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Wil: 11.03.2010
Aus dem Kreuzweg: Darstellung Kreuzigung Jesu.
Aus dem Kreuzweg: Darstellung Kreuzigung Jesu.

Das Bild der Auferstehung von Ostern.
Das Bild der Auferstehung von Ostern.

Einblick in die faszinierende Welt der Ikonen
Ikonen-Ausstellung von Oleg Pona im Pfarreizentrum Wil
pd
Vom 14. bis 26. März findet im katholischen Pfarreizentrum in Wil eine einzigartige Ikonenausstellung statt: Der ukrainische Ikonenmaler Oleg Pona zeigt die Originalikonen, die künftig den Kreuzweg im Kloster St. Katharina in Wil zieren werden. Die öffentliche Vernissage findet am Sonntag, 14. März, um 11.30 Uhr statt.

Im Jahr 2005 hatte Oleg Pona in der Oase im Kloster St. Katharina eine Ikonenausstellung. Damals lernten die Dominikanerinnen von St. Katharina den ukrainischen Ikonenmaler kennen. kennen. Er bekam vom Kloster den Auftrag, drei Ikonen zu malen, welche die Gebetsweisen des hl. Dominikus darstellten.

Ikonen-Kreuzweg
Die Klostergemeinschaft entschied sich dann im Jahr 2007, Oleg Pona den Auftrag für einen Ikonen-Kreuzweg zu geben. Eine Stiftung hat sich bereit erklärt, die Kosten für den Kreuzweg zu übernehmen. Ikonen sind geweihte Tafelbilder aus der Kultur der orthodoxen Kirche und sind formal wie auch thematisch streng an die Überlieferungen gebunden.

Bemerkenswert ist, dass ein Kreuzweg kein übliches Motiv für Ikonen ist. Der Künstler musste so ohne Vorlagen arbeiten, was eine Herausforderung war. Oleg Pona ist es ein Anliegen, dass der Kreuzweg, bevor er sich hinter den Klostermauern den Augen der Öffentlichkeit entzieht, auch anderen Interessierten gezeigt werden kann. So wurde eine Ausstellung konzipiert.

Vernissage am Sonntag
Die Vernissage findet am Sonntag, 14. März, um 11.30 Uhr im katholischen Pfarreizentrum in Wil statt. Umrahmt wird die Vernissage von russischer Flötenmusik, vorgetragen von einem Ad-hoc-Flötenensemble. Die Ausstellung dauert bis zum 26. März und ist im Pfarreizentrum von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr sowie an Sonntagen von 10 bis 13.30 Uhr zugänglich.

Verantwortlich für die Ausstellung sind: Beat Grögli, er ist Kaplan in der Pfarrei Heiligkreuz, St. Gallen, und ein Freund der Familie Pona, die er auch schon in der Ukraine besucht hat, das Dominikanerinnenkloster St. Katharina, das den Kreuzweg in Auftrag gegeben hat, und die Katholische Pfarr- und Kirchgemeinde Wil, welche die Räume und die Infrastruktur im Pfarreizentrum für die Ausstellung zur Verfügung stellt.

Zur Person von Oleg Pona
Oleg Pona wurde am 31. Oktober 1968 im Westen der damaligen Sowjetunion geboren. Nach der allgemeinen Schulbildung besuchte er die Kunstfachschule in Lemberg. Nach dem zweijährigen Militärdienst setzt er seine Ausbildung an der Kunstakademie in Lemberg fort, u.a. bei Prof. Bogdan Turetskiy. Seither beschäftigt er sich intensiv mit der Ikonenmalerei und sammelte wichtige Erfahrungen beim Kopieren alter ukrainischer Ikonen.

Nach dem Abschluss seiner Ausbildung arbeitete Oleg Pona als Designer und vertiefte seine Kenntnisse der Ikonenmalerei laufend. Der heute selbstständig arbeitende Oleg Pona ist seit 1994 mit Lesia verheiratet. Sie haben zwei Töchter.

Ikone – heiliges Bild
Schon früh haben die Christen versucht, die Heilsbotschaft der Bibel in Bildern darzustellen. Dabei sind die Kirchen des Westens und des Ostens verschiedene Wege gegangen und haben eine für jede Kirche typische Auffassung von sakraler Kunst entwickelt. Viele Christen im Westen sehen in einer Darstellung Jesu Christi oder Marias vor allem ein Kunstwerk. Für den Gläubigen einer östlichen Kirche ist die Ikone in erster Linie ein heiliges Bild. Wenn er hinzutritt, verneigt er sich tief und küsst die Ikone, vor der immer ein Licht brennt. Er verehrt die dargestellte Person und vertraut auf ihren Schutz.

Die Kirchen des Ostens haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob die Verehrung von Bildern mit dem christlichen Glauben vereinbar sei. Im Jahr 787 hat das zweite Konzil von Nizäa einen wichtigen Entscheid gefällt. Es empfiehlt den Christen, Ikonen aufzustellen und zu verehren. Deutlich unterscheidet das Konzil zwischen der Verehrung von Bildern und «der wahren Anbetung, die, wie der Glaube sagt, nur Gott erwiesen werden darf». Das Konzil hält fest: «Die Ehre, die man der Ikone erweist, geht auf das Urbild über, und wer die Ikone verehrt, der verehrt die Person, die dargestellt ist.»

In gleichem Sinn schreibt der Mönch Dionysios vom Berg Athos in seinem Malerhandbuch von 1840 über die Christusikone: «Wir verehren nicht die Farben und die Kunst, sondern das Urbild Christus, der im Himmel ist.» Zu den Heiligenikonen sagt er: «Wir malen sie, um uns an ihre Tugenden und Kämpfe zu erinnern und unser Gemüt zu ihnen zu erheben.»

Der Ikonenmaler
Bei seinem Werk lässt sich der Ikonenmaler nicht von eigenen Vorstellungen leiten, sondern hält sich ehrfürchtig an die oft seit Jahrhunderten überlieferte Art der Darstellung. Seine Person tritt zurück, er steht im Dienste Gottes und schafft das heilige Bild im Auftrag der Kirche. Die gefertigte Ikone wird vom Priester durch Gebet und Salbung mit heiligem Öl geweiht. Erst jetzt erhält sie in der Kirche oder in einem Privathaus ihren Ehrenplatz.

Der goldene, manchmal auch silberne Hintergrund der Ikonen ist für ihr Verständnis von Bedeutung. Als Beispiel diene das Bild vom letzten Abendmahl. Die Szene ist vor Goldgrund gemalt, der die Ewigkeit Gottes bedeutet. Dadurch wird sichtbar, dass das längst vergangene Ereignis zeitlos gegenwärtig bleibt. Aus der Ewigkeit Gottes tritt Christus auf den heutigen Betrachter zu. Der Gläubige erkennt und verehrt Christus als seinen Heiland und Erlöser, der auch für ihn zum «Brot des Lebens» geworden ist. Die grosse Ikone Christus Allherrscher ist ein zweites Beispiel. Aus dem Goldgrund der Ewigkeit blickt Christus in unsere Zeit. Der gläubige Betrachter schaut aus der vergänglichen Welt in die Ewigkeit des Himmels, wo Christus thront.