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Niederuzwil: 17.11.2014
<br>Imposantes Gesamtbild

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<br>Blickfang Harfe

Blickfang Harfe

Eröffnung der Konzertzyklus-Saison 2014/2015 mit voradventlicher Chormusik
Konzert mit Fürstenlandchor Gossau und Kammerorchester Fürstenland
Annelies Seelhofer-Brunner
Der Fürstenland Chor Gossau mit seinem musikalischen Leiter Guido Helbling begeisterte mit seinem zweiteiligen Konzert in der katholischen Kirche Niederuzwil ein berührtes Publikum. Mit dem TE DEUM von Marc Antoine Charpentier und dem MAGNIFICAT des zeitgenössischen Komponisten John Rutter boten Chor, das Kammerorchester Fürstenland sowie die Solistin Elisabeth Germann und der Bariton Hanspeter Schär eine musikalische Feierstunde.

Fürstenlandchor
Auf einer interessanten und vielfältigen Homepage stellt sich der Chor umfassend vor. Um die sechzig Frauen und Männer singen in diesem Chor mit. Anfänglich ein reiner Frauen- und Töchterchor – gegründet 1885 laut Chronik – wurde dieser im Februar 1972 zu einem gemischten Chor erweitert. Unter dem Namen „Singkreis Gossau“ wurde bis ins Jahr 2000 vierstimmiges Chorliedergut gesungen. Aber auch grössere Chorwerke standen immer wieder auf dem Programm.

Dieses Jahr las der Dirigent zwei Werke aus, die sich wunderbar ergänzten, obwohl aus zwei ganz verschiedenen Epochen stammend. Der Chor bekommt immer wieder ausgezeichnete Bewertungen, wenn er an einem Wettbewerb teilnimmt. Auch das Uzwiler Publikum lauschte dem gepflegten, abwechslungsreichen Gesang mit offenen Ohren und warmem Herzen.

Dirigent Guido Helbling
Wenn der Chor auch als Projektchor angelegt ist, so singen doch viele Sängerinnen und Sänger seit Jahren im Chor mit, welcher seit 1982 von Guido Helbling geleitet wird. Der Chor hat – zum grössten Teil dank des ausgezeichneten musikalischen Leiters - den Ruf eines Chors mit ausgewogenem Chorklang, mit einem vielseitigen Repertoire und einer reichen Aufführungspraxis. Helbling dirigiert ruhig, aber dennoch bestimmt, immer in Augenkontakt mit Chor, Orchester und Solisten.

In Uzwil bekam der Chor durch die besondere Architektur der Kirche einen zusätzlichen seitlichen Rahmen. Der Chor stand so, dass alle jederzeit Blickkontakt mit dem Dirigenten hatten. Dafür war die Distanz der hintersten Sängerinnen und Sänger ziemlich gross. Doch das schien niemanden zu stören, der Chorklang blieb immer äusserst einheitlich. Es fiel auch auf, dass die Atemtechnik hervorragend eingespielt ist, hörte man doch während des ganzen Konzertes nie einen Schnapper oder ein Luftholgeräusch.

Solisten
Die Sopranistin Elisabeth Germann ist im Fürstenland keine Unbekannte, stammt sie doch aus Schwarzenbach und gibt immer wieder Konzerte in wechselnder Formation hier in der Gegend. Besonders bekannt ist das Kammertonquartett, welches mit seinem a-capella-Gesang weitherum begeistert. Elisabeth Germann ist aber nicht „nur“ Musikerin, sondern auch ausgebildete Physikerin. Beide Tätigkeitsfelder übt sie mit grossem Engagement aus. Ihr warmer, strahlender Sopran lädt zu meditativem Zuhören ein. Sie gab auch diesem Konzert ganz besonderen Glanz, fügte sich aber bei gewissen Teilthemen auch völlig bescheiden in den Chorklang ein.

Der Bariton Hanspeter Schär, selber Gründer und Leiter eines Kammerchors, ist ein vielseitiger Musiker, der vor allem die Chorszene sehr gut kennt. Im Programmheft des Konzerts wird er als Tenor ausgewiesen, im Konzert selber als Bariton aufgeführt. Er durfte das Konzert gleich nach dem Prélude eröffnen.

Marc-Antoine Charpentier (1643 – 1704)
Eigentlich wollte Charpentier ja Maler werden, reiste exakt deshalb nach Italien. Doch sein Weg führte ihn zur Musik, welche ihn im Umfeld des Sonnenkönigs grosse Entfaltungsmöglichkeiten bot. Wer das Eingangsthema zu Charpentiers TE DEUM hört, möchte sofort zum TV-Apparat eilen, fürchtet, eine wichtige Sendung zu verpassen. Dieses Thema wurde nämlich zur Eurovisionshymne schlechthin. Damit verbindet sich sein TE DEUM mit der heutigen Zeit.

TE DEUM von Marc-Antoine Charpentier
Das TE DEUM ist ein einziger Lobgesang auf Gott und die Heiligen. Die lateinische Sprache – früher Kirchensprache schlechthin, aber nach der Reformation bereits nicht mehr überall üblich – eignet sich für diese Art Anbetung ganz besonders. Das Werk ist in zehn szenenartige Teile gegliedert, mit sehr viel Abwechslung in der Gestaltung. Nach dem Präludium beginnt gleich das Baritonsolo mit dem Lob Gottes. „Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir“.

Hanspeter Schär setzte sich damit nicht aufdringlich ins Szene, sondern sang ruhig und innig diese demütige Anbetung. Im Duett mit Elisabeth Germann - mit der Bitte um Gnade und Erbarmen Gottes – erklang der Gesang ebenfalls schnörkellos, warm und bis in die äussersten Ränder voll und kontrolliert. Im neunten Teil trat aus dem Chor heraus Eveline Wenk dazu und sang den zweiten Sopran so, wie wenn das für sie Alltag wäre. Chor und Solisten harmonierten wunderbar, einmal integrierten sich Sopran und Bariton in den Chor, ohne dass man sie herausgehört hätte. Das abwechslungsreiche, melodiöse Werk kam beim Publikum sehr gut an.

John Rutter (*1945 )
John Rutter ist ein zeitgenössischer Komponist, von manchen Musikkritikern als der populärste „postmoderne“ Klangkünstler bezeichnet. Mit den Cambridge-Singers, 1981 von ihm gegründet, hat er unzählige seiner beim Publikum sehr gut ankommenden Werke uraufgeführt. Das Ensemble ist heute weltberühmt und konzertiert auf höchstem Niveau. Das MAGNIFICAT gehört zu Rutters grössten und berühmtesten Werken. In seinen Kompositionen nimmt er musikalische Einflüsse von verschiedenen Kulturen auf. Auch das AMERICAN SONGBOOK hat ihn inspiriert.

MAGNIFICAT von John Rutter
Das Werk besticht durch seine Farbigkeit, seine lebendigen Rhