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Niederhelfenschwil: 26.07.2010
Vom Kindergarten bis zum Lehrerteam haben sich alle am Überraschungsparcours beteiligt und dem scheidenden Lehrer einen herrlichen Tag geboten.<br>
Vom Kindergarten bis zum Lehrerteam haben sich alle am Überraschungsparcours beteiligt und dem scheidenden Lehrer einen herrlichen Tag geboten.


Im Sinne von Pestalozzi
Während 27 Jahren wirkte Peter Germann als Primarlehrer in Niederhelfenschwil
Vroni Krucker
Nach 42 Schuljahren hat Lehrer Peter Germann in den verdienten Ruhestand gewechselt. Tausend schöne Erinnerungen an die aktiven Lehrerjahre begleiten ihn in der neuen Lebensphase.

Mit einem interessanten und sorgfältig vorbereiteten Wander-Parcours in „seinem“ Wald überraschten Schülerinnen, Schüler und das ganze Lehrerteam Peter Germann am letzten Schultag. Sie erfreuten ihn mit Mandalas aus Zweigen, einem Barfussweg, Herzen mit guten Wünschen, Fotoalben oder schickten selbstverfertigte Schiffli mit Glückwünschen in der Tuhr auf den Weg usw. Mit den vielen phantasievollen Ideen und Geschenken dankten sie ihrem Lehrer für sein grosses Engagement. Nach zwei Jahren Zuzwil und 13 Jahren Abtwil stellte er sein Können während 27 Jahren in den Dienst der Primarschule Niederhelfenschwil, viele Jahre zusammen mit seiner Lebenspartnerin Liz Brägger. „Das wunderbare Team, das wie eine Familie zusammenwirkte, hat mich stets begeistert und getragen“, freute er sich.

Kein anderer Beruf
„Primarlehrer zu werden war mein Berufswunsch solange ich mich zurückerinnern kann“, betonte Peter Germann. Er schätzt den Beruf des Primarlehrers vor allem wegen seiner Vielseitigkeit, weil in allen Fächern unterrichtet werden kann. Seine Devise war ganz im Sinne von Pestalozzi: unterrichten mit Kopf, Herz und Hand – und das zeigte sich täglich. Es war ihm ein grosses Anliegen, die Kinder nach Begabung zu fordern, zu fördern aber nicht zu überfordern und auch den weniger begabten Mädchen und Buben die Freude am Lernen zu vermitteln, ihnen einen Weg ins Leben zu öffnen, was ihm meistens gelungen ist. „Das war allerdings ein intensiver Einsatz und funktionierte nicht ohne Kompromisse“ meinte er. Nicht immer hätte er die an ihn selbst gestellten Ansprüche verwirklichen können.

Zahlreiche Weiterbildungen
Nicht nur die Kinder, auch ihr Lehrer war ständig am Lernen. Währen vielen Jahren war er Mitglied der Pädagogischen Kommission sowie der Lehrmittel- und Lehrplankommission, wo er viele Impulse gab und erhielt. Er absolvierte verschiedene Ausbildungen zum Kursleiter, zum Beispiel in themenzentriertem Theater, als Familien-und Lehrertrainer, in Judo und Selbstvereidiung für Mütter und Frauen und autogenem Training. So war er für verschiedene Kurse in der kantonalen Lehrerweiterbildung und der Erwachsenenbildung tätig. Dieses Engagement war für ihn ein idealer Ausgleich zur Arbeit mit den Kindern und zugleich ein wertvolle Horizonterweiterung. Besonders gerne erinnert er sich an die Pestalozzikurse, die er mit Alfred Noser (Rektor der pädagogischen Hochschule St. Gallen) durchführte.

Schule gestern und heute
Die Kinder hätten sich nicht geändert, wohl aber die Familienstrukturen und die Gesellschaft, meinte der erfahrene Pädagoge. Als Beispiel nannte er den Umstand, dass heute kaum mehr Sorge getragen werde zu seinen Sachen, zum Beispiel zu Uhren, Turnsachen, Pantoffeln und anderem, was mit der heutigen Wegwerfgesellschaft zusammenhängen müsse. Die Wünsche und Ansprüche der Kinder seien massiv gestiegen und gingen ab und zu ins Uferlose.

