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Raiffeisen Flawil-Bichwil-Oberuzwil erweitert Geschäftskreis mit Mogelsberg-Wolfertswil
Roger Federer gibt sich die Ehre…
Annelies Seelhofer-Brunner
Was da wohl los ist? Die Morgenstrasse gesperrt, überall Cars, die heranfahren, von allen Seiten herbeiströmende Menschen – und alle wollen in die Mehrzweckhalle Breite. Einen derartigen Massenandrang hat Oberuzwil noch kaum je gesehen, auch nicht an einer GV der Raiffeisenbank Flawil-Bichwil-Oberuzwil. Obwohl die Uhr schon fast 18.00 zeigte – Versammlungsbeginn – ging die Warteschlange noch immer bis vor die Eingangstüre hinaus. Generalversammlungen einer Bank sind eben vielfach gesellschaftliche Höhepunkte im Jahr der Genossenschaftsmitglieder.
Grenzen der Infrastruktur In der MZA Breite in Oberuzwil finden sehr viele Grossanlässe statt. Aber einen derartigen Ansturm hat die Halle noch kaum je erlebt. Seit Jahren stellt der Männerchor Bichwil-Riggenschwil mit seinen Mitgliedern die Sitzgelegenheiten für die GV der Raiffeisenbank Flawil-Bichwil-Oberuzwil in die Halle – natürlich gegen entsprechende Leistung in die Chorkasse. Dieses Jahr waren dies laut Aussage eines Männerchörlers doch tatsächlich 1‘450 Stühle. Noch mehr könnten wohl kaum mehr in die Halle gestellt werden. Verwaltungsratspräsident Christoph Brunner verhehlte denn auch seine Freude über die volle Halle nicht.
Inspirierender Auftakt Meist wird ja das kulturelle Angebot am Schluss oder in den Pausen zwischen den Menügängen dargeboten. Die Raiffeisenkasse machte es diesmal anders. Der Höhepunkt für viele kam zu Beginn der Versammlung. Mit dem jungen Kabarettisten Michael Elsener aus Zug haben die Verantwortlichen einen Glücksgriff getan. Schon in der ersten Sekunde zündete der Funke! Da gaben sich Doris Leuthard, Roger Federer, Kurt Aeschbacher oder sein Lieblingsobjekt Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger verblüffende Stichworte, stets in der richtigen Fussstellung, dem passenden „Outfit“ und der richtigen Stimmlage.
Blitzschnell änderten die Charaktere, es hiess, genau aufzupassen, damit man merkte, wer nun am Zug sei. Kaum je hat man jedenfalls die Heidigeschichte derart humorvoll aus der Sicht eines jungen Mannes aus dem Balkan miterlebt. Auch im Kassensturz konnte man dabeisein, sich Gedanken über das Klima machen und aufpassen, dass man die nächste Pointe nicht verpasste, derart war man möglicherweise nach den augenblicklichen Ereignissen im fernen Japan ins Nachdenken geraten. Man glaubte Elsener aufs Wort, dass er früher einfach nie an irgendetwas schuld gewesen sei, so unschuldig war sein Blick und seine Gestik. Einfach umwerfend!
Momentane Bank-Lage So humorvoll konnte es bei der Abwicklung der Geschäfte dann doch nicht zu- und hergehen. Aber Anlass zur Traurigkeit bestand ebenfalls nicht. Verwaltungsratspräsident Brunner konnte erfreuliche Zahlen präsentieren. Die Raiffeisenbanken sind dank ihrer örtlichen Bindung etwas weniger dem rauen Wind der Weltwirtschaft ausgesetzt, spüren diesen aber dennoch auch. Mit berechtigtem Stolz hob VR-Präsident Brunner hervor, dass Raiffeisenbanken noch nie Fluchtgelder irgendwelcher Despoten angenommen hätten, was jetzt zu ihrer Glaubwürdigkeit beitrage. Die Hypothekenfinanzierung sei das wichtigste Standbein der hiesigen Bank.
Wachsende Herausforderungen Die Welt steht nicht still, die Finanzmärkte ändern täglich. Da muss sich auch eine Bank der Raiffeisenbewegung anpassen. Die Märkte sind verunsichert. Die Kunden sind nicht mehr gleich loyal wie in früheren Zeiten. Zudem werden auf dem Gebiet der Finanzinstitute mehr und mehr Regulierungen – aufgrund der Exzesse der letzten Jahre – gefordert und auch eingeführt. Die Raiffeisenbank Flawil-Bichwil-Oberuzwil geniesst bei ihrer Kundschaft hohes Vertrauen. Praktisch jede zweite Person im Einzugsgebiet der Bank ist Genossenschafterin und damit Geschäftskundin.
