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Oberuzwil: 10.04.2014






















Genähte Poesie
Ausstellung der Textilkünstlerin Yvonne Berther in der Galerie Fafou in Oberuzwil
Annelies Seelhofer-Brunner
Unter dem Schlagwort „Stichhaltig – textil begeistert“ stellt die Künstlerin Yvonne Berther Kunstwerke aus Stoff aus einem Zeitraum von ungefähr zehn Jahren aus. Es sind ganz unterschiedliche Werke, verschieden in der Art der Gestaltung, der Farbgebung und der Dimension. Alle erzählen dem betrachtenden Auge eine ganz persönliche Geschichte.

Nähbegeisterung in den Genen
Yvonne Berther hat schon im Elternhaus auf der Nähmaschine experimentiert und sich bereits als junges Mädchen die eigene Garderobe genäht. Angeleitet von ihrer nähkundigen Mutter wuchs die Begeisterung für den Umgang mit Stoffen stetig. So lernte sie auch schon früh exaktes Nähen, eine wichtige Voraussetzung für das Schaffen von Werken aus Stoff.

Amerika
1988 zog die junge Yvonne Berther mit ihrem Mann für zwei Jahre nach Amerika. Es ging nicht lange, bis sie einschlägige Geschäfte für Quilt-Arbeiten gefunden hatte und selber loslegte. Wie sie an der Vernissage erzählte, sei eine der ersten Anschaffungen eine – wen wundert’s? – Nähmaschine gewesen.

Sie liebte alles: das Nähen, das exakte Arbeiten, die geometrischen Muster, die enorme Vielfalt der Stoffe und das Quilten von Hand. Bücher, Zeitungen und natürlich das Fernsehen halfen beim Entwerfen von ersten Quilts.

Erst Hobby, dann Berufung
Yvonne Berther arbeitete viele Jahre als Kindergärtnerin. Ihr Mann unterstützte sie in ihrem Nähhobby aber immer und ermunterte sie auch zu dieser Ausstellung in den Räumen der Galerie Fafou, die sie beim Stöbern im Internet entdeckt hatten. Vor zwei Jahren gab Yvonne Berther ihren Beruf auf und widmet sich seither ganz ihrer künstlerischen Leidenschaft. Sie bildet sich ständig weiter, probiert aus, geht neue Wege und ist immer wieder von Neuem beglückt über die vielfältigen Möglichkeiten, die ein simples Stück Stoff, passende Farben und eine geschickte Hand bieten.

Ganz unterschiedliche Werke
Wer durch die beiden Räume der Ausstellung geht, bleibt immer mal wieder vor einem Werk etwas länger stehen, schaut, geht einen Schritt zurück – und staunt über die Intensität der Farben, die scheinbare Bewegung in manchen Werken und die kleinen, feinen Details. Um dann wirklich alles zu sehen, muss man wieder nähertreten. Hier entdeckt man auch die genaue, äusserst präzise Nadelführung, welche die wahre Könnerin auszeichnet.

Die Ausstellungsstücke stecken voller Überraschungen. Manche Bilder könnten auf den ersten Blick auch Aquarelle mit feiner Pinselführung sein. Erst der zweite Blick auf die Struktur des Bildes offenbart das Material. Gerne möchte man einen heimlichen Blick in den Stofffundus der Künstlerin werfen, dazu all die Fäden und Bänder anschauen und sich vorstellen, welche künftigen Kunstwerke wohl damit geschaffen werden könnten.

Interessante Arbeitsweise
Im Gespräch verriet Yvonne Berther, dass sie auf neueren Bildern den Stoff selber eingefärbt und schichtenweise neu komponiert habe. Darum gibt es immer wieder neue Einzelheiten zu sehen, die genaues Hinschauen verlangen. Sind die älteren Werke noch sehr geometrisch, ganz nach der klassischen Quiltkunst gestaltet und genäht, gibt es auch Bilder mit ganz neuen Elementen, neuen Formen und einer spannenden Oberflächenstrukturierung durch Auswahl des Stoffes, verbunden mit einer Art gesteppter Malerei dank farblich angepasster Nähfäden.

Liebenswerte Geste für Andere
Yvonne Berther weiss, dass sie privilegiert ist, ihrem Hobby derart intensiv nachgehen zu können. Sie verkauft ihre Werke zu eher bescheidenen Preisen. Sie hat noch nie den Stundenlohn ausgerechnet, denn die Freude am Tun ist ihr viel wichtiger als eine kaufmännische Rechnung. Im Wissen um das grosse Glück, welches ihr erlaubt, ungestört ihrer künstlerischen Leidenschaft zu frönen, gibt sie einen Drittel des Erlöses an Menschen in Not weiter. Das macht die Bilder noch um eine Dimension wertvoller.

Passende Räume
Die Galerie Fafou lässt in ihren Räumen die unterschiedlichsten Kunstrichtungen zu „Wort“ kommen. Das Team ist experimentierfreudig und bereichert das kulturelle Leben im Dorf. Es lohnt sich, immer mal wieder vorbeizuschauen. Verschiedene aus dem Fafou-Team sind selber auch kreativ tätig, haben deshalb Zugang auch zu etwas ausgefalleneren Stilrichtungen. Genau dies macht den Charme dieser Galerie auch aus.
An der Vernissage zu dieser Ausstellung trug das Jazzduo „The Zolliker Brothers“ am gut besuchten Abend mit groovigem Jazz zur gelungenen Atmosphäre bei. Die zwei jungen Männer sind Neffen von Yvonne Berther.


Mehr dazu in den folgenden Links

Yvonne Berther

Galerie Fafou in Oberuzwil