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Niederuzwil: 27.01.2012
Humorvoll gab Prof. Schär sein umfassendes Wissen über den Hl. Gallus preis.
Humorvoll gab Prof. Schär sein umfassendes Wissen über den Hl. Gallus preis.

Der kath. Pfarrer Georg Schmucki und der Referent verstehen sich gut.
Der kath. Pfarrer Georg Schmucki und der Referent verstehen sich gut.

Marc Ditthardt, Pfarrer der ev. Kirchgemeinde begrüsste die zahlreichen Gäste.
Marc Ditthardt, Pfarrer der ev. Kirchgemeinde begrüsste die zahlreichen Gäste.

Als Pfarrer der ev. Methodistenkirche dankte Simon Zürcher dem Professor für seine interessanten Ausführungen.
Als Pfarrer der ev. Methodistenkirche dankte Simon Zürcher dem Professor für seine interessanten Ausführungen.

Der Heilige Gallus - ein grosser Beter
Grosses Interesse zeigten die Gäste in Niederuzwil am Vortrag über denHeiligen Gallus von Prof. Max Schär.
Vroni Krucker
Im Rahmen der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen gab der Historiker und profunde Galluskenner Prof. Dr. Max Schär in lockerer und verständliche Art Erklärungen über Herkunft und Leben des St. Galler Stadt- und Kantonsheiligen Gallus. Im letzten Jahr erschien sein Buch „Gallus, der Heilige seiner Zeit“.

Marc Ditthardt, Pfarrer der ev. Kirchgemeinde begrüsste die Gäste und meinte humorvoll, dass ihnen der Referent - in Anlehnung an die Legende von Gallus und dem Bär - keinen Bären aufbinden werde.

Die unterschiedlichen Auffassungen über die Herkunft des Hl. Gallus werden weiterhin ein Diskussionsthema bleiben. Prof. Dr. Max Schär verstand es, anhand von Fakten aufzuzeigen, dass Gallus nicht aus Irland kam. „ Zum Beispiel hat er alemannisch gesprochen, was er nicht im Kloster von Luxeuil gelernt haben kann, weil dort nur gebetet und geschwiegen worden ist“, erklärte der Referent. „Woher er auch immer gekommen ist, er war ein Imigrant“ betonte er.

Kein Wandermönch
„Gallus war mit Sicherheit kein Wandermönch, sondern ein Vagabund, der durch die Welt gewandert ist und gebettelt hat“, wusste er. Er habe einen intensiven und langen Weg zurückgelegt vom Kloster Luxeuil zur „Goldküste“ am Zürichsee und nach Tuggen, Arbon und Bregenz. Gallus und Kolumban hätten dort Statuen, Bilder und Altäre von einheimischen Göttern zerstört, um zu zeigen, dass diese keine Macht auf die Menschen ausüben können.

Kein Missionar – aber ein grosser Beter
Im Raum des heutigen Thurgau und St. Gallen sei das Christentum zu jener Zeit bereits gelebt worden. Die beiden Mönche hätten es also nicht hingebracht, durch ihr Leben und Vorbild aber vertieft. „Gallus war vor allem ein grosser Beter – pro Tag hat er 80 Psalmen gebetet “ wusste Prof. Schär. Zudem habe er als Heiler gewirkt und visionäre Fähigkeiten besessen, so zum Beispiel den Tod von Kolumban vorausgesehen.

Kein Einsiedler
Während etwa 30 Jahren habe Gallus äusserst asketisch im Wald gelebt, kaum Nahrung zu sich genommen und wenig geschlafen. Sogar sein rauhes Gewand auf dem Körper habe geschmerzt. Seine Aussage: „Nicht die Erde ist unsere Heimat, sondern der Himmel“. Dies hätte allerdings zu einer totalen Abwertung alles Irdischen geführt. Im Wald sei der Heilige nicht einsam gewesen, sondern immer von Gefährten umgeben, habe eine Gemeinschaft aufgebaut, die langsam gewachsen sei. „Schär: „Er lebte in einem sozialen Netz, wollte aber kein Abt sein, eher ein geistiger Vater“. Auch Gefährten ausserhalb der Gemeinschaft hätten ihn unterstützt, zum Beispiel der Bischof von Konstanz oder Graf Talto.

Starke Persönlichkeit
„Gallus muss eine ausserordentlich starke Persönlichkeit gewesen sein, was sich anhand verschiedener Überlieferungen zeigt“, betonte der Referent. Er wollte sich Kolumban nicht mehr unterordnen, was zur Trennung führte. Der innere, heftige Kampf um diese Entscheidung habe letztlich zum oft zitierten hohen Fieber geführt. Das Gleichnis mit dem Bären soll die Kraft und Macht über die damals gefürchtete Natur zeigen und Gallus‘ Willen, sein Leben mit dem Bären zu teilen. „Der Bär ist ein Urbild von Kraft und Respekt gewesen und deshalb auch zum Wappenbild geworden“, erklärte der Wissenschafter und meinte: „Gallus – übersetzt „der Hahn“ – ist wahrscheinlich ein Übername des notorischen Frühaufstehers, wie sie in der damaligen Zeit üblich waren“.

Interessante Fragen aus dem Publikum zeigten, wie intensiv sich viele Menschen mit dem Heiligen Gallus beschäftigen. Pfarrer Simon Zürcher von der Methodistenkirche dankte dem Referent für seine informativen und kurzweiligen Ausführungen.

Gallus und  der Bär  - die Bilder begegnen an vielen Orten.
Gallus und der Bär - die Bilder begegnen an vielen Orten.

Im Stiftsbezirk steht auch die Galluskapelle. Dort findet man einen wunderschönen, exklusiven Zyklus über das Leben und Wirken des Hl. Gallus.
Im Stiftsbezirk steht auch die Galluskapelle. Dort findet man einen wunderschönen, exklusiven Zyklus über das Leben und Wirken des Hl. Gallus.

Die Kathedrale St. Gallen ist sicher die bekannteste Galluskirche im Bistum.
Die Kathedrale St. Gallen ist sicher die bekannteste Galluskirche im Bistum.

Aber auch viele Dorfkirchen sind dem Kantonsheiligen geweiht, so zum Beispiel die kath. Kirche Oberuzwil.
Aber auch viele Dorfkirchen sind dem Kantonsheiligen geweiht, so zum Beispiel die kath. Kirche Oberuzwil.