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Alkoholkrank: Der erfolgreiche Weg zurück
Der Weg in die Krankheit geht schleichend, der Ausstieg ist oft allein kaum mehr möglich, das Spital Wattwil bietet eine erfolgreiche Therapie.
Niklaus Jung
Alkoholsucht ist eine Krankheit und erfordert eine Therapie für einen erfolgreichen Ausstieg. Dies stellten die Verantwortlichen vom Spital Wattwil an der Information am Dienstagabend in der Tonhalle Wil fest. Hans Bachmann, leitender Arzt am Spital informierte über die körperlichen Schäden durch Alkohol, Roland Walther, Leiter Alkoholkurzzeittherapie, zeigte die Symptone schleichend entstehender Sucht auf und informierte über Therapiemöglichkeiten, insbesondere die stationäre Kurzzeittherapie am Spital Wattwil.
Alkoholsucht entsteht nach Roland Walther schleichend und läuft oftmals sehr anonym ab. Lange Zeit merkt die Umgebung die Problematik kaum. Enttäuschungen und Ärger, Unsicherheiten und seelische Spannungszustände sind oftmals die Gründe. Alkoholsucht, so die Statistik, kennt auch keine Altersgrenzen. Die rund 30 Teilnehmer an der Information setzten sich kaum allein aus Betroffenen zusammen, die Fragestellungen liessen auch auf betroffene Angehörige und weitere Interessierte schliessen.
Die Statistik ruft nach wirksamen Therapien Roland Walther wies eingangs auf die bekannten statistischen Zahlen bezüglich Alkoholabhängigkeit hin. In der Schweiz seien rund 300'000 Menschen davon betroffen, jährlich sterben 2'000 Menschen allein an den Folgen der Sucht, sei es Krankheit oder Unfälle. Hinter den Betroffenen müsse man nochmals 800 bis 900'000 Angehörige und 50 bis 100'000 Kinder sehen, welche mit der Problematik dieser Menschen konfrontiert seien.
Walther wies weitergehend auch auf die wirtschaftlichen Kosten hin, verursacht durch Arbeitsausfälle, verminderte Leistungsfähigkeit und vieles mehr. Die Kosten werden auf 6,5 Mia Franken beziffert. Erschreckend nannte Walther die zunehmende Alkoholsucht bei Jugendlichen, der Trend zu Rauschtrinken und Komasaufen führe zu bleibenden körperlichen Schäden. Statistisch gesehen würden zwar nicht mehr Jugendiche der Trinksucht verfallen wie etwa vor 15 Jahren, aber diese trinken heute deutlich mehr.
Die körperlichen Schäden sind gravierend Der leitende Arzt am Spital Wattwil, Hans Bachmann, wies weitergehend auf die körperlichen Schädigungen hin, verursacht durch die Alkoholsucht. Der menschliche Körper zeige sich zwar durch eine überaus wirksame Erholungsfähigkeit. Längerdauernde Schädigungen, davon seien alle Gewebeteile im Körper betroffen, führten aber zu Vernarbungen, welche nicht mehr behoben werden können. Hauptbetroffen sei im menschlichen Körper vor allem die Leber, die Folgen seien Verfettung, Entzündung und Leberschrumpfung.
Weitergehend gehe die Schädigung in Richtung Herz, wo Rhytmusstörungen, Verfettung und nachlassende Konzentrationskraft des Herzmuskels zu einer Herzerweiterung führe. Der Zerfall gehe weiter mit Störungen beim Nervensystem. Gangstörungen, Gedächtnisverlust, Charakterveränderung und Desorientierung seien die Folgen.
Die Reparaturmöglichkeiten im Körper erforderten je nach Schwere viel Zeit, fortgeschrittene Schäden lassen sich nicht mehr ganz beheben. Alkoholsucht müsse als Krankheit behandelt werden und dürfe nicht als Charakterschwäche abgetan werden.
Nur der Betroffene kann Trunksucht beenden Zu den Therapiemöglichkeiten zeigte der Leiter Alkoholkurzzeittherapie, Roland Walther auf, dass der Weg zurück nur aus dem Willen des Betroffenen selber stattfinden kann. Wer von einer Alkoholsucht betroffen sei, müsse als erstes den körperlichen Entzug angehen, welcher 5 bis 10 Tage dauere und besser in einem Spital stattfinde. Als zweites müsse die veränderte Lebenshaltung im Kopf des Betroffenen beginnen, die medizinische Begleitung und Beratung könne mit oder auch ohne Medikamente stattfinden.
Wer sich nicht für eine stationäre Therapie entscheiden könne, dem bieten sich nach Walther verschiedene Selbsthilfegruppen an, wie Anonyme Alkoholiker oder auch Blaues Kreuz, wo im Austausch der Weg zurück erfolgen könne. Walther wies darauf hin, dass der Ausstieg sich in jedem Alter lohne, die hohe Lebenserwartung heute biete auch dem älteren Menschen noch Möglichkeiten zu besserer Lebensqualität zu finden.
PSA Wattwil, ein stationäres Angebot Roland Walther informierte über das Angebot am Spital Wattwil mit der 24-tägigen Kurzzeittherapie. Sie seien in der Deutschschweiz einziges Spital, welches den Ausstieg in geschlossenen Kleingruppen anbietet und auch von Krankenkassen finanziert werde. Gesprächstherapien, kreatives Gestalten und Bewegungstherapien helfen, Zusammenhänge zwischen der Lebensgeschichte und der Suchtentwicklung zu analysieren.
In den 24 Tagen wird auf Möglichkeiten der Verhaltensänderung hingearbeitet, besprochen und auch erprobt. Zum Betreuungsteam gehören Ärzte, Psycho- und Sozialtherapeutinnen, Sport- und Bewegungstherapeuten, Kreativtherapeutinnen und Pflegepersonal. Dem Einstieg in diese Therapie gehen nach Walther immer Einstiegsgespräche voraus, um den Stand der Erkrankung und die Bedürfnisse des Patienten einordnen zu können.
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Während Dr. med Hans Bachmann (links)vom Spital Wattwil über die gesundheitlichen Aspekte informierte, zeigte Therapieleiter Roland Walther die möglichen Therapieformen auf.
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Hans Bachmann wies insbesondere darauf hin, dass Alkoholprobleme alle Gewebeteile im Menschen schädigen. Narben lassen sich nicht mehr rückgängig machen.
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