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Obstbauern gingen auf eine interessante Abendexkursion
Familien Frieden und ihr neuzeitliches Vorgehen
Christian Jud
Die Neugierde war gross für die rund hundert Obstbauern und –bäuerinnen die der Einladung der Vereinigung Hochstamm Obstbau Schweiz zur Abendexkursion auf die Obstwiesen von Fritz und Ruedi Frieden in Hohentannen Folge leisteten.
Freude an der Landwirtschaft und an allen darin vorkommenden Betätigungsmöglichkeiten hatte Fritz Frieden aus dem thurgauischen Hohentannen schon von Kindsbeinen an, und als er im Jahre 1967 den Landwirtschaftsbetrieb von seinem Vater übernommen hatte war ihm klar, dass er diesen mit dem Obstbau existenzsichernd aufstocken würde.
Obst hat Zukunft Er hätte in seinem Leben, das ihn bei guter Gesundheit in das AHV-Alter geführt habe, auch Obst von jenen Bäumen geerntet, die noch Generationen vor ihm gesetzt hätten, sagte Fritz Frieden im Gespräch mit «Info Wil Plus», vor Beginn der abendlichen Exkursion, und er fügte dem mit Nachdruck an:«Der Obstbau muss eine Zukunft haben, und ich denke, dass sich auch meine Nachkommen an den Früchten meiner Bäume wieder gütlich tun».
Der Obstbau beschränkte sich in der 600 Seelengemeinde Hohentannen bis in die Hälfte des letzten Jahrhunderts auf hochstämmige Streuobstbestände auf den Wiesen, auf denen nebst dem Ackerbau Milchwirtschaft betrieben wurde.
Versuch mit Niederstammkulturen Willkommen geheissen wurden die rund hundert interessierten Frauen und Männer von Guido Schildknecht, dem Präsidenten der Vereinigung Hochstammobstbau Schweiz, die zum Teil aus der Innerschweiz, aus dem Kanton Zürich und aus dem Appenzellerland angereist waren. Besonders willkommen hiess Schildknecht die Inhaber der grössten privaten Mostereien der Ostschweiz, Ernst und Markus Möhl aus Arbon und Ruedi Kobelt aus Marbach.
Fritz Frieden stellte seinen Betrieb vor, den er zuerst mit einer niederstämmigen Obstanlage und die Anzucht von Unterlagen aufstockte, und durch das Aufpfropfen der Obstschösslinge und die Anzucht aus Obstkernen, und er gestand:«Für Niederstammanlagen ist unsere Meereshöhe auf gegen 600 Meter wenig geeignet und lässt sich nicht vergleichen mit dem milden Klima der Gegend um den Bodensee».
Verdichtete Hochstämme? Der Gastgeber weiter:«Wir liegen hier im Zentrum der Ostschweizerischen Mostostproduktion, und ich überlegte mir wie eine Anlage mit verdichteten Hochstammbäumen sich erstellen und bewirtschaften liesse, auf unserem Rundgang werden wir das Resultat sehen». In den Zwischenjahren hatte sein Sohn Ruedi, Jahrgang 1967, den Bereich Anzucht der Jungpflanzen übernommen.
Junior Ruedi Frieden bildete sich im In- und Ausland zum Fachagrarwirt für Baumpflege und zum Baumschulmeister aus, damit ist er für jede Art von Bäumen von der Anzucht über die Jungbaumerziehung und bis zur Standortverbesserung der ausgewiesene Fachmann. Er war an diesem Exkursionsabend ferienhalber abwesend, hinterlegte aber bei seinem Vater den schriftlichen Willkommgruss und das Bekenntnis: «Schon unsere Vorfahren setzten Bäume auch als markante Sichtpunkte oder als Alleen entlang von Strassen und Wegen und zur Prägung der Landschaften, und das wird auch in der Zukunft so sein».
Interessant und mutig Fritz Frieden hat bei seinen weiteren Überlegungen auch die Erfahrungen seiner aus dem Bernbiet stammenden Vorfahren miteinbezogen und er sieht das so:«Wurden in den Zeiten der grössten Mostobst-Euphorie praktisch sämtliche Felder im Stil der Streuobstwiesen buchstäblich bedeckt und ab den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder gerodet, so ist man in den klassischen Ackerbaugebieten im Bernbiet der Bewirtschaftung wegen früh daran gegangen, die Bäume in Hofnähe, in der«Hoschtet» anzulegen». Sie standen dort auch in der Zeit der zunehmenden Mechanisierung nicht im Weg.
Frieden ging das mutige Unterfangen ein, verdichtet grossflächig hochstämmige Mostäpfel zu setzen, in der Reihe im Abstand von vier Metern, von Reihe zu Reihe im Abstand von acht Metern. Insgesamt bewirtschaftet Fritz Frieden heute 2080 Hochstammobstbäume. Er hat einen eigenen Baumschnitt entwickelt, nach welchem die Bäume ohne Aststützen auskommen, und inzwischen besteht die erste dieser Anlagen mit mehreren hundert Apfelbäumen seit 20 Jahren, und über die Erfahrungen und Erkenntnisse informierte der Obstwirt auf dem Rundgang.
Licht und Schatten Mit 20 Jahren sollte der Ertrag der neuen Mostobstbäume dem Zenith ihres Ertrages nahe sein. Es zeigt sich aber, dass der Schatten der Bäume den Lichtdurchlass stark behindert, und Fritz Frieden in seinen Ausführungen:«Wie bereits bei der Pflanzung vorgesehen, werden wir die Reihen um jeden zweiten Baum auslichten und dann den Lichteinfall neu beurteilen».
Durchwegs besteht diese Anlage aus den Sorten Boskop, Blauacher, Bohnapfel und Spartan, die neueren Anlagen sind mit den Sorten Remo und Renora bepflanzt. Hervorgehoben werden darf die überbetriebliche Zusammenarbeit der viehlosen Obstbaubetriebe von Fritz und Ruedi Frieden mit der nachbarlichen Betriebsgemeinschaft mit neuer Stallung für 100 Grossvieheinheiten. Das betrifft den Bodenabtausch zur Bewirtschaftung und den Einsatz der Maschinen und die Mithilfe bei der Heu-und Ackerarbeit.
Feuerbrand ein Dauerthema In der anschliessenden Diskussionsrunde in der geräumigen Remise von Fritz Frieden kam auch das Thema Feuerbrand zur Sprache, und dass das ruhige Jahr 2010 nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass wieder gefährliche Jahre kommen werde. Ernst Möhl gratulierte dem Gastgeber für dessen Einsatz zur Sicherung des notwendigen Qualitätsproduktes für die Mostereien, und Möhl wörtlich:«Euer Mut gibt auch uns den Mut, in die Zukunft des einheimischen hochwertigen Lebensmittels zu investieren».
Nicht ausdiskutiert wurde die Frage was mit den Birnen aus den Hochstammbäumen geschehen soll. Jener Bäume, die uns alle jeden Frühling zur Blütezeit das Staunen lernen, und die im Herbst auf Konsumenten in irgendeiner Form angewiesen wären. Fritz Frieden hat das seine auf seine Art beigetragen:«Damit in 100 Jahren noch immer Birnbaumriesen blühen, habe ich davon auf einer Parzelle deren 100 gesetzt».
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