|
Musikalischer Lichtbogen über Oberuzwil
2. Tonfenster mit weitgefächertem Angebot
Annelies Seelhofer-Brunner
Vor zwei Jahren lancierte der Männerchor Frohsinn aus Oberuzwil ein neues Angebot, eine Art Kaleidoskop an musikalischen Leckerbissen, eben das Tonfenster. Schon damals fand die Idee, welche Chorpräsident Felix Grünenfelder mit seinen Sängerkollegen ausgeheckt hatte, sehr grossen Anklang. Die zweite Ausgabe bot wieder eine reiche musikalische „Werkschau“ und zog wahre Zuschauermassen an. Sie zeigte, dass das einheimische musikalische Schaffen sehr vielfältig ist.
Beim zweiten Mal schon – fast – Tradition Wer mitmachen wollte an diesem Sonntag voller Musik, konnte sich dafür anmelden und eine zwanzigminütige Darbietung vorbereiten. Sagenhafte 15 Gruppierungen bestritten schliesslich den Tag. Rockig begann die Gruppe „JJ3“ und weckte auch die letzten Schlafmützen. Rockig ging der Tag auch zu Ende, mit einer mitreissenden Darbietung voller Energie, dargeboten von der Sekundarklasse 1b. Dazwischen hatte sehr viel Platz. Die Jugend war diesmal sehr gut vertreten.
Es war jedoch nur schwerlich möglich, allen Vorträgen von Anfang bis zum Ende zuzuhören, da diese Schlag auf Schlag folgten. So fehlen hier leider nähere Beschreibungen der Auftritte des Jugendensembles Bichwil-Oberuzwil - Leiter Marco D’Incau -, des Frauenchors Oberuzwil - Dirigentin Renate Schmid - und der Band „More New“ mit Bandleader Alberto Naef. Musik als „Paradiesische Enklave“ Gemeindepräsident Cornel Egger beehrte den Anlass mit einem Grusswort. Darin unterstrich er die Bedeutung der Musik als universelle Sprache, die auf der ganzen Welt verstanden werde. Er bedankte sich beim Männerchor für diesen musikalischen Blumenstrauss, diese „paradiesische Enklave im Alltag“, wie er sich ausdrückte. Auch gegessen werden konnte an diesem Tag, nur wann diese Pause eingezogen werden sollte, machte vielen Besucherinnen und Besuchern Bauchweh, zu interessant und vielfältig war das musikalische Angebot, sorgfältig aufgelistet auf einem als Fenster gestalteten Programmblatt.
Da konnte man auch lesen, wie viele Sponsoren sich für das Tonfenster engagierten. Die Gourmet-Häfi - mittlerweile ebenfalls fester Bestandteil des einheimischen Festbetriebs - betrieben ihre Hafenküche im Durchgang vor dem Eingang. Gegessen werden konnte im Foyer des Schulhauses. Laut einer Lehrkraft duftete noch am Tag danach das ganze Schulhaus davon…
Instrumentale Darbietungen Es fing mit rockigen Tönen an, angeschlagen von der Band „JJ3“, vorgestellt als „menschenfreundlich und gutem Essen zugetan, genau wie der Problembär JJ3“. Bandleader Thomas Rhyner ist ja in Oberuzwil kein Unbekannter. Die rockigen Töne waren angesichts des doch nicht allzu grossen Singsaals im Oberstufenzentrum angenehm abgedämpft, so dass man erstens die Worte sehr gut verstand – interessanterweise im hiesigen Dialekt gesungen – und zweitens ohne Ohrstöpsel genussvoll zuhören konnte. Das Band-Instrumentarium kam mit wenig aus: zwei Gitarren, die zweite von Marco „Schmöck“ Schmocker gespielt, dazu eine Holzkiste als Rhythmusgeberin, vermutlich jedoch mit geheimem Innenleben, „beklopft“ von Mathe Kessler.
Urs Ghirlanda und die zwölfjährige Selina Weiss, welche unter dem Namen „Duo Urselina“ als Alphornduo auftreten, holten sich für ein besonderes Glanzstück Verstärkung beim Ensemble der Musikgesellschaft Bichwil-Oberuzwil. Dies besteht zur Hauptsache aus Musizierenden aus den Familien Weiss und Hollenstein, beide aus Bichwil. Die Alphörner, sehr sauber und gekonnt und auf den Raum abgestimmt geblasen, schienen dem Schlagzeug nebenan derart zu gefallen, dass es gleich mitzuschwingen begann und dem Stück eine neue Klangfarbe verlieh. Alex Hollenstein brachte das freche Ding aber gekonnt zum Schweigen.
