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Wil: 09.09.2010
Der Autor Werner Alex Walser (rechts) im Interview mit dem Verleger Marcel Steiner.
Der Autor Werner Alex Walser (rechts) im Interview mit dem Verleger Marcel Steiner.

Fiktion oder Realität – der neue Roman von Werner Alex Walser „Das Kreuz des Ostens“
In der Wiler Stadtbibliothek stellte der Autor sein neues und überaus spannendes Werk vor
Gerhard Kasper
Nach zwei autobiografischen Sachbüchern über sein Leben und die Erlebnisse als Pilot stellte Werner Alex Walser – für viele überraschend – einen Roman als sein neustes Werk vor. Mit der Lesung von treffend ausgewählten Passagen weckte er Neugier und Interesse des Premierenpublikums.

Das oberste Stockwerk der Stadtbibliothek Wil war eng bestuhlt, über 70 Personen fanden Platz, um die Vorstellung des neuen Buches von Werner Alex Walser zu erleben. „Das Kreuz des Ostens“ - schon die Titel tönt spannend, denkt man doch gleich an das „Kreuz des Nordens“ auf den skandinavischen Flaggen, oder mehr noch, an das legendäre „Kreuz des Südens“, das markante Sternzeichen, nach dem sich die alten Seefahrer in südlichen Breiten orientierten. Überhaupt spielen Sternzeichen in Walsers Roman eine wichtige Rolle. Worüber erzählt „Das Kreuz des Ostens“?

Vorstellung des Autors
Im Zwiegespräch mit seinem Verleger vom Appenzeller Verlag, Marcel Steiner, stellte sich der Autor vor. Seine beiden ersten Werke „Eden und Kerosin“, „Feldgrau und Swissairblau“ waren autobiografische Erinnerungen an früher. Das dritte Werk, aus Liebe zum Schreiben entstanden, ist fiktionaler Natur, ein Roman aus Träumen und realem Leben: „Jeder Satz ist erfunden“, bekräftigte Walser, „der Roman spielt im Jahr 2002, alles könnte sich so abgespielt haben, ist aber dennoch Fiktion.“
Ein durchgehendes Thema des Buches ist der Fluglärm. Der Autor zeichnet seine drastischen Folgen ohne Schönfärberei und greift damit eine negative Seite der Fliegerei auf. Das würde man von einem ehemaligen Swissair Captain so direkt nicht erwarten, der dank seiner ausserordentlichen Qualifikationen bis zum 60.Lebensjahr am Steuer einer MD 11, eines Grossraum-Langstreckenflugzeugs, sass. Fluglärm war auch der Grund, warum Alex Walser mit seiner Ehefrau Ursula von Nürensdorf nach Bronschhofen zog; hier fühle er sich sich wunschlos glücklich.

Der Roman
Bevor der Autor die Lesung begann, beschrieb er kurz die Personen, die verwandtschaftlichen Beziehungen und erklärte, wo sich die Geschichte abspielt.

In vier zehnminütigen Passagen las Walser prägnante Inhalte des Werks vor. Sein Erzählstil ist süffig und dicht. Wer meint, das Buch in ein, zwei Tagen lesen zu können, geht bestimmt des feinen Humors verlustig, der in und zwischen den Zeilen aufblitzt. Klischées werden der Lächerlichkeit preisgegeben und vermeintlich „bessere“ Gesellschaftsattitüden als hohl entlarvt.

Schon die Lesung offenbarte, dass hier kein Auftragsschreiber zu Werke war, sondern ein Mann, dem Schreiben zur Leidenschaft geworden ist. In Teilen des Buches sind autobiografische Elemente nicht zu verkennen. So zum Beispiel die präzise Beschreibung von allem, was sich um Flughafen und Fliegerei dreht; oder die Affinität zu Sternen und Sternzeichen - „Kreuz des Ostens“, Andromeda und Vega, Vornamen von Personen im Roman.

Im Klappentext des Buches fasst Walser zusammen: „Theodor Maibach lebt mit seiner Frau Vega in einem traumhaft gelegenen Schloss im zürcherischen Sommerberg. Dieses hat nur einen Nachteil: Es kommt von einem Tag auf den anderen direkt unter eine Anflugschneise zum Flughafen Kloten zu liegen. Als Vega wegen des Flugslärms zur Kur im Ausland ist, lädt Maibach seine alten Freunde zu einem «Sennenball» auf sein Anwesen ein. Dabei verunfallt eine polnische Animierdame tödlich.
Damit nicht genug: Kurz nach ihrer Rückkehr wird Vega von einem Gegenstand schwer verletzt, der die gläserne Kuppel ihres Schlafzimmers durchschlägt. Das ist zu viel für Theodor Maibach, er erleidet einen Hirnschlag.
In der Luxusklinik, wo er zur Rehabilitation weilt, trifft er auf Flughafendirektor Enz, seinen Erzfeind. Als die beiden jedoch herausfinden, dass sie Zürcher Zünfter sind, begraben sie das Kriegsbeil. Ihre Freundschaft wird allerdings auf eine harte Probe gestellt, als Maibach von Rosy Besuch bekommt. Sie war es, die seinerzeit den «Sennenball» organisiert hat, und Enz scheint sie ebenfalls seit längerem zu kennen...“

Inhalt und Stil des Buches sind so aktuell, dass man Personen und Handlung für real hält – hätte nicht der Autor im Interview betont, alles, von A bis Z, sei erfunden.

Apéro und Buchsignierung
Die engagierte Lesung von Alex Walser hatte „gluschtig“ gemacht. Beim Apéro bestand die Möglichkeit, das Buch zu erwerben und vom Autor mit einer persönlichen Widmung signieren zu lassen - eine Gelegenheit, die sich viele Besucherinnen und Besucher nicht entgehen liessen.
Spannende Lesung aus dem neuen Roman "Das Kreuz des Ostens".
Spannende Lesung aus dem neuen Roman "Das Kreuz des Ostens".

Vor der Lesung: Information über die Hauptpersonen des Romans.<br>
Vor der Lesung: Information über die Hauptpersonen des Romans.


Im 3. Stock der Stadtbibliothek drängten sich über 70 Zuhörer.
Im 3. Stock der Stadtbibliothek drängten sich über 70 Zuhörer.

Buchsignierung im Anschluss an die Lesung.
Buchsignierung im Anschluss an die Lesung.

Ungezwungene Plauderei mit den Gästen.
Ungezwungene Plauderei mit den Gästen.