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Wil: 25.11.2012
Dritt- und Viertklässler-Kantischüler aus den Kantonen St.Gallen und Appenzell, darunter auch aus der Kanti Wil, erhielten Anerkennungspreise für ihre wirkungsvollen Latein-Deutsch-Übersetzungen.
Dritt- und Viertklässler-Kantischüler aus den Kantonen St.Gallen und Appenzell, darunter auch aus der Kanti Wil, erhielten Anerkennungspreise für ihre wirkungsvollen Latein-Deutsch-Übersetzungen.

Latein ist noch längst nicht ausgestorben
Die lateinische Sprache war zu Frühzeiten die grösste Weltsprache, zieht aber wieder vermehrt junge Leute für ihr Studium an.
Niklaus Jung
Die vierte Wettbewerbsprämierung des „Certamen transolatorium Sangallense“, der besten Latein-Deutschübersetzung der Dritt- und Viertkantiklassen aus den Kantonen St.Gallen und Appenzell, sorgte am Samstagmittag an der Kanti Wil für eine besondere Betonung der Bedeutung des Lateins als geisteswissenschaftliches Studium. Den Organisatoren von „IXber St.Gallen“ (Lateinischer Kulturmonat) und der Kanti Wil gelang es, den Latein-Experten, Professor Ulrich Eigler von der Uni Zürich für ein Referat zu gewinnen.

Ein Musikensemble der Kanti Wil unter Leitung des Musiklehrers Philipp Ellenberger eröffnete die festlich organisierte Preisverleihung. Die Präsidentin von IXber, Regula Steinhauser, hatte sich für eine ansprechende Ehrung der PreisträgerInnen gleich als Fortuna verkleidet. In ihrer Begrüssung wies die Wiler Rektorin Doris Dietler Schuppli auf die Besonderheit der Kanti Wil hin, mit 20 Prozent Studierenden aus dem Kanton Thurgau. Sie gab sich erfreut über die Ehre, die vierte Preisverleihung in Wil durchführen zu können. Wohl gegen 100 Personen, Lateinklassen aus den Kantonen St.Gallen und Appenzell und deren Angehörigen, fanden sich in der Aula zur Preisverleihung ein.

Latein bleibt Obligatorium an der Uni Zürich
Der Referent, Professor Ulrich Eigler von der Uni Zürich, beurteilt alljährlich die Lateinarbeiten der Studierenden an der Kanti Wil. Mit einem Exordium in lateinischer Sprache eröffnete er sein Referat. Eigler nannte die Lateinsprache rethorikwirksam. Ohne es zu wissen, werde in wohl jedem Deutschaufsatz die Latein-Rethorik angewendet. Die lateinsiche Sprach schaffe Leben, was die Arbeiten auch belegten.

Ulrich Eigler wies auf die wichtigen Elemente der Kultur hin, welche sich im Latein manifestierten. Latein lasse sich auch in Begriffen der Weltkultur finden, was der weltweiten Achtung entspreche. Eigler gab sich weiter erfreut über den kürzlichen Entscheid der Uni Zürich, gegen den Trend am Obligatorium des Lateins festzuhalten. Erstaunlich sei die Tatsache, dass die Studierenden selber darauf eingewirkt hätten. Latein sei allgemein eine wichtige Erleichterung, in anderen Fächern wie Geschichte oder Archäologie vorwärts zu kommen. Abschliessend relativierte Eigler dahin, dass ohne Latein niemand Schaden nehme, aber der Nutzen fehle.

Wettbewerbstext, ein lateinisches Fasnachtsspiel aus dem Kloster St.Gallen (1763)
Der Rhetoriklehrer Pater Marcellus Weber verfasste den Text damals für eine Aufführung der Klosterschüler. Seitens der Jury beschrieb Peter Stolz von der Uni Zürich das Stück als Streitgespräch dreier „Advokaten“, welche sich um den Wert von Wein, Wasser und Most stritten. Im Tralogus, nach Stolz einem Unwort für ein Gespräch dreier Personen, finde sich mehr Rhetorik als Dramatik. Als Sieger sei dann dank Nachgeben der beiden anderen Gesprächsgegner der Most hervorgegangen.

Helena Müller, das zweite Jury-Mitglied der Uni Zürich, wies auf die Schwierigkeit hin, den Latein-Text verständlich zu machen und in ein gutes Deutsch zu übersetzen. Gerade für die Ernennung der Hauptpreisträger hätten sie auf eine freundlich klingende Übersetzung geachtet. Wichtig sei auch gewesen, dass der Text auch richtig verstanden wurde.

„Fortuna“ verteilt die Anerkennungs- und Hauptpreise
Aus den 15 beteiligten Dritt- und Viertklassen aus den Kantonen St.Gallen und Appenzell konnten rund 30 Studierende mit einem Anerkennungspreis geehrt werden. Je drei Sieger aus der Dritt- und Viertklassen erhielten ein besonderes Geschenk, ein Kelchglas mit verdicktem Stil, ursprünglich in Venedig in der Zeit des 18. Jahrhunderts gegossen, exakt in der Zeit wo der Text des Wettbewerbs entstand. (Sieger siehe Kästli)

Ein Jedes der drei Sieger erhielt seitens Peter Stolz und Helena Müller eine Kurzlaudatio im Beschrieb der gelungenen Übersetzung. Die besten Arbeiten hätten sich in einem facettenreichen Deutsch ausgezeichnet. Zumeist sei man beim Lesen der Übersetzung nicht laufend auf die Herkunft der Sprache erinnert worden.

Ein Gesangsquartett schloss die Preisverleihung ab unter musikalischer Begleitung von Violine und Cello. Beim nachfolgenden Apero konnten die Geehrten gefeiert werden.

Die Besten der Dritt- und Viertklassen
Noch reichte es den Lateinklassen der Kanti Wil nicht, sich unter die Besten zu mischen. Nach Clemens Müller von der Kanti Burgraben ist es eine Überraschung, wie sich die Vorherrschaft der Kanti Sargans in diesem Jahr bemerkbar macht.

Drittklasssieger:
1. Nadine Roth, Kanti Sargans
2. Dominik Hemmi, Kanti Sargans
3. Alexandra Mojon, Kanti Burggraben St.Gallen

Viertklasssieger:
1. Hannes Koller, Kanti Trogen
2. Letizia Schlegel, Kanti Sargans
3. Raphael Bucheli, Kanti Burggraben St.Gallen

Der Wettbewerbstext und die beste Übersetzung sind ab Sonntag, 25.11., auf www.ixber.ch aufgeschaltet.

Doris Dietler Schuppli, Rektorin an der Kanti Wil, gab sich erfreut über die Wahl von Wil als Ort der 4. Preisverleihung.
Doris Dietler Schuppli, Rektorin an der Kanti Wil, gab sich erfreut über die Wahl von Wil als Ort der 4. Preisverleihung.

Ein Musikensemble der Kanti Wil unter Leitung von Musiklehrer Philipp Ellenberger spielte zum Auftakt der Preisverleihung auf.
Ein Musikensemble der Kanti Wil unter Leitung von Musiklehrer Philipp Ellenberger spielte zum Auftakt der Preisverleihung auf.

Sie moderierten die Preisverleihung: Fortuna Regula Steinhauser, Präsidentin des "IXber" (Lateinischer Kulturmonat) und Clemens Müller von der Kantonsschule St.Gallen.
Sie moderierten die Preisverleihung: Fortuna Regula Steinhauser, Präsidentin des "IXber" (Lateinischer Kulturmonat) und Clemens Müller von der Kantonsschule St.Gallen.

Mit dem Referat des Zürcher Uni-Professors Ulrich Eigler erhielt der Anlass eine besondere Note.
Mit dem Referat des Zürcher Uni-Professors Ulrich Eigler erhielt der Anlass eine besondere Note.

Fortuna Reglua Steinhauser ehrte die je besten Drei der 3. und 4. Klassen mit einem Kelchglas, einer Besonderheit aus dem 18. Jahrhundert.
Fortuna Reglua Steinhauser ehrte die je besten Drei der 3. und 4. Klassen mit einem Kelchglas, einer Besonderheit aus dem 18. Jahrhundert.

Peter Stolz von der Uni-Zürich informierte als Jury-Mitglied über die Beurteilungskriterien.
Peter Stolz von der Uni-Zürich informierte als Jury-Mitglied über die Beurteilungskriterien.

Zweites Jurymitglied, Helena Müller von der Uni Zürich beschrieb die Herkunft und die unterhaltsame Sinn- und Unsinngebung des Wettbewerbstextes.
Zweites Jurymitglied, Helena Müller von der Uni Zürich beschrieb die Herkunft und die unterhaltsame Sinn- und Unsinngebung des Wettbewerbstextes.

Fortuna überreicht jedem Kanti-Schüler die Anerkennung persönlich.
Fortuna überreicht jedem Kanti-Schüler die Anerkennung persönlich.

Mit dem Gesangsquartett, begleitet von Violine und Cello, endete die Preisverleihung.
Mit dem Gesangsquartett, begleitet von Violine und Cello, endete die Preisverleihung.