Daneben bestritt das Ensemble auch einen eigenen musikalischen Block, mit von Peter Weiss arrangierten Stücken für Blechinstrumente, eines mit dem Namen „Zur Goldenen Hochzeit“, welches er für das Jubelpaar Rosi und Franz Neuländner aus Bichwil komponiert hatte. Die beiden Geehrten sassen ganz gerührt im Publikum.
Chormusik vom Feinsten Der katholische Kirchenchor Oberuzwil sang sich mit seiner ansteckenden Lebensfreude und den exakten Einsätzen in die Herzen des Publikums in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula. Sie stellten lauter Lieder aus der eigenen Komponistenwerkstatt vor. Die musikalische Leiterin Esther Wild Bislin hat mit ihrem Mann Roman Bislin einen „Hofkomponisten“ zur Hand, welcher biblische – aber auch weltliche - Texte mit zeitgemässen, hörfälligen Melodien versieht. Die Lieder brachten eine besinnliche Note in den sonntäglichen Anlass. Besonders schön war, dass auch das Publikum Gelegenheit bekam, beim Lied „Da berühren sich Himmel und Erde“ mitzusingen.
Der Good News-Chor hat sich in seinen rund zwanzig Jahren seines Bestehens musikalisch ausgeweitet und singt heute nebst Gospelmusik auch Unterhaltungsmusik. Der Chor besang beispielsweise in fetziger Weise das Auge des Tigers – „The Eye oft he Tiger“ -, am Flügel vom versierten Hanspeter Nadler unterstützt. „Amazing Grace“ gehört zu den Liedern mit garantiertem Hühnerhautfaktor. Hier bekamen die Männer die schwierige Aufgabe, lange Zeit den gleichen Grundton singen zu müssen, ein sehr anstrengendes Unterfangen. Doch auch diese Aufgabe meisterten sie mit grosser Sicherheit. Der Chor „All4Soul“ hat sich ganz der Gospelmusik sowie afrikanischen Weisen verschrieben. Schwungvoll und stimmgewaltig brachten sie den Saal in Bewegung, schnell wurde mitgeklatscht. Die vierzehn Mitglieder verblüfften mit einem aussergewöhnlichen Chorklang. Sie brachten es sogar fertig, eine kleine Zugabe zu singen, ohne dass die ganze straffe Organisation durcheinander gebracht wurde.
Volkstümliche Einschübe Der Jodelclub Uzwil, geleitet durch die am diesjährigen Tonfenster abwesende Cäcilia Mauchle brachte eine mehr heimatliche Note in den Tag. Der vorgetragene „Steinmannlijutz“ ist in der Jodelszene ein Hit. Obwohl niemand vor dem Chor stand, sassen doch alle Einsätze, war der Chorklang klar und rein und alles sehr schön ausgesungen. Heimatliebe, Freundschaft und intakte Natur sind Pfeiler der Jodelliteratur, das spricht heute vermehrt – und dies auch in den Städten – viele, auch junge Menschen an. Das Singen ohne Worte geht direkt ins Herz. Aufgelockert wurde das Ganze durch witzige Einlagen eines Innerrhoder Sängers und des Präsidenten Karl Schillig.
Das Akkordeon-Orchester Uzwil bestach durch rhythmisch schwierige Stücke, von Dirigent Peter Stricker mit exakter Taktvorgabe geleitet. Er führte mit seinem Ensemble einen „Dolce Tango“ auf, denn das Werk sei für einen Tango à la Astor Piazzolla zu süss herausgekommen. Dem Publikum war das einerlei, zudem wurden die süssen Harmonien immer wieder durch leicht dissonante, melancholische abgelöst, so dass kaum Nastücher zum Einsatz kamen. Auch die konzertanten Walzer aus der Wienerklassik fanden grossen Anklang. Hier zeigte sich einmal mehr, dass das Akkordeon mehr als nur ein Instrument für volkstümliche Tanzmusik ist. Jugend mit sinnvoller Freizeitbeschäftigung Susanne Huber Frei hatte drei junge Burschen und eine Gruppe von acht jungen Mädchen zum Mitmachen animiert. Wenigstens musste das annehmen, wer den drei Moderatoren genau zuhörte. Denn sie sprachen es zum Vergnügen des Publikums laut und deutlich aus: „So ganz freiwillig sind wir nicht hier, wir wurden mit dem Versprechen hergelockt, bei anständigem Benehmen eine gute Verhaltensnote zu bekommen!“ Damit hatten sie die Zuhörerschaft sofort auf ihrer Seite. Singen mochten die „Herren“ allerdings nicht, sie vertrauten auf ihr gutes Mundwerk. Doch die Mädchen trauten sich und sangen englische Songs, da und dort recht lautstark von der Technik ab Band unterlegt, selbstbewusst und sehr bühnentauglich. Schewall Isik sang gar ganz allein das Lied „Touch My Hand“, mutig und mit sehr guter Aussprache.
Primarlehrerin Cécile Ottiger trat mit fünf Schülerinnen aus der Klasse des verstorbenen Lehrers Waldemar Tannheimer auf, dazu kamen zwei Mädchen aus der Klasse von Regula Blöchlinger. Unter dem Titel „Für Herzen von Herzen“ sangen sie zum Andenken an ihren verstorbenen Lehrer – und aktiven Männerchörler – Lieder in verschiedenen Sprachen, begleitet von Cécile Ottiger und Céline Häberli auf der Gitarre. Auch sie hatten das Lied „Da berühren sich Himmel und Erde“ eingeübt, welches die Zuhörerschaft gleich nochmals mitsingen durfte. Zudem hatten die Kinder verführerische Herzli-Guetzli gebacken und verteilte diese zum Schluss an die staunenden Menschen in der Aula. Ein wahrhaft berührender Auftritt der mutigen kleinen Gruppe!
Bis die Aula rauchte Das deutsche Liedgut scheint bei jungen Leuten keine Begeisterung mehr auszulösen, schade eigentlich! Doch die Jugend will englisch singen. Darauf heisst es einzugehen. Die Oberstufe Oberuzwil hat seit Sommer 2011 mit Enid Becirovic eine ganz junge Musiklehrerin. Was diese Frau in der kurzen Zeit mit den Schülerinnen und Schülern alles erarbeitet hat, zeigte sie mit der Sekundarklasse 1b auf sehr eindrückliche Weise. Wie die Teenager jede Bewegung - durch die Musiklehrerin exakt vorgegeben - nachmachten, sich geschmeidig und wendig bewegten und dazu präzise sangen, die Händen gegen den Himmel streckten bei „Up In The Sky“, dann wieder mit den Füssen stampften, das war schon äusserst eindrücklich.
Mit „Falling In Love With You“ besangen die Jugendlichen zudem ein Thema, das in diesem Alter langsam unter den Nägeln zu brennen beginnt. Jedes der vorgetragenen Lieder war in eine eigentliche Choreografie verpackt. Auch die Buben waren voll bei der Sache, was einem kleinen Wunder gleichkommt, sträuben sich doch die meisten in diesem Alter, mit Gesang „aufzufallen“.
Die Freude am Tun war augenfällig, auch das Publikum liess sich von der Lebensfreude der jungen Leute anstecken, lachte und klatschte mit. Und weil dies der Tagesabschluss war, konnten sogar zwei Zugaben gewährt werden. Der tosende Applaus war gerechter Lohn für eine mitreissende Vorstellung erster Güte.
Ausblick Den ganzen Tag hatte das Publikum immer wieder gewechselt, es war wie Ebbe und Flut. Jede Gruppierung brachte ihren „Fanclub“ mit. Nicht wenige aber blieben lange, lange sitzen und genossen eine Darbietung nach der anderen. Ganz nach Lust und Laune konnte ausgewählt werden, was dem Gehör behagte. Felix Grünenfelder, umsichtiger Präsident des Männerchors Frohsinn Oberuzwil, freute sich sichtlich über den Grosserfolg mit diesem zweiten Tonfenster. In seinem kleinen Abschiedswort versprach er, in zwei Jahren werde es ein weiteres, drittes Tonfenster geben. Weil dann der Männerchor genau 175 Jahre alt wird, darf man auf ein ganz spezielles Grossereignis hoffen.
|
|