ehemaligen Rebhang das Schulhaus Klosterweg. Mit den neusten Bauvorhaben wurde auf dem Land östlich des Klosters eine Doppelturnhalle mit Aussensportanlage erstellt. Somit hat das Kloster zum Ausbau der Schulanlagen rundherum gesorgt und nebenbei Scharen gut ausgebildeter Persönlichkeiten nicht nur unterrichtet, sondern auch erzogen.

Durch den Dreck gezogen
Nicht verstehen kann Hans Wechsler angesichts der Leistungen des Kathi für die Stadt Wil, dass gewisse Wiler Stadtrepräsentanten das Kathi als "Fremdunternehmung" bezeichnen und seit Jahren unentwegt versuchen, das Vertrauensverhältnis zu stören. Die Stadt ist geprägt von christlicher Kultur und das Kloster ist ein Mosaiksteinchen darin. Aber Achtung: Vor 30 Jahren waren 96% der SchülerInnen christlichen Glaubens. Heute sind es nur noch 59%. Welche Auswirkungen wird das für die Stadt Wil noch haben? Tony Vinzens fasste es so zusammen, dass wir in Zukunft mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen auskommen werden. Der Optimismus der Schwestern wird weiter ausstrahlen und die christliche Kultur stärken.

Wahrnehmung des Klosters von Aussen
Zwei bekannte Wiler Gesichter äusserten ihre Wahrnehmung des Klosters St.Katharina.
Für Fränzi Peterli gehört die Gemeinschaft einfach zur Stadt. In der Nähe des Klosters aufgewachsen gehörten die Schwestern zum Alltag. Allerdings hat es sie irritiert, wie die Schwestern stets gleich freundlich und ruhig sind, im Gegensatz zur Unruhe ihrer selbst. Dass die Klosterfrauen nicht hinter dem Mond sind, zeigt sich an ihrem intelligenten Interesse am Weltgeschehen. Die Klosterfrauen sind emanzipiert, aber nicht indem sie sich gegen die Männer wehren, sondern sich auf die Stärke der Frauen besinnen. Werner Warth, unser Stadtarchivar, kannte das Klostergebäude und seine Schätze beruflich schon länger, wusste aber Nichts über das Leben im Kloster. Erst durch die Jubiläumsvorbereitungen habe er es kennen und schätzen gelernt und den Kontrast wahrgenommen, der zwischen der Vorbereitung zum Klosterjubiläum und der Vorbereitung zum Pubfestival bestand: Hier Besinnung und eine Oase der Stille, dort dröhnend laut und besinnungslose Exzesse.

Schlusswort von Priorin Sr. Simone
Schwester Simone bedankte sich für die Hilfsbereitschaft zur Unterstützung des Klosters und bedankte sich bei allen Beteiligten für die Organisation der Mitgliederversammlung und für die Musikbegleitung durch Taizéklänge mit einem Klosterchräpfli, die man sich nur schenken lassen kann.
Sie schloss die Versammlung mit Ihrem Schlusswort: "Unsere Kraft ist das glaubende Gebet. Dabei schliessen wir die Stadt und unsere Freunde mit ein".
Tony Vinzens, Co-Präsident, moderierte die Versammlung.
Tony Vinzens, Co-Präsident, moderierte die Versammlung.

Priorin Sr. Simone Hofer steht im Mittelpunkt.
Priorin Sr. Simone Hofer steht im Mittelpunkt.

Raphael Kühne ist auch weithin als Unterstützer des Klosters bekannt.
Raphael Kühne ist auch weithin als Unterstützer des Klosters bekannt.

Fränzi Peterli gab preis, wie sie das Kloster früher erlebte und heute wahrnimmt.
Fränzi Peterli gab preis, wie sie das Kloster früher erlebte und heute wahrnimmt.

Sehr beeindruckend sind die prägnanten Äusserungen von Alt Stadtammann Hans Wechsler.
Sehr beeindruckend sind die prägnanten Äusserungen von Alt Stadtammann Hans Wechsler.

Sr. Carla, die hüpfende Musikschwester, wurde von Anita Suter mit Panflöte begleitet.
Sr. Carla, die hüpfende Musikschwester, wurde von Anita Suter mit Panflöte begleitet.