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Namibia/Oberuzwil: 20.08.2010
Die Schweizer trafen sich in Durban. Unterhaltsam und spannend verliefen die Tage.
Die Schweizer trafen sich in Durban. Unterhaltsam und spannend verliefen die Tage.

WM in Südafrika - Schmelztiegel der Kulturen
Die Oberuzwiler Lehrerin Brigitte Looser berichtet von ihren Erlebnissen im Namibia-Einsatz.
Brigitte Looser
Eine Übernachtung bei der gesprächigen und selbstironischen griechischen Mama, scharfes Curry-Essen beim Inder in Durban am Indischen Ozean, gelbgrüne Bafana Bafana-Shirts so weit der Blick reicht und ein Wiedersehen mit den weither gereisten Schweizer Bundesgenossen liessen den Horizont an der WM in Südafrika erweitern.

Nach einer abenteuerlichen Fahrt von unserer momentanen Wahlheimat Namibia durch die endlosen Steppenlandschaften Botswanas bis zum Austragungsort der diesjährigen WM in Südafrika, tauchten wir in die Verschiedenartigkeit der Kulturen ein, berichtet die Oberuzwiler Lehrerin aus ihrem Einsatz in Namibia.

Die Hoffnung auf das Südafrika-Team
Die Gastgeber beeindruckten mit ihrer Freundlichkeit, der scheinbar endlosen Hilfsbereitschaft und mit ihrem Nationalstolz. So erstaunte es denn auch nicht, dass an den südafrikanischen Spieltagen alle Schulen ihre Tore schlossen und jeder, der kein Geschäft mit der WM machen konnte oder wollte, sich in die Fanmeilen stürzte. Oder wer zu Hause einen Fernseher besitzt, fieberte da mit den „Jungs“ mit. Und noch weniger erstaunte es, dass die Stimmung einen Tag nach dem WM-Aus im Eimer war. Sogar die Taxifahrer klagten den Touristen ihr Leid und waren dabei den Tränen nahe.

Zu viele Hoffnungen wurden in das Nationalteam, das sich meiner Meinung gar nicht übel geschlagen hat, gesetzt. Aber die Südafrikaner fühlten sich „let down“ und überall herrschte pure Enttäuschung. Dabei ist es gar noch nicht so lange her, seit sich viele Weisse keinen Deut um die WM gekümmert haben. Ein Teil der weissen Rugbyfans, welche die ständig simulierenden Fussballspieler als „Sissis“ bezeichnen, ergriffen sowieso die Chance und flüchteten sich ins Nachbarland Namibia, um der WM im eigenen Land zu entkommen.

Fussball ist der Sport der Schwarzen
Mag ja sein, dass die WM Südafrika ein bisschen zusammen geschweisst hat, aber der Weg bis zum Vergessen der Apartheid-Vergangenheit dauert eindeutig noch viele Jahre. Zuweilen konnte es sehr anstrengend werden, den nach Lob heischenden Fragen mit positiven Antworten gerecht zu werden obwohl wir von den wunderschönen Landschaften begeistert waren und es uns wirklich an nichts fehlte. In den Köpfen steckt immer noch das Stigma vom Nicht-Genügen-Können.

Die Medien hatten im Vorfeld auch sehr viel Druck auf Südafrika ausgeübt, ja sogar von einer WM-Teilnahme abgeraten. Das hatten die Südafrikaner nicht verdient, denn sie haben viel Zeit, Geld und Herzblut investiert, um diesen Riesenanlass zu einem unvergesslichen zu machen. Viele waren der Meinung, dass das Geld in Südafrika besser investiert werden könnte, doch findet es dann wirklich auch den Weg bis zu den Ärmsten?

Friedliche Schweizer Spiele
Natürlich funktionierte der Bustransport nach einem Spiel vielleicht nicht so reibungslos wie man sich dies in Europa gewohnt ist, aber dafür hatte jeder Zeit und Musse für einen „Schwätz“. Und viele kleine Erinnerungen an spezielle Menschen bleiben länger haften, als eine perfekte Organisation. Der Auftritt von Sicherheitskräften war enorm, denn alle waren sich bewusst, dass schon der kleinste Vorfall in den Medien aufgebauscht werden würde.

Für mich verliefen sämtliche Schweizer Spiele total friedlich. Die Verlierer gratulierten den Siegern und verbrachten gemeinsam „a great night out“. Am meisten irritierten mich die sturzbetrunkenen Schweizer Fans, die uns während eines Spiels belästigten. Im Grossen und Ganzen war ich aber von der Weltoffenheit meiner Landsgenossen erstaunt und es war immer wieder toll, auf den riesigen Strecken von einem mit Schweizerflaggen beschmückten Wagen hupend überholt zu werden.

Back home in Namibia, freuten sich meine Studenten dank meiner Erzählungen, Souvenirs und Fotos, wenigstens ein bisschen näher an der WM gewesen zu sein. Mit viel Interesse hatten sie die Spiele am flimmernden und total unscharfen Fernsehbild der Schule mitverfolgt. Und hoffentlich auch das eine oder andere über Rassismus, Fairplay und Verlieren gelernt.

Interteam für Bewahrung der Schöpfung
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Brigitte Looser im Schweizer Camp in bester Stimmung.
Brigitte Looser im Schweizer Camp in bester Stimmung.

Ein kleiner Schwarzer, aber als Schweizer Fan macht er sich treffend bemerkbar.
Ein kleiner Schwarzer, aber als Schweizer Fan macht er sich treffend bemerkbar.

Valley of Desolation in den Karoos.
Valley of Desolation in den Karoos.