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Wil: 19.08.2010
Komitee "für ein bezahlbares neues Sportprojekt": (von links) Alex Schwarz, Erika Häusermann, Ruth Schelling und Werner Anderegg.
Komitee "für ein bezahlbares neues Sportprojekt": (von links) Alex Schwarz, Erika Häusermann, Ruth Schelling und Werner Anderegg.

Komitee „für ein bezahlbares neues Sportprojekt“
Nein zum Projekt „Sportpark Bergholz“ am 28. November
Rita Schmidlin
Das neugegründete Komitee „für ein bezahlbares neues Sportprojekt“ hat an einer Medienkonferenz über Ziel und Zweck des Komitees orientiert. Wil benötigt einen finanziell tragbaren Sportpark Bergholz, um dies zu ermöglichen, braucht es am 28. November ein Nein.

Die Komiteemitglieder Erika Häusermann, glp, Präsidentin, Ruth Schelling, ehemals SVP, Werner Anderegg, Protokollführer und Alex Schwarz, Rechnungsführer, beide glp, nahmen an der Medienkonferenz im Hof zu Wil teil, abwesend war Madeleine Weber, ehemals SVP. Ruth Schelling hielt in der Begrüssung fest, dass das Komitee für ein bezahlbares neues Sportprojekt gegründet wurde, um die Einwohnerinnen und Einwohner von Wil umfassend über die Problematik des Projektes Sportpark Bergholz zu informieren.

Werbung wie beim Stadtsaal
Ruth Schelling erinnerte an die Ereignisse betreffend Sportpark Bergholz, dies aus ihrer 12jährigen Parlamentstätigkeit. Seinerzeit hätten sie die Möglichkeit gehabt, verschiedene Sportanlagen zu besichtigen und sie sei positiv eingestellt gewesen. Von anfänglich 31,5 Millionen seien 46,7 Millionen geworden und aktuell soll der Sportpark 57 Millionen kosten. So wie die Sache gelaufen sei, hätte sie das Vertrauen verloren, meinte Ruth Schelling. Die Werbung, die jetzt gemacht werde, erinnere sie an das seinerzeitige Vorgehen beim Projekt Stadtsaal. Die Vereine seien aufgefordert worden, sich an diesem Supergeschäft zu beteiligen, herausgekommen ist ein jährliches Defizit für die Stadt, ausserdem sind die Lokalitäten für die Vereine zu teuer. Es sei nun dringend notwendig, seriös und umfassend über das Projekt Sportpark Bergholz zu orientieren: Man kann auch Nein stimmen!

Bergholz light genügt
Werner Anderegg führte aus, dass es unbestritten sei, dass der jetzige Sportpark Bergholz durch einen Neubau zu ersetzen ist, es brauche aber kein überdimensioniertes Projekt, das wegen eines unzureichenden Projektmanagements nun von den Wilern und Wilerinnen massive Steuererhöhungen von mindestens acht Prozent während 30 Jahren erfordert. Um einen für Wil tragbaren Sportpark Bergholz light zu ermöglichen, brauche es am 28. November ein Nein, forderte Werner Anderegg.

Das Komitee stört sich daran, dass das Projekt Bergholz als regionales Projekt angepriesen wird und diese Rieseninvestition nur von den Wilern und Wilerinnen bezahlt werden soll. Die Wiler Bevölkerung soll zahlen und die Einwohner der Nachbargemeinden können profitieren. Für ein Regionalprojekt sollte die IRPG oder neu dann die Regio Wil zuständig sein. Nach Ansicht des Komitees hat es das Projektmanagement verpasst, rechtzeitig ein regionales Projekt auch regional abzustützen, was ein total falsches Vorgehen war.

Wie Werner Anderegg mit Beispielen von aktuellen Sportprojekten in Winterthur und Thun zeigte, sei es auch heute noch möglich, solche mit Hilfe von Sponsoren zu finanzieren, anstatt alles auf die Steuerzahler abzuwälzen.

30 Jahre lang höhere Steuern
Erika Häusermann hat berechnet, dass 57 Millionen, verteilt auf die rund 17'000 Wiler und Wilerinnen Investitionsausgaben von 3'300 Franken pro Einwohner ergeben. Dabei seien die 30 Jahre laufenden Zinskosten noch nicht berücksichtigt, rechne man diese dazu, erhöhen sich die Investitionen auf 81 Millionen.

Wie bereits erwähnt, würde nur die Wiler Bevölkerung zur Kasse gebeten, meinte Erika Häusermann weiter. Das sei unfair und wirke kontraproduktiv. Die durch den Sportpark angeblich erhöhte Wohnattraktivität komme hauptsächlich Wilen und Rickenbach zugute, die mit tiefen Steuersätzen Wil konkurrenzieren und deshalb finanzkräftige Steuerzahler gewinnen können.

Die Kantonsbeiträge fallen bedeutend tiefer aus als erwartet, von sechs Millionen schrumpften diese auf zwei Millionen. Fussball- und Eishockey-Club sehen sich ausserstande, die erwarteten Beiträge zu leisten. Die Suche nach Sponsoren wurde vernachlässigt, ebenso Verhandlungen mit den umliegenden Gemeinden.

Sanieren, bevor Schulden abbezahlt sind
Alex Schwarz führte aus, dass die lange Abschreibungszeit von 30 Jahren unrealistisch sei und sogar eine Sonderbewilligung vom Kanton erforderte. Erfahrungsgemäss sind Sportanlagen nach mindestens 20 Jahren sanierungsbedürftig. Bevor die alten Schulden abbezahlt wären, müsste bereits saniert werden.

Alex Schwarz betonte ausserdem, dass die Finanzierung nicht gesichert sei, respektive nur mit einer Steuererhöhung. Da im Projekt keine Teuerung mit einberechnet sei, müsse man schon allein deswegen mit rund fünf Millionen Mehrkosten rechnen, ausgehend von einer Teuerung von 10 % im günstigsten Fall.

Beim geplanten Restaurant und den Veranstaltungsräumen könne man sich fragen, wer diese nutzen soll. Diese konkurrenzieren nur den eigenen Stadtsaal, der bereits zum Fass ohne Boden wurde.

Tragbare Lösung suchen
Das Komitee ist überzeugt davon, dass es nun darum gehe, dieses Projekt abzulehnen, damit zusammen mit Regio Wil ein richtiges, regionales Projekt aufgegleist oder für die Wiler Bevölkerung allein ein Bergholz light realisiert werden kann. Es gibt für Wil bessere und für den Steuerzahler fairere und tragbare Lösungen. Angedacht wurden Varianten wie zum Beispiel das teure Bauland Bergholz veräussern und damit ein Projekt Sportpark mitfinanzieren, zum Beispiel auf dem Areal AMP Bronschhofen. Die Bevölkerung soll sich nicht unter Druck setzen lassen und eine zeitliche Verzögerung in Kauf nehmen. Ein Nein am 28. November gibt die Chance, das Projekt nochmals in Ruhe zu überlegen und alle Varianten in Betracht zu ziehen. Ohne regionale Beteiligung und ohne Sponsoren wird man nach Ansicht des Komitees von einem regionalen zu einem lokalen Sportzentrum wechseln müssen und damit die Bedürfnisse der Wiler Bevölkerung abdecken, dies zu tragbaren Kosten.