Unterricht Mann oder Frau
Von Fachlichen her sieht Peter Germann keinen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau unterrichtet. Hingegen hänge vieles mit dem Vaterbild der Kinder zusammen. Die veränderten Familienstruktur wirkten sich auch hier aus. Es komme sehr darauf an, wie die Rollen zuhause verteilt seien. Leider hätten in nicht wenigen Familien die Kinder und Jugendlichen selbst das Sagen. Bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund zeige sich, dass die Männer bestimmen und Kommunikation kaum gepflegt werde.

Unterstützung durch die Eltern
Peter Germann hat die Erfahrung gemacht, dass er meist auf die Unterstützung der Eltern zählen durfte. Die Meinungsvielfalt, die Ansprüche und Wünsche der Eltern seien allerdings riesig und hätten sich gewaltig verändert. Umso wichtiger war für ihn das Einhalten einer Linie, ein grosses Selbstvertrauen und intensive Kommunikation, die meist Klarheit gebracht habe. „Ich würde den Beruf wieder erlernen“ meinte er mit einem zufriedenen Ausdruck.

Highlights
Als besondere Highglights sieht Peter Germann die Skilager und die Schulverlegungswochen. Vor allem dort durfte er das grosse Vertrauen der Eltern erfahren, besonders als er während einer Woche im Naturschutzgebiet am Pfäffikersee campierte. Der erwähnte actionreiche Abschiedstag war der absolute Höhepunkt. Ein Brätelabend mit dem Lehrer- und Schulratsteam beendete am 2. Juli seine Lehrerlaufbahn nach 42 Jahren. Jetzt kann er sich vermehrt dem Wandern, Lesen und Musizieren widmen sowie seine Familie und die Umgebung des Hauses pflegen und geniessen.

Peter Germann freut sich nach 42 Jahren als Pädagoge auf eine etwas ruhigere Zeit.<br><br><br><br><br><br><br><br>
Peter Germann freut sich nach 42 Jahren als Pädagoge auf eine etwas ruhigere Zeit.









Der Lehrer freut sich über die Aktivitäten und Geschenke der Kinder.<br><br><br><br><br><br><br><br>
Der Lehrer freut sich über die Aktivitäten und Geschenke der Kinder.









Den ganzen Morgen dauerte der Parcours durch den Wald zum Schulhaus.<br><br><br><br><br><br><br><br>
Den ganzen Morgen dauerte der Parcours durch den Wald zum Schulhaus.









An der Thur schickten die Kinder viele Schiffchen auf die Reise. Die einen schwammen weit weg, andere sammelten sich und wieder andere kenterten - Sinnbild des Lebens.<br><br><br><br><br><br><br><br>
An der Thur schickten die Kinder viele Schiffchen auf die Reise. Die einen schwammen weit weg, andere sammelten sich und wieder andere kenterten - Sinnbild des Lebens.









Erwartungsvoll steht Peter Germann vor einem Posten.
Erwartungsvoll steht Peter Germann vor einem Posten.

Zwischen den Herzen mit Glückwünschen - ein Zustupf in den Rucksack.
Zwischen den Herzen mit Glückwünschen - ein Zustupf in den Rucksack.

Mandala aus Zweigen und Pflanzen.
Mandala aus Zweigen und Pflanzen.

Ein speziell gestalteter Barfussweg.
Ein speziell gestalteter Barfussweg.

Und wieder eine Überraschung - er kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Und wieder eine Überraschung - er kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Seiner Klasse brachte Peter Germann das Mundharmonikaspiel bei. Hier überraschen sie ihn mit "Amazing grace".
Seiner Klasse brachte Peter Germann das Mundharmonikaspiel bei. Hier überraschen sie ihn mit "Amazing grace".

Auch die Kleinsten kamen mit Rucksack und Sonnenkappe.
Auch die Kleinsten kamen mit Rucksack und Sonnenkappe.

Die Schiffe schwammen in alle Richtungen.
Die Schiffe schwammen in alle Richtungen.

Peter Germann und seine Partnerin Liz Brägger.
Peter Germann und seine Partnerin Liz Brägger.