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St.Gallen: 17.10.2011
Neue historische Erkenntnisse zeichnen Gallus neu
„Gallus, der Heilige in seiner Zeit“ – erste umfassende Monographie erschienen.
Iwan Köppel
Rechtzeitig auf das Gallusjubiläum 2012 hin legt Max Schär die Ergebnisse seiner intensiven Forschungen zu Gallus in der ersten umfassenden Monografie vor. An der Feier zum diesjährigen Gallustag präsentierte er im Pfalzkeller in St.Gallen sein neu erschienenes Werk „Gallus. Der Heilige in seiner Zeit“. Mit seinen Erkenntnissen rüttelt er kräftig am traditionellen Gallus-Bild und leistet einen wichtigen Beitrag zum Jubiläum.

Während der letzten Jahre arbeitete der Rorschacher Historiker und Theologe Max Schär die historische Figur Gallus akribisch auf. Nun liegen die Ergebnisse seiner umfangreichen Forschungen in Buchform vor. Die umfassende Monografie öffnet neue Blicke auf das Leben und das Umfeld von Gallus im 7. Jahrhundert, die das bislang überlieferte, zum Teil von den Gallus-Viten mitgeprägte Bild in wesentlichen Punkten in Frage stellen. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Gallusjubiläum 2012, in dessen Mittelpunkt die Identität der Region steht, der Gallus den Namen gab.

Gallus, der Betende
In seiner Präsentation zeigte Max Schär eindrücklich auf, was Gallus vor allem auszeichnete: „Gallus war ein Beter. Er betete ein Leben lang, jeden Tag und auch in der Nacht mehrere Stunden. Wie viele seiner Zeitgenossen, die asketisch als Eremiten lebten, erlangte auch er durch die ständige Konzentration auf sein Inneres mediale Fähigkeiten.“

Wandermönch und Missionar, wie Gallus gewöhnlich dargestellt wird, war er nicht, betont Schär: „Gallus und Kolumban folgten einer klar bestimmbaren Route. Gallus lebte zuerst in Luxeuil und dann rund 30 Jahre hier im Steinachwald – das ist für Wandermönche völlig untypisch.“

Gallus, der Vernetzte
Missionarisch habe Gallus nur am Rand gewirkt – und erst noch „lieblos und weitgehend erfolglos“. Damit räumt Max Schär gleich auch mit der gängigen Vorstellung auf, Kolumban und Gallus hätten die Region im 7. Jahrhundert christianisiert: „Die im Wesentlichen noch romanische Region war schon grossenteils christlich – und die erst im Lauf des 7. Jahrhunderts einwandernden Alemannen wurden durch die fränkischen Grundherren christianisiert.“

Mit den Alemannen und anderen Machtträgern war Gallus bestens vernetzt. Nicht nur sie, auch Kirchenmänner wie der Bischof von Konstanz sowie persönliche Freunde unterstützten Gallus: „Was Gallus machte, tat er nicht allein, sondern immer mit andern. Er lebte in Gemeinschaft.“

Herkunftsfrage zweitrangig
In seinem Buch stellt Max Schär Gallus nicht nur in Beziehung zu seinem Umfeld im 7. Jahrhundert, sondern auch zu anderen herausragenden Zeitgenossen wie beispielsweise Papst Gregor dem Grossen oder dem Propheten Mohammed, der ziemlich genau zeitgleich mit Gallus lebte.

Als längst nicht so wesentlich, wie sie in den vergangenen Wochen in den Medien dargestellt wurde, beurteilt Schär hingegen die Frage nach der Herkunft von Gallus: „Ob Gallus nun irischer Abstammung war oder nicht, ist nicht so entscheidend. Leider treten ob dieser Frage viel wichtigere Punkte wie zum Beispiel die Unterstützung, die Gallus bei den Politikern seiner Zeit genoss, in den Hintergrund.“

Vorspiel zum Jubiläumsjahr
Mit der Präsentation seines Buches machte Max Schär gewissermassen den Auftakt zum Vorspiel auf das Jubiläumsjahr. Den Start ins Jubiläumsprogramm 2012 machen ein Auftaktwochenende vom 20. bis 22. April mit anschliessenden Auftaktwochen bis am 13. Mai 2012 in der St.Galler Altstadt.

Danach wird das Gallusjubiläum 2012 im ganzen Kanton St.Gallen erlebbar sein: Gallus wird 1400 Jahre nach seiner Ankunft wieder unterwegs sein – diesmal in Form breiter Angebote im ganzen Kanton.

Max Schär: Gallus. Der Heilige in seiner Zeit, Schwabe-Verlag, Basel 2011, 500 Seiten, 20 Abbildungen in Farbe, gebunden, CHF 48.00.
Alle Informationen zum Jubiläum auf www.gallusjubilaeum.ch

Der Autor
Max Schär, geboren 1943, Dr. phil., ist Historiker und Theologe. Bis 2006 war er hauptberuflich als Seminar- und Gymnasiallehrer tätig. Er hat zahlreiche Publikationen zur frühmittelalterlichen Geschichte St.Gallens und der angrenzenden Gebiete verfasst. Max Schär wohnt in Rorschach.


Max Schär, Dr. phil., Historiker und Theologe bei der Buchvorstellung im Pfalzkeller.
Max Schär, Dr. phil., Historiker und Theologe bei der Buchvorstellung im Pfalzkeller.

Das Buch "Gallus. Der Heilige in seiner Zeit": 500 Seiten, 20 Abbildungen in Farbe, gebunden.
Das Buch "Gallus. Der Heilige in seiner Zeit": 500 Seiten, 20 Abbildungen in Farbe, gebunden.