Sinnvolle Fusion zu Flawil-Degersheim-Mogelsberg-Oberuzwil Die Verwaltungsräte der Banken Flawil-Bichwil-Oberuzwil und Wolfertswil –Mogelsberg haben im Hinblick auf diese Herausforderungen einen Zusammenschluss vorgeschlagen. Die Mitglieder der Bank Wolfertswil-Mogelsberg haben bereits am 18. März 2011 der Fusion zugestimmt. An der GV in Oberuzwil waren 1224 Stimmberechtigte ebenfalls dafür. Dagegen waren 21 Personen. Der Name der neuen Bank mag noch genau auf eine Linie, zwei Zeichen mehr, und es hätte Schwierigkeiten gegeben. Schade, dass der eine oder andere so heimelige Namen aus dem Namenwettbewerb keine Gnade finden konnte. „Säntisguggerli“ beispielsweise hätte sich doch wunderbar gemacht auf den Bankformularen!
Organisation der neuen Bank Der Geschäftskreis der neuen Bank umfasst die Ortschaften Mogelsberg, Degersheim, Flawil und Oberuzwil, alle mit ihren Aussendörfern. Der Verwaltungsrat der neuen Bank umfasst neun Mitglieder. Zu deren Präsident wurde Christoph Brunner gewählt, als Vizepräsident Gerold Pfister aus Wolfertswil. Mit Cornelia Hartmann aus Mogelsberg gibt es leider nur eine einzige Frau in diesem Gremium. Weitere Informationen zur Organisation können den Internetplattformen der Banken – siehe auch Kasten unten – entnommen werden. Für den scheidenden Bankleiter Thomas Koller, Flawil, wird eine neue Leitung gesucht. Laut Brunner sei dies auf bestem Wege. Die einzelnen Bankfilialen bleiben selbständig, alle Angebote können weiterhin vor Ort genutzt werden. Die Anlageberatung soll zudem ausgebaut werden.
Wertvollstes Kapital Das wichtigste Kapital einer guten Bank sind motivierte, bestens ausgebildete Mitarbeitende. Die Raiffeisenbanken sind erwiesenermassen ausgezeichnete Arbeitgeber. In der hiesigen Bank haben 2010 drei Personen weitergehende Ausbildungen abgeschlossen. Wertgeschätzte Angestellte sind für die Bank Gold wert, bringen zudem mehr und bessere Leistung und sind zudem das A und O für eine gute Kundenbeziehung . Hier werden zwar keine riesigen Boni ausbezahlt – selbst ein Verwaltungsrat bekommt für seine Tätigkeit pro Jahr gerade mal Fr. 6‘000.00 -, doch die guten Arbeitsbedingungen wiegen dieses „Manko“ mehr als auf.
Ausblick Mit der Fusion der beiden Banken wird eine Grösse erreicht, die noch überschaubar ist. In Flawil steht das Grossprojekt eines Bankneubaus mit integriertem Gastrobetrieb, einer Arztpraxis, attraktiven Wohnungen und natürlich den Bankräumlichkeiten an. Die Bilanzsumme wird auf Fr. 750 Millionen klettern. 18‘000 Kundinnen und Kunden sowie 9‘000 Mitglieder werden von 36 freundlichen, kompetenten Frauen und Männern - wie bisher - finanziell erfolgreich beraten werden. Geschäftsstellen befinden sich in Flawil, Mogelsberg, Degersheim und Oberuzwil. An all diesen Standorten werden auch weiterhin nötige Investitionen getätigt.
Gesellschaftliches Nach der zügig abgewickelten, diesmal wegen der Fusionsabstimmung etwas länger dauernden Versammlung warteten Cars und Privatautos auf die Mitglieder, um sie zu den ausgewählten Restaurants zu bringen. Dort erwartete alle ein feines Essen, bezahlbar mit einem Gutschein. Einzig die Getränke mussten persönlich bezahlt werden, was nicht ganz allen klar gewesen war. Ob wohl Bürgerversammlungen besser besucht wären, wenn es nach deren Schluss ein Essen gäbe??
Kennzahlen vor der Fusion mit Wolfertswil-Mogelsberg (Alle Beträge in Schweizer Franken angegeben) Entwicklung Bilanzsumme: von 2006 mit 377 Millionen auf 541 Millionen im Jahre 2010 Ausleihungen: 2006 347 Millionen– 2010 bereits 483 Millionen Kundengelder: 2006 283 Millionen– 2010 403 Millionen Eigenkapital: 2006 15,9 Millionen– 2010 auf 23,9 Millionen angewachsenReingewinn 2011: 375'000.00 FrankenMitgliederzahl: in der gleichen Zeitspanne von 5040 auf 5941 Personen angewachsen. Anzahl Mitarbeitende: 24, davon 6 Teilzeitstellen Anzahl Lernende: 3 Personen Raiffeisenbank Flawil-Bichwil-OberuzwilRaiffeisenbank Wolfertswil-MogelsbergMichael Elsener
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