v.l. Viktor Camenzind, Therese Solèr, Christoph Siegerist, Irène Häne, Peter Michael Haessig, Werner Warth.
Irène Häne, Leiterin Stadtbibliothek, begrüsste vor dem Alleeschulhaus.
"Ringende Knaben", Brunnen in der Allee, im Hintergrund die Besucher des Literaturspaziergangs.
Therese Solèr und Peter Michael Haessig.
Stadtarchivar Werner Warth zeigte Ansichten aus vergangenen Zeiten.
Auf der Weierbühne; im Hintergrund die Altstadt im letzten Sonnenlicht.
Urs Blum schloss sein Gedicht mit feinfühligem Flötenspiel.
Beim Böckebrunnen am Lindenplatz.
Apéro in der Stadtbibliothek.
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Literarischer Abendspaziergang mit Historie
Stadtbibliothek und Stadtarchivar luden zu einer kulturellen Tour vom Stadtsaal über den Weier zum Hofplatz
Gerhard Kasper
Die Stadtbibliothek mit den Wiler Poeten und Stadtarchivar Werner Warth präsentierten Schmuckstücke aus lokaler Literatur und Geschichte.
Beim Brunnen in der Allee hatten sich mehr als siebzig Kulturinteressierte eingefunden zum literarisch-historischen Abendspaziergang. Auf den Treppen zum Alleeschulhaus begrüsste die Leiterin der Stadtbibliothek, Irène Häne, und stellte ihre Wiler Poetenkollegen und den Stadtarchivar vor.
Vor dem Alleeschulhaus Werner Warth gab einen kurzen Abriss über die Entstehung des historischen Schulhauses und zeigte auf alten Bildern, wie es früher hier ausgesehen hatte. Der vom Wiler Bildhauer Urban Blank geschaffene Brunnen mit den zwei ringenden Knaben wurde zusammen mit der Vita von Therese Solèr präsentiert. Viktor Camenzind trug aus „Der bunte Teppich“ (1931) vor. Um ehrlich zu sein: Die meisten Stimmen hatten keine Chance gegen den Verkehrslärm von der unteren Bahnhofstrasse. Nur wer das Gehör eines Luchses hatte oder ganz nah bei den Vortragenden stand, konnte die Inhalte wenigstens erahnen.
Obere Bahnhofstrasse Einem Pilgerzug gleich bewegten sich die Besucher über den Schwanenkreisel bis vor die Migros-Bank. Hier erklärte Werner Warth, wie vor allem in den 60/70-er Jahren des letzten Jahrhunderts sehr viele Häuser umgestaltet worden waren und hielt den heutigen Fassaden Bilder von damals entgegen. Warths „Lieblingsarchitekt“ Alois Negrellis Verdienst ist es, dass die Obere Bahnhofstrasse als erste planmässig schnurgerade Strasse ausserhalb der Altstadt angelegt wurde; das war 1835.
An einer weiteren Station, schräg gegenüber dem Centralhof, zeigte der Stadtarchivar eine Reproduktion erstaunlichen Inhalts: 1830 hatte Kreisammann Johann Baptist Müller, ein eigensinniger Mann, das Schützenhaus von Mosnang Balken für Balken nach Wil transportieren und auf der Fläche des heutigen Restaurants Schöntal aufbauen lassen. Wo heute das Röntgeninstitut steht, befand sich ab 1836-40 das Fabrikgebäude der Buntweberei Müller. Camenzind rezitierte dazu „Die Spindel schnurrt“. Am Bleicheplatz vorbei, wo früher Leinenbahnen zum Bleichen ausgelegt wurden, gings zur Bühne am Stadtweier. Wiler Leinen hatte übrigens den Ruf, „grob und braun“ gewesen zu sein, verglichen mit St.Galler Leinwand.
Am Stadtweier Winterbilder aus früheren Zeiten zeigten, wie Männer aus dem dicken Eis des Weiers Blöcke sägten und schlugen – Kühlelemente für die Brauerei, aber auch private Haushalte. Auf der Weierbühne rezitierten verschiedene Vortragende Gedichte und Geschichten rund um den Wiler Weier. Wie der Mond sich einmal dem lieblichen Weier zu sehr näherte, dass er schliesslich liebestrunken versank und nur noch einmal im Monat auf dem Grund des Wassers zu erahnen ist – dieses zarte Gedicht trug Urs Blum vor und, passend zur Ambiance, spielte er auf der Flöte eine stimmungsvolle Weise.
Über die Schwertstiege zum Hofplatz Nach Überwindung der 126 Stufen war der Hofplatz erreicht. Werner Warth erklärte, dass die quer über die Strasse gehängten Fahnen die Wappen ehemaliger Stadtoberhäupter seien. Der 1935 verstorbene Paul Brändli hat das Mundart-Gedicht „Under de Böge“ geschrieben, eine Hommage an die „Arkaden“ entlang der Marktgasse. Peter Michael Haessig verstand es, das Gedicht mit feinem Witz vorzutragen. Mit Therese Solèr folgte „Altstadthäuser“ („Die Last der Jahre sieht man ihnen nicht an...“).
Lindenplatz „Mit der mächtigen Linde in der Mitte einer der schönsten Plätze in Wil“, fand der Stadtarchivar. Es sei eigentlich früher kein Platz gewesen, sondern erst nach Abbruch zweier Häuser entstanden. Den zentralen Böckebrunnen stellte er in die Geschichte des „Alten Zürichkrieges“ mit den „kühnsten Waghälsen zur Ausführung verwegenster Taten“ bekannten Verbindung junger wilder Burschen.
Durch das legendäre Stinkgässli zwängte sich der Besucherstrom zum Platz vor dem Wilden Mann und von dort zur Kirchplatzterrasse. Hier trug Viktor Camenzind eine sehr stimmige, aber nicht immer schmeichelhafte Beschreibung Wils 1813 vor.
Hofplatz, Pancratius-Brunnen Nach Gedicht- und Prosavorträgen dankte Irène Häne den Poetinnen und Poeten für ihre Beiträge und insbesonders dem Stadtarchivar für den historischen Teil und lud zum Apéro in die Stadtbibliothek.
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