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Wil: 08.12.2012
Die Wiler Schulen befassen sich mit neuen Medien
Die neuen Medien wissen zumeist mehr über die Kinder als deren Eltern.
Nina Brauchli
Im September dieses Jahres hat der Schulrat Wil ein Konzept zum Thema Medienkompetenz verabschiedet. Zentral war die Frage danach, was die Schule zusammen mit den Eltern im Umgang mit modernen Medien (Internet, Handy, Facebook…) alles können muss und anbieten soll. Da Kinder mit diesen neuen Medien aufwachsen, soll auch ein verantwortungsvoller Umgang damit erlernt werden, um deren Möglichkeiten auszukosten, denn neue Medien bergen nicht nur Gefahren, sondern auch Chancen. Dazu wurde am Wochenende vom 7. und 8. Dezember die Fachtagung „Medienkompetenz“ durchgeführt.

Am Freitag und Samstag, 7. und 8. Dezember 2012, führten die Schulen der Stadt Wil die Fachtagung zum Thema «Medienkompetenz» durch. An dieser Fachtagung waren nebst den Lehrpersonen, der Schulleitungen, den Behörden und den Schulsozialarbeitenden der Stadt Wil auch die Eltern herzlich eingeladen. Der Einbezug der Eltern in den Lernprozess bezüglich Medienkompetenz spielt deshalb eine wichtige Rolle, da deren Generation zum Teil nicht mit neuen Medien aufgewachsen ist, sondern diese erst im Laufe ihres Lebens kennenlernten. So soll auch den Eltern mit Rat und Tat zur Seite gestanden werden, wenn das Thema Internet, Handy oder das anderer neuer Medien bei den Kinder auftaucht.

Facebook weiss mehr als die Eltern der Kinder
Auftakt der Fachtagung am Freitagabend, 7. Dezember 2012 bildete die Begrüssung durch Schulpräsidentin Marlies Angehrn. Nach einer kurzen Einführung ins Thema wandte auch der Projektleiter Riccardo Rizza, Leiter Pädagogik Departement Bildung und Sport, sein Wort an die Teilnehmer und begrüsste dann den Gastreferenten Uwe Buermann, Mitarbeiter beim IPSUM-Institut für Pädagogik, Sinnes – und Medienökologie aus Stuttgart.

Unter einem scheinbar unendlich langen Titel fasste Uwe Buermann seine Gedanken zusammmen: „Längst wissen Firmen wie Google wesentlich mehr über unsere Kinder als wir Eltern und Lehrer, selbst wenn wir das «Glück» haben in der Freundesliste «geaddet» zu sein. Das soll nicht heißen, dass Facebook oder das Internet schlecht sind, nein! Aber was braucht es, damit man es gut und sinnvoll nutzen kann? Wissen wir, was wir beachten müssen? Wirklich? Und können wir es unseren Kindern vermitteln und, wenn ja, ab wann?". Diesen und anderen Fragen geht Uwe Buermann in seinen Vorträgen und in beratender Funktion zusammen mit Schulen und Eltern ganz lebenspraktisch nach.

Mediencoaches an den Schulen
Uwe Buermann, Autor zahlreicher Bücher zum Thema Medienkompetenz, hielt ein spannendes, abwechslungsreiches Referat mit vielen Bezügen zum aktuellen Geschehen und zum Alltag. Ziel dieser Fachtagung war, geeignete Personen zu finden, welche die Rolle eines sogenannten Mediencoaches übernehmen.

Ein Mediencoach soll sich mit echtem Interesse und Begeisterung mit Medien beschäftigen und als Ansprechperson für das Lehrerkollegium, Eltern und auch Schüler zur Verfügung stehen. Wichtig dabei ist laut dem Experten Buermann, dass für jedes Problem mit neuen Medien eine individuelle Lösung gesucht werden soll und das Thema auf den verschiedenen Alterstufen und Schulklassen anders angegangen werden muss. Immer wieder betonte er, dass es wichtig sei, dass die Mediencoaches sich nicht zu dieser Aufgabe gezwungen fühlen sollten, sondern diesen zusätzlichen Job mit Freude und Engagement machen sollten.

Praxisbeispiele am Samstag
Das Ziel war also gesteckt: Es sollen Mediencoaches für die Schulen in Will gefunden werden, die sich in der Rolle wohlfühlen und nicht dazu gezwungen werden. Zudem spielt auch das Thema handyfreie Schule eine Rolle. Mit verschiedenen Vorträgen, Praxisbeispielen und einem Ausblick, wie der Prozess zum Aufbau dieses Programms weitergehen soll gingen diese zwei Tage über die Bühne.

Der Grundstein für den Einbezug von Medienkompetenz in den Schulen ist gelegt. Das ist bestimmt ein wichtiger und sinnvoller Schritt in eine Zukunft, in der Medien vielleicht eine immer grössere Rolle spielen – sowohl als hilfreiche, unterstützende Geräte, als auch als Gefahrenquelle für nicht medienkompetente Kinder, Jungendliche oder auch Erwachsene.
Die neuen Medien bergen keineswegs nur Gefahren, darin sind auch viele Chancen zu haben.
Die neuen Medien bergen keineswegs nur Gefahren, darin sind auch viele Chancen zu haben.

Uwe Buermann, Mitarbeiter beim IPSUM-Institut für Pädagogik, Sinnes – und Medienökologie aus Stuttgart: "Längst wissen Google und Facebook viel mehr über unsere Kinder als wir Eltern".
Uwe Buermann, Mitarbeiter beim IPSUM-Institut für Pädagogik, Sinnes – und Medienökologie aus Stuttgart: "Längst wissen Google und Facebook viel mehr über unsere Kinder als wir Eltern".