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August Brühwiler wird Südthurgauer des Jahres 2010
Der Verein Wirtschaftsraum Südthurgau zeigt sich wiederkehrend vorbildlich im Bereich "Erneuerbare Energien".
Niklaus Jung
An der Mitgliederversammlung des Wirtschaftsverein Südthurgau vom Donnerstag in Eschlikon wurde der Balterswiler Holzunternehmer August Brühwiler unter Applaus zum Südthurgauer des Jahres 2010 ernannt. Seine Verdienste im Einsatz für Fernwärme und erneuerbare Energien sind herausragend. Der Wirtschaftsverein Südthurgau ist selber vorbildlich im Einsatz Erneuerbarer Energien mit dem KEEST, dem Kompetenzzentrum für Erneuerbare Energien.
Die GV des Wirtschaftsraumes Südthurgau konnte mit dem Jubiläum 75 Jahre Heizkesselbau Schmid AG eines ihrer Mitglieder ehren. Die Jahresversammlung konnte Präsidentin Myrta Klarer am Donnerstagabend im Ausstellungsraum der Schmid AG eröffnen, wo anschliessend auch der von Hansjörg Schmid gesponserte Apreo eingenommen wurde.
Die Mitglieder des Wirtschaftsraumes Südthurgau erhielten dazu auch eine Firmenvorstellung der Schmid AG mit den 250 Mitarbeitern und der Produktionsfläche von 8'000 m2 in Eschlikon. Mit über 60% Export ist die Firma europa- und weltweit erfolgreich. Hansjörg Schmid übergibt die Firmenleitung an die nächste Familiengeneration, bleibt aber VR-Präsident. Mit einem jungen Haselbaum gratulierte Myrta Klarer dem erfolgreichen Unternehmer.
Hohes Engagement für den Südthurgau Bekanntlich beschloss der Verein schon vor Jahresfrist den Verein auch mit der Neuorganisation der IRPG zu "Regio Wil" in seiner Strutktur zu belassen. Die Zusammenarbeit werde deshalb nicht darunter leiden. Anstrengungen auf gleichwertige Einbindung in Regio Wil betonte auch die anwesende Geschäftsführerin Anne Jung, es gelte die Bedeutung des Südthurgau zu stärken. In ihrem Jahresbericht betonte die Präsidentin Myrta Klarer die wirtschaftlichen Fortschritte, einerseits mit dem laufendem Projekt Anschluss Wil-West, aber auch dem Gelingen mit der Wiederauferstehung der Regi mit "Regi die Neue".
Aus der Arbeit des KEEST (Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien Südthurgau) informierte Andreas Koch. Die Forderung nach Unabhängigkeit bezüglich Energien vom Ausland werde immer deutlicher. Es bedürfe noch stärkerer Betonung, weil in den Unternehmen die Energie-Effizienz nicht an vorderster Stelle stehe. Ihre 26 Energie-Checks im 2010 hätten sie Einsparungen in der Höhe von 10 Mio KWh oder 1 Mio Liter Heizöl aufgezeigt. Dass es vorwärts geht mit der Anerkennung des KEEST bestätige die Tatsache, dass sie ab 2011 auch als kantonale Beratungsstelle agieren könnten. Am 1. April finde überdies der Thurgauer Energietag statt.
Die Rechnung des Wirtschaftsvereines schliesst mit einem positiven Resultat ab. Ehre gab es für den abtretenden Kassier Richard Peter für seinen Einsatz seit der Gründung des Vereins im 1997. Ein Dankeschön ging auch an Lorenz Liechti, der ob beruflichem Wechsel seinen Austritt bekannt gab. Als Neumitglied konnte Swiss life mit Harry Christen aufgenommen werden.
August Brühwiler Südthurgauer des Jahres 2010 Zum alljährlichen Höhepunkt erhob sich Richard Peter zur Laudatio für den Südthurgauer des Jahres 2010 in der Person des Balterswilers Holz-Unternehmers August Brühwiler. Peter erinnerte an die Anfangszeit Brühwilers, als er mit 19 schon die elterliche Sägerei, damals noch mit Landwirtschaft übernehmen musste, ob dem frühen Tod seines Vaters. Auch Tiefpunkte wie den Brand im 1992 habe er mit viel Optimismus überstanden, seiner Begeisterung sei keine Grenzen gesetzt.
Fernwärme sei erstmals im 1987 Thema geworden, um den Ferntransport von Schnitzeln abzulösen. Auf Anhieb hätten 70 Wohnungen angeschlossen. Nur zwei Jahre später konnte das Netz auf weitere 80 Wohnungen erweitert werden, dank Starthilfe der Ortsgemeinde und des Kantons. Beim Regierungsrat habe man schon damals von einer Pioniertat gesprochen. Die neue Luftreinhalteverordnung habe zur Erneuerung der Öfen und damit zum nächsten Schritt, einem Holzheizkraftwerk geführt, in Zusammenarbeit mit dem EKT. Die Zustimmung der Gemeinde erfolgte im 2009 mit 68% Ja-Stimmenanteil. Aus der Fernwärme sei dann auch noch Stromerzeugung geworden, ein Vorzeigewerk mit Nachhaltigkeit, betonte Richard Peter.
Ein würdiger Südthurgauer Im Vereinsvorstand hat nach Richard Peter die Überzeugung schnell eingesetzt, mit August Brühwiler einen verdienten und würdigen Südthurgauer des Jahres 2010 gefunden zu haben. In August Brühwiler zeige sich der Unternehmer mit Weitsicht und Unternehmergeist, welche heute mehr als gefragt seien.
August Brühwiler empfand die Würdigung als hohe Ehre und bedankte sich beim Vorstand. Das Heizkraftwerk habe auch zahlreiche Knacknüsse zum Inhalt gehabt. Weil die Balterswiler immer hinter den Projekten gestanden hätten, habe dies seinen Einsatz erleichtert. Er sei überzeugt, dass das Vertrauen in die Energie aus der Gegend besser abgestützt sei, als weiterhin auf die ferne Öllobby zu setzen.
S-Bahn: Immer mehr Stehplätze ob Überlastungen Das anschliessende Referat seitens des Zürcher Verkehrsplaners Dominik Brühwiler sorgte für einen Vorgeschmack, was hinsichtlich Öffentlicher Verkehr in der Zukunft zu erwarten ist. Brühwiler erinnerte, dass schon in den 70er Jahren für Pendler geworben wurde. Mit Plakaten wie "Der Thurgauer ist auch ein Zürcher" habe man das Wohnen auf dem Lande schmackhaft gemacht, um dennoch in Zürich arbeiten zu können. Die Abokunden im Kanton Zürich seien von 250'000 im 1999 auf 350'000 gestiegen, bei Zürchern selber sei die Zahl stabil geblieben.
Nach Brühwiler ist es klar, dass Pendeln Mehrverkehr bringt, die Zürcher Nordumfahrung sei eines der Folgen davon. Bei der Bahn gelte die gleiche Gesetzmässigkeit wie auf der Strasse. Neue Strassen bringen neuen Verkehr, neue Bahnangebote neue Pendler. Das Problem der Überlastung in Spitzenzeiten habe sich dahin verlagert, dass es längst nicht mehr um Sitzplätze, sondern nur noch um Stehplätze gehe. Dennoch: Wenn Fluglinien 75 bis 85% Auslastung zeigten, erreiche die S-Bahn gerade einmal 20%. Die Spitzenzeiten verlangten ein grosses Angebot, tagsüber kaum genutzt.
Der Ticket-Preis wird steigen müssen Der Versuch, mit günstigen Angeboten die Reisezeit bei Personengruppen zu verschieben, hat nach Brühwiler überhaupt nichts gebracht. Der Preis spiele offensichtlich keine Rolle. Nach englischen Verhältnissen sei die Schweiz ohnehin noch überaus günstig. Umgerechnet koste ein Pendlerabo von 1'500 Franken in England bis zu 8'000 Franken.
Die 20-jährige Geschichte der S-Bahn ist nach Brühwiler dennoch eine Erfolgsgeschichte. Sie habe das Verkehrswachstum voll übernommen. Wollte man den heutigen Pendlerverkehr auf die Strasse verlagern, müssten 14-spurige, in Zentren gar über 20-spurige Strassen gebaut werden.
Die 1990 angedachte Durchmesserlinie bei der Bahn sei beim Volk im 2001 mit 82% angenommen worden. Die ersten Eröffnungen finden nach Brühwiler im 2014,15 statt, Kostenpunkt 2,1Mia Franken. Dabei werde zwar die Reisezeit nach Zürich nicht viel kürzer, dafür aber von der Ost- in die Westschweiz. Eine Knacknuss liege bei der S-Bahn Winterthur, welche gar leicht grösser sei als Bern.
Prognose Tarifgestaltung Neben Ausbauten beim Bahnnetz sind auch Investitionen beim Rollmaterial notwendig. Bei Stadler-Rail seien 50 Doppelstockzüge bestellt für 1,5 Mia Franken. In der Zukunft werde der Bahnkunde bei den Ticketkosten tiefer in die Tasche greifen müssen, weil das Angebot längst nicht mehr kostendeckend sei. Es könne die Situation eintreten, dass mit den höheren Ticket-Preisen ein Rückgang bei den Bahnkunden eintrete. In Anbetracht der total überfüllten Züge seien sie darob nicht einmal unglücklich.
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