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Niederuzwil: 05.09.2010
Im Pfarrgarten fanden die ersten Annäherungen in lockerer Atmosphäre statt.
Im Pfarrgarten fanden die ersten Annäherungen in lockerer Atmosphäre statt.

Gelebte Ökumene am Grillabend
Verantwortliche der Evangelischen und der Katholischen Kirche Niederuzwil trafen sich zum ungezwungenen Gesprächsabend.
Cecilia Hess
Die Kirchenverwaltung und das Seelsorgeteam der Katholischen Kirchgemeinde Henau-Niederuzwil lud die Vorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil mit ihrem neuen Pfarrer Marc Ditthardt zum Grillabend ein.

Es war eine spontane Idee von Pfarrer Georg Schmucki und der Kirchenverwaltungsrat nahm die Idee auf und versendete die Einladungen. Anfangs September trafen sich Mitglieder der beiden Kirchenbehörden, die katholischen Seelsorger, die neue Pfarrersfamilie Marc und Meike Ditthardt mit ihren Kindern Michèle und Manuel, die Sekretärinnen und die Mesmer der beiden Kirchen. Die Idee, sich in lockerer Atmosphäre zu begegnen stiess auf grosse Resonanz.

«Was trennt uns eigentlich?»
Bereits beim Apéro im Pfarrgarten war die Atmosphäre so heiter, als würde man sich wöchentlich treffen. Paul Gähwiler, Präsident der katholischen Kirchenverwaltung begrüsste speziell Marc und Meike Ditthardt mit ihren Kindern und wünschte ihnen ein gutes Einleben. Monika Markwalder, Präsidentin der Vorsteherschaft bedankte sich für die Einladung, die sehr geschätzt worden sei. Die Anmeldungen seien rasch eingegangen. In lockerem Rahmen zusammenzusitzen fördere die Zusammenarbeit. Das Hüben und Drüben spielte während des ganzen Abends keine Rolle.

Die Gespräche an den Tischen waren angeregt. Die Tischgemeinschaften waren auch ein Ausdruck des Gemeinsamen. «Christsein ist ein Mannschaftssport», hatte Pfarrer Marc Ditthardt Ende Juni in seiner letzten Predigt in der deutschen Kirchgemeinde Pfalzdorf-Nierswalde gesagt, wo er neun Jahre gewirkt hatte. Dass das Christsein die gemeinsame Basis der Katholiken und der Evangelischen ist, wurde auch an diesem Abend festgestellt. «Was trennt uns eigentlich?», stellte Marc Ditthardt im Verlauf des Abends in den Raum.

Gemeinsame Osternachtsfeier
An den Tischen wurde allerdings weniger über das Trennende gesprochen als über das Verbindende. Josef Bawidamann, der 1984 als Pfarrer in die Christkönigspfarrei Niederuzwil gekommen war, hatte den bereits bestehenden Ökumenenarbeitskreis vorgefunden. Er erinnerte sich an die Zusammenarbeit, an das Gastrecht, das sich beide Kirchen gegeben hatten, als die Kirchen renoviert wurden und an das Herantasten an eine gemeinsame Osternachtfeier. Heute ist diese selbstverständlich geworden. Dabei hat sowohl das Abendmahl wie die Eucharistie Platz nebeneinander.

In beiden Kirchen stehen die gleichen Osterkerzen. «Es ist wichtig, dass wir gemeinsame Anlässe haben und die christliche Überzeugung vertreten und für die Institution Kirche eintreten», sagte Monika Markwalder. Es sei jedoch auch wichtig, das je Eigene zu pflegen. «Das ist ein Schatz», meinte sie. Es sei auch zu überlegen, ob die beiden Kirchgemeinden ein Angebot für interkonfessionelle Paare machen könnten.

Die gemeinsame Suppe
Urs Lenggenhager ist seit 16 Jahren Mitglied der Vorsteherschaft. Auch er hat die Entwicklung der Ökumene im ökumenischen Arbeitskreis miterlebt. Er erinnerte sich, dass man sich zu Beginn gegenseitig erklärt habe, was man vertrete, worin die Unterschiede bestünden. Jetzt sei das Gemeinsame im Vordergrund. Es gebe Inputs für einen Austausch, die Sitzungen würden alternierend geleitet. Er erinnerte sich auch daran, dass die Suppenzmittage in den drei Kirchgemeindehäusern stattfanden und jeder die Suppe in seinem Saal gegessen habe, um vielleicht noch den Kaffee in einem anderen zu trinken. Seit ein paar Jahren findet der Anlass gemeinsam im Gemeindesaal statt. «Ich fühle mich in der katholischen Kirche immer willkommen», sagte Urs Lenggenhager.

Am gleichen Strang ziehen
Für Christoph Keller, Liegenschaftenverwalter der Evangelischen Kirchgemeinde war der Grillabend ein Abend unter Bekannten. Seine Kinder sind in der Pfadi St.Georg und er hat im Austausch mit Kirchenverwaltungsmitgliedern festgestellt, dass man die gleichen Problemfelder zu bearbeiten hat. Gleich geht es den Mesmern. Diese tauschen sich schon lange aus. Einmal im Monat treffen sie sich zum Kaffee. Da sind auch die Oberuzwiler, Henauer und Bichwiler Mesmer beider Kirchen dabei. Sie tauschen jedoch auch Maschinen oder Hilfeleistungen aus.

«Das Zwanglose ist oft kommunikativer als die offiziellen Gespräche», stellte Marc Ditthardt fest, als sich die Gesellschaft langsam aufzulösen begann. «Wenn vor Ort sichtbar wird, dass wir am gleichen Strang ziehen, ist das wunderbar», meinte er weiter. Für ihn war es die erste Begegnung mit den katholischen Seelsorgern. Wenn es Meinungsverschiedenheiten gebe, müsse dies nicht zwangsläufig mit katholisch und evangelisch zu tun haben, das könne auch an den Personen liegen. «Eine gute Gemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie über Meinungsverschiedenheiten redet.»
Meike Ditthardt (links) und Vreni Dornbierer. Dahinter Marc Ditthardt (links) und Klaus Gremminger.
Meike Ditthardt (links) und Vreni Dornbierer. Dahinter Marc Ditthardt (links) und Klaus Gremminger.

«Zwanglose Gespräche sind oft kommunikativer als die offiziellen.» <br>
«Zwanglose Gespräche sind oft kommunikativer als die offiziellen.»