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Endlich das Maturazeugnis in den Händen
Zu einem fröhlichen Gemeinschaftsfest gestaltete sich die Maturafeier der Kanti Wil.
Vroni Krucker
Gut 150 Maturandinnen und Maturanden durften am Freitagabend das Maturazeugnis entgegennehmen. Mit ausgezeichneten Darbietungen umrahmten Maturandinnen und Maturanden die Feier im vollbesetzten Wiler Stadtsaal.
Vier lange Jahre hatten die jungen Damen und Herren auf den gestrigen Tag hingearbeitet – entsprechend gross war die Spannung - sie durften aus den Händen ihrer KlassenlehrerInnen das ersehnte Dokument entgegennehmen. Für alle beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt – oder hat mit dem Eintritt in die RS bereits begonnen.
Den Vorrat nutzen Einen Luftsprung habe das Grafikerteam auf der Einladung zur Maturafeier dargestellt, erkläre Rektor Dr. Walter Akeret. „Ich möchte sie aber zu einem kurzen Moment des Nachdenkens einladen“. Er erzählte die Geschichte von einem Vater, der seinem Sohn auf die Reise einen mit „unsinnigen“ Dingen bepackten Rucksack mitgab. Nach und nach zeigte sich die Weitsicht des Vaters – alle Gegenstände wurden in Notsituationen gebraucht und ermöglichten das Weiterreisen. „So oder ähnlich kommen wir Lehrerinnen und Lehrer uns manchmal vor – nicht selten ernten wir dafür Undank, Unverständnis oder gar Ablehnung“, betonte er. Er ermunterte die jungen Menschen, ihren Vorrat zu nutzen und was sich ganz am Boden befindet, an die Oberfläche zu holen. „Schmeissen sie weg, was nichts taugt, so haben sie immer genügend Platz für Neues.“
Prof. Chen – eine namhafte Persönlichkeit Als Festredner konnte Prof. Dr. Peter Chen, von ETH Zürich gewonnen werden. Er ist 1960 in den USA geboren und als Kind chinesischer Einwanderer aufgewachsen. Nach dem Chemiestudium in Chicago promovierte in Yale. Bereits mit 27 Jahren war er Assistenzprofessor an der Harvard Universitiy, 1994 ordentlicher Professor für Physikalisch-organische Chemie an der ETHZ. Er erwirbt sich den Ruf eines führenden Wissenschaftlers. Seit 2007 ist er Vizepräsident der Hochschule. Er wohnt mit seiner Familie in Zollikerberg und hat sich intensiv mit Sprache, Kultur und Mentalität seines neuen Gastlandes auseinandergesetzt.
Aussensicht der Naturwissenschaft Mit den Worten „Die Sprache der Wissenschaft ist Mathematik, tut mir leid“, stieg Prof. Chen in sein Referat ein und meinte , er sei nicht gewohnt, bei einer Maturafeier zu sprechen, finde es aber reizvoll, Neuland zu betreten. Für die Aussensicht müsse er zuerst historisch etwas ausholen. Gute Böden, ausgeglichenes Klima, eine gesunde Physis seien vor wenigen Generationen in der Schweiz die Voraussetzung für wirtschaftliche Prosperität gewesen. Arme Bauern und eine prekäre Situation hätten das Leben geprägt.
Die in hohem Tempo im 19. Jahrhundert einsetzende Industrialisierung und der rückläufige Stellenwert der Landwirtschaft hätten das Land umgerüttelt. In dieser Umbruchsphase habe die 1855 gegründete ETH eine wichtige Rolle gespielt. „Sie war Lieferantin von Techik- und Grundlagenwissen sowie von hervorragend ausgebildeten Absolventen, was den Aufbau der Infrastruktur mit Eisenbahnen, Kraftwerken, Strassen, Brücken usw. ermöglicht hat, die Basis für eine reiche Schweiz“.
Kompetenzzentren Die heutige Wende sei ähnlich einschneidend und man erkenne, dass sich die Schweiz als rohstoffarmes Land verändern müsse, um ihre wirtschaftliche Spitzenposition halten zu können. Sie tue das, indem sie sich konsequent von der Industrie- zur Wissensgesellschaft entwickle. Auch hier übernehme die in 16 Departemente gegliederte ETH erneut eine bedeutende Rolle. Man ist dazu übergegangen, Expertenwissen aus verschiedenen Departementen zu Kompetenzzentren zusammenzufassen, sodass Forschung und Ausbildung mit Know-how aus unterschiedlichen Gebieten kombiniert wird. Um allen Herauforderungen gerecht zu werden, brauche es Ehrgeiz, Lust auf Neues und Experimetierfreudigkeit
Innensicht der Naturwissenschaft Prof. Chen: „Was kommt auf sie zu, wenn sie studieren“. Er fragte die Maturierten, ob sie wüssten, dass die Schweizer Tierschutzverordnung vorschreibe, wie viel Rechte Haustiere hätten, z.B. auf Tageslicht, Sicht ins Freie, sogar artgerechtes soziales Leben. Seine Doktoranden hätten einen sehr langen Arbeitstag, das Labor liege in einem Keller ohne Fenster. 70 Wochenarbeitsstunden liessen zudem kaum Zeit für ein soziales Leben. Warum tun wir uns das an? Anwort: „Die Schlüsselwörter sind Leidenschaft und Überzeugung, etwas Gutes zu tun.
Tief verwurzelter Glaube „Sie werden bei allen Naturwissehnschftlern eine tiefe Sehnsucht nach Ordnung und Schönheit feststellen, Qualitäten, denen wir im Alltag oft zu wenig begegnen. Darin liegt ein grosser Anreiz für eine wissenschaftliche Karriere“. Die lebendige Gemeinschaft der Wissenschaftler habe Grundwerte wie Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen, die ein integraler Bestandteil des professionellen und privaten Lebens seine. Es bereite ihm Freude, mit Gleichgesinnten die grossen Herausforderungen anzupacken. „Dafür, liebe Maturierte, suchen wir Gefährten und Kollegen“.
In einen neuen Lebensabschnitt entlassen Mit der feierlichen Übergabe der Maturazeugnisse und einer Rose entliessen Rektor Akeret sowie die Klassenlehrer Andreas Wiedemann, Christoph Koenig, Jürg Schedler, Christiane Matter, Milena Fergutti, Martina Büttiker und Isabelle Badura die über 150 Damen und Herren, von denen einige für besonders gute Leistungen ausgezeichnet worden sind. Daniel Spari und Lea Nobs zeigten auf humorvolle Weise, wie unterschiedlich "Schule und Lernen" bewertet wird. Das reicht von „na ja, man macht das Nötigste“ bis „ ich will das Beste herausholen“.
Musikalische Leckerbissen und Geselligkeit Für musikalische Glanzpunkte sorgten Martina Bleiker, Tobias Dähler, Julia Ebert, Malcolm Green, Geraldine Messmer, Anja Michel, Jolanda Nick, Patricia Rüesch, Katharina Schick und Valerio Valsecchi. Was da auf den Instrumenten Klavier, Altblockflöte, Violine, Viola, Cello und Saxophon oder mit der eigenen Stimme geboten wurde, war überwältigend und begeisterte die grosse Gästeschar. Nach der Feier dislozierte die Gesellschaft in die Räume der Kanti, wo beim Apéro, Nachtessen und dem anschliessenden Maturaball genügend Raum zum Erinnern, Plaudern, Pläneschmieden und Träumen blieb.
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