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Uzwil : 20.02.2011
Mit der Unbekümmertheit einer Zwanzigjährigen beobachtet Bettina Bellmont die hereinströmenden Zuhörermassen. Von Nervosität keine Spur - jedenfalls keine sichtbare...
Mit der Unbekümmertheit einer Zwanzigjährigen beobachtet Bettina Bellmont die hereinströmenden Zuhörermassen. Von Nervosität keine Spur - jedenfalls keine sichtbare...

Für Käthi Immoos sind solche Anlässe Freude, nicht Pflicht. Der Ansturm hat sie nur ganz kurz ins Schwitzen gebracht.
Für Käthi Immoos sind solche Anlässe Freude, nicht Pflicht. Der Ansturm hat sie nur ganz kurz ins Schwitzen gebracht.

Bettina Bellmont scheint vor den Schwarzen Vögeln keine Angst zu haben, doch für kleinere Kinder könnte durchaus die eine oder andere Passage Grund genug sein, sich näher an Papa oder Mama zu kuscheln.
Bettina Bellmont scheint vor den Schwarzen Vögeln keine Angst zu haben, doch für kleinere Kinder könnte durchaus die eine oder andere Passage Grund genug sein, sich näher an Papa oder Mama zu kuscheln.

Die Fragen stellt sich die Autorin gleich selber, das Publikum bleibt stumm - ob wohl vor lauter Schrecken?
Die Fragen stellt sich die Autorin gleich selber, das Publikum bleibt stumm - ob wohl vor lauter Schrecken?

Am Tag der Schwarzen Vögel
Bibliothek Uzwil: Junge Oberuzwiler Autorin stellt ihr erstes Buch vor
Annelies Seelhofer-Brunner
Die meisten Mädchen und Buben brauchen – ganz besonders in der Pubertätszeit - Helden und Heldinnen, wollen den Kampf zwischen Gut und Böse innerlich miterleben und sich in fantasievolle Welten zurückziehen. Bettina Bellmont aus Oberuzwil hat dieses Lebensgefühl verstärkt gesucht und deshalb kurzerhand eine eigene Geschichte erfunden. Mit „Am Tag der Schwarzen Vögel“ liegt ihre Geschichte nun als Buch vor.
Der Besucheransturm im Aularaum der Bibliothek war sehr gross, es brauchte noch ganz viele zusätzliche Stühle. Schulkameraden und Kolleginnen, Bekannte und Interessierte füllten den Raum.

Lesen und Schreiben gehören zusammen
Bettina Bellmont verknüpfte in ihrer Lesung geschickt vorgelesene Ausschnitte aus dem Buch mit ihren Gedanken über das Schreiben. Im Alter von vierzehn Jahren hatte sie schon unendlich viel gelesen. Die Lust, selber eine Geschichte zu schreiben, wurde immer grösser. Sie begann völlig ohne Plan, wusste einfach, dass dem strahlenden Helden – klar, dass dies in diesem Alter ein junger Mann sein musste – ein starker Antiheld, ein böses Wesen gegenübergestellt werden musste. Doch auch eine weibliche Heldenfigur war von Anfang an gesetzt. Auch die gewählten Namen mussten natürlich etwas ganz Besonderes sein. Es gab keine festgelegten „Schreibzeiten“, sondern sie wurde plötzlich von einer neuen Idee wie dem Ausgestalten einer gerade ausgedachten Szene gepackt und musste diese sofort niederschreiben. Doch mit der Zeit veränderte sich das. Immer öfter bekamen die Figuren ein Eigenleben und entfernten sich von der Autorin.

Woher kommen die Ideen?
Zwischen den gelesenen Ausschnitten stellte sich Bettina Bellmont immer wieder selber Fragen. Sie wisse eigentlich gar nicht, woher die Ideen kämen. Das könnten Träume, Traumsequenzen sein, die eine Szene anstupsten. Sicher flössen auch gelesene Geschichten in ihre eigenen ein, das lasse sich oft nur schwer trennen. Sie gestand mehr als einmal, dass sich die Geschichte oft wie „von allein“ geschrieben habe, ohne ihr Zutun gewachsen sei, sie hätte nur noch aufschreiben müssen.

Bei dem Bestseller-Autor Stephen Kind habe sie genau dies in einem Vorwort gelesen. Auch er habe gesagt, seine Geschichten schrieben sich „wie von selber“. Mit einer Anspielung auf Cliffhanger, diese Fortsetzungsgeschichten mit Suchtcharakter, verriet die Vorleserin, woher ihre Ideen auch noch kommen könnten. Immer wieder mit einer besonders interessanten Szene am Schluss eines Kapitels Lust aufs Weiterlesen machen, die Leserschaft quasi an die Geschichte anbinden, das ist es, was Bettina Bellmont vor Augen hat.

Wichtige Elemente einer Fantasy-Geschichte
Tod, Blut, Modergeruch, unheimliche Berührungen, Tunnelsysteme, kalter Lufthauch, hallende Stimmen, Nebelschleier und – wichtig für Mädchen - Pferde gehören zu einer echten Fantasy-Geschichte. Schon der Name für diese Art Geschichten zeigt, woher sie ursprünglich stammen: aus der Erzähltradition angelsächsischer Völker. Je schlimmer, gefährlicher und unwahrscheinlicher eine Geschichte tönt, desto mehr fasziniert sie die Leserschaft. Viele Jugendliche im Pubertätsalter wollen damit in eigene Welten abtauchen, die Realität vergessen lassen und innerlich mit der Heldenfigur beinahe verschmelzen. Solche Romane tragen genau diesem Bedürfnis Rechnung. Dazu kommt, dass auch die Namen fantasievoll sein müssen. In Bettina Bellmonts Roman heisst die Heldin Eilynn, der ihr Freund Mitch zur Seite steht, wenn es brenzlig wird. Gegenspieler ist der Böse Herr der Schwarzen Vögel. Ihr Bruder heisst dagegen recht gewöhnlich James, aber englisch muss es denn schon sein!

Und die eigentliche Geschichte
Eine Lesung soll ja Lust auf das Lesen eines Buches machen. Darum darf da auch nicht allzu viel verraten werden. Bücher sollen schliesslich gekauft werden, da wäre es dumm, gleich alles auszuplaudern. Bettina Bellmont machte das an ihrer Lesung sehr geschickt. Erst legte sie einen unheimlichen Stimmungsteppich mit dem ersten Auftritt der Heldin und ihrer Begleitung. Und nicht lange danach ist doch schon der unheimliche Böse zugegen, will den Menschen, allen voran Eilynns Freund Mitch, alle Kraft und – vor allem! – die Seele rauben. Da werden Namen ausgelost, die geopfert werden sollen.

Alle 5 Jahre müssen nämlich 111 Menschen dem Bösen Herrn und seinen Schwarzen Vögeln geopfert werden. Und natürlich wird da auch Eilynn ausgelost. Nur Mitch, ihr Freund, kann sie da noch retten, wenn überhaupt… Und dann wird es gruselig. Ein Blitz spaltet einen Schädel, der Böse Herr zerrt an einem Herzen, der Herr der Dunkelheit will Mitch’s Namen wissen. Doch wie heisst nochmal die Losung? „Verrate niemals deinen Namen!!“ Eilynn und Mitch können fliehen, um gleich in der nächsten Katastrophe zu landen. Sie geraten in einen Stollen, moderig und unheimlich, und verlaufen sich darin total…

Bettina Bellmonts Rezept zur Spannungserhöhung
Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Die Frage lautet stets: Wer kann in dieser Szene am besten davon berichten? Nicht der Held soll seine Heldentaten ins beste Licht rücken, nein, das macht jemand anderer, aber jemand, der nahe am Geschehen ist. So bekommen die Personen ein Eigenleben. Ganz wichtig ist es für die handelnden Personen, dass sie niemals, - aber wirklich niemals! – ihren persönlichen Namen preisgeben. Die Geschichte schlägt quasi Haken, kommt hierhin und dorthin und lässt die Leserin, den Leser gerne im Ungewissen über das, was als Nächstes ansteht. Es gibt zudem eine alleswissende Instanz, die als Ehrwürdige Alte pro Person genau 1 Frage beantwortet.

Die Autorin verriet schmunzelnd, dass sie kaum gewusst habe, wie sie die Geschichte zu Ende führen solle. Wer erfahren möchte, wie sie das dennoch getan hat, ist gut beraten, das Buch zu lesen.

Zur Autorin persönlich
Bettina Bellmont ist gerade mal zwanzig Jahre alt, studiert an der Uni Zürich Germanistik und daneben Japanologie. Ihre Leselust brachte sie schon früh mit vielen Figuren aus der sagenhaften Welt der Fantasy-Romane in Kontakt. Doch bald wollte sie mehr, ihre eigene Fantasie ausleben, eigene Geschichten erfinden. Ihr war klar, dass ihre Geschichten auch eine Leserschaft finden sollten. Träume lieferten da manchmal eine Szene. Ihr war vor allem wichtig, die Leserschaft immer mal wieder auf eine falsche Fährte zu führen und danach mit einer neuen Wendung der Geschichte zu verblüffen.
An der Geschichte schrieb die Autorin drei lange Jahre, von 14 bis 17 Jahren. In drei Jahren verändern sich die An- und Einsichten einer Person ziemlich, besonders in diesem jugendlichen Alter. Auf die sich selbst gestellte Frage zu einer Fortsetzung verneinte Bettina Bellmont entschieden. Sie wolle Neues in Angriff nehmen.
Als Matura-Arbeit schrieb sie übrigens auch ein Buch – ist ja klar, bei einer derartigen Fabulier- und Erzählfreude!

Auf ihrer gediegen und bewusst antik gestalteten Homepage erfährt man mehr zur Autorin. Ein Blick auf diese Seite lohnt sich für alle, die gerne mehr wissen möchten.
Bettina Bellmont

Nächster Termin in der Bibliothek:
In der Bibliothek Uzwil treten am Donnerstag, 24. März 2011, die „Wiler Poeten“ auf. Sie werden Texte, Gedichte mit Musik verbunden zu Gehör bringen.
Uzwil - und hier unter KULTUR "Gemeindebibliothek" wählen.


Dann wäre da noch der nächste Auftritt - siehe Kasten.
Dann wäre da noch der nächste Auftritt - siehe Kasten.

Und so sieht das Werk optisch aus...
Und so sieht das Werk optisch aus...