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"Wir wollen als Teil der Gesellschaft behandelt werden"
Die Information verdeutlichte, dass das Gebetszentrum einem Bedürfnis entspricht, die islamische Gruppierung aber hinsichtlich Respekt gegenüber christlichen Kulturen und dem Schweizer Rechtsverständnis gefordert ist.
Niklaus Jung
Die überraschend ruhig und sachlich verlaufene Information zum Bau eines islamischen Zentrums in Wil im Saal der Psych. Klinik Wil vom Mittwoch Abend zeigte auf, dass es zwar prüfenswerte Hinweise zum Bau gibt. Die medial stark geführte Kritik der Anwohner blieb eher ruhig. Kritische Vorbehalte kamen seitens der SVP, während FDP, SP und CVP ihrer Hoffnung Ausdruck gaben, eine Lösung für alle zu finden. Die Wiler Seelsorger forderten Respekt für ein islamisches Zentrum. Hisham Maizar, Präsident des islamischen Dachverbandes Ostschweiz:"Wir wollen als Teil der Gesellschaft behandelt werden".
Seit 2001 besteht in Wil ein Islamisches Begegnungszentrum in einem früheren Industriegebäude an der Titlistrasse, derzeit geführt von Imam Bekim Alimi. Seit 2007 wurde an der Realisierung eines Begegnungszentrums gearbeitet. Das nun eingabenreife Begegnungszentrum an der Rosenstrasse, in der Industriezone liegend, wird seitens der Anwohner und weiteren Personen, so auch aus der SVP bekämpft. Derzeit sind 300 Einsprachen hängig. Unter der Moderation von Journalist Hanspeter Spörri wurden die Beweggründe und Kritikpunkte auf dem breit angelegten Podium besprochen, wo sich neben den Vertretern seitens des Islamischen Zentrums auch die politischen und kirchlichen Vertreter der Stadt äussern konnten.
Als Fortsetzung aktiver und transparenter Aktivität in Wil In seiner Einführung machte Bauprojektleiter und Präsident des Islamischen Dachverbandeses, Hisham Maizar, deutlich, dass der Bau eines neuen Begegnungszentrums die logische Fortsetzung darstelle aus der bisher aktiv und transparenten Tätigkeit in Wil. Über das seit 2007 initiierte Projekt sei immer transparent informiert worden. Sie hätten im Vorfeld auch mit den Stadtbehörden über die Realisierung einer Gebetsstätte Kontakt aufgenommen. Vorgängig der Baueingabe hätten sie auch mit den Nachbarn eine Information organisiert.
In der Folge stellte der Architekt Ing S. Abdullahi das Projekt vor. Im Untergeschoss ist eine Tiefgarage mit 35 Parkplätzen geplant mit Zufahrt über die Rosenstrasse. Aussen seien nochmals 50 Parkplätze vorgesehen. Im Erd- und Obergeschoss wird je ein Saal und Gebetsraum eingerichtet. Im Obergeschoss ist auch eine Abwartwohnung vorgesehen. Im 2. Geschoss sind Aufenthalt und Kinterhort, im 3. Geschoss ist Platz für Zuschauer bei Anlässen. Ing S. Abdullahi wies darauf hin, dass Nachbarn, Parteien und Kirchen über das Projekt informiert wurden. Das Bauprojekt sei vor der Baueingabe auch durch sieben Amtsstellen vorgeprüft worden.
SVP hat Einwände gegen das Projekt In einer ausgedehnten Stellungnahme wies Mario Schmitt von der SVP zuerst darauf hin, dass die Partei nicht gemeinsame Sache mache mit den Einsprechern, was in den Medien falsch aufgenommen worden sei. Auch sei ihre Interpellation im Parlament keineswegs Wahlpropaganda, wie dies die SP sehe. Grundsätzlich stehe die SVP voll hinter dem Projekt des Zentrums, habe aber drei Mängel festgestellt, welche eine Bewilligung nicht zulassen dürfen.
Es widerspreche der Gleichbehandlung der Geschlechter, wenn geschlechtergetrennte Gebetsräume eingerichtet werden. Die flüssige Verkehrsführung sei bei Grossanlässen nicht gewährleistet. Nach ihren Berechnungen fehlten mindestens 70 Parkplätze, wenn man von 500 Besuchern ausgehe. In dieser Sache sei der Stadtrat gefordert, die Bauvorschriften wie andernorts anzuwenden.
Islam ist nicht frauenfeindlch Schmitt gab weiter zu verstehen, dass nicht der Bau der Moschee das Problem darstelle, sondern die teils grosse Intoleranz und Demokratiefeindlichkeit beim Islam. Das Rechtsverständnis im Islam widerspreche unserem Rechtsverständnis in verschiedener Hinsicht.
Diesen Vorwürfen widersprach Maizar im Verlauf der Diskussion, dass der Islam überhaupt nicht frauenfeindlch sei. Auf der Reise nach Mekka gehen Frau und Mann Hand in Hand auf dem Weg. Die Frauentrennung in Gebetsräumen sei in einer Epoche entstanden, wo Frauen besonderen Schutzes bedurften. Auch dürfe der Islam nicht als Feindbild gesehen werden, besser wäre sich mit den Ängsten auseinander setzen. Der Islam habe überdies vieles mit den christlichen Religionen gemeinsam.
Streitpunkt Verkehrsführung Zur Kritik über die Verkehrsführung machte der zuständige Stadtrat Markus Zunzer deutlich, dass die Baute in der Gewerbe- und Industriezone zu stehen komme und gewisse Emissionen zu akzeptieren seien. Ohne der Baueingabe vorgreifen zu wollen, müssen beim Parkreglement auch weitere Normen beachtet werden. Das Verkehrsproblem ernst zu nehmen, forderte Patrick Bernold von der CVP, um zu sinnvollen Lösungen zu kommen, was auch Dario Sulzer von der SP ansprach. Jigme Shitsetsang von der FDP sieht sich nicht überrascht von den Einsprachen, es sei legitimes Recht. Es sei aber auch das Recht der Bauherrschaft, die geltenden Vorschriften auszunutzen.
Einer der Einsprecher, bekanntlich stehen über 300 Einsprachen an, wies auf eine buchstäbliche Zumauerung mit Autos, wenn das Projekt komme. Schon heute seien sie bei Sportanlässen vom Bergholz genügend belastet. Dieser Situation widersprach ein anderer Bewohner des Quartiers. Gerade die Einrichtung der 30er Zone habe eine grosse Aufwertung gebracht. Die Anzahl möglicher Besucher des Zentrums wurde dann auch relativiert. Im Normalfall seien es 20 bis 40 Personen, bei grösseren Anlässen könne von 200 bis 300 Personen ausgegangen werden. Nach Zunzer ist auch die Allmend als möglicher Ausweichparkplatz für Autos ein Thema. Zur Minderung beim Verkehr kann nach Maizar auch beim Islam mit dem gesunden Menschenverstand gerechnet werden.
Hoffnung auf Achtung gegenüber dem Islamischen Zentrum Seitens der christlichen Religionsgemeinschaften mit den Pfarrherren Roman Giger und Christoph wurde auf die schon heute guten Kontakte mit der Islamgruppierung hingewiesen. Bezüglich Geschlechtertrennung wies Giger auf die auch in christlichen Kreisen einstmals notwendige Geduld hin. Für ein gutes Gelingen sei das Miteinander der einzig erfolgreich Weg. Christoph Casty zitierte aus dem damaligen Bau der ersten Evangelischen Kirche in Wil, wo man die Hoffnung auf gegenseitige Achtung zwischen Katholiken und Evangelischen setzte. Es sei zu hoffen, dass dieser Hinweis auch für das Islamische Zentrum einmal gelten könne.
Schweizer Rechtsstaat nicht in Frage gestellt Zur Kritik der Zulassung von Sharia-Gerichten seitens Mario Schmitt von der SVP gab Bernold von der CVP zu verstehen, dass Art. 8 der Bundesverfassung eine klare Formulierung wiedergebe, was in unserem Land gelte. Auch Dario Sulzer (SP) wies auf die Institution Rechtsstaat hin, der solche Entwicklungen gar nicht zulasse. Frauenrecht sei sicher wichtiges Anliegen, aber im Projekt ein Nebenschauplatz. Sulzer forderte weiter, dass es der Stadt Wil gut anstehe, zum Bau des Zentrums ein positives Bild nach aussen zu senden.
Jigme Shitsetsang (FDP) wies auf seinen eigenen Migrationshintergrund hin als Tibeter. Die Realisierung eines Gebetsraumes sei auch Bestandteil der Wahrnehmung der Religionsgemeinschaft. Christoph Casty sieht im Zentrum auch eine Hilfe für die Integration. Besser als den Islam schlecht zu machen, wäre dessen Respektierung. Roman Giger zitierte dazu Hans Küng: "Es gibt keinen Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen". Die Vision müsse sein, nicht die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten zu betonen. Im abschliessenden Votum forderte der Wiler Imam Bekim Alimi, ihnen mit dem Zentrumsbau ein würdiges Beten zu ermöglichen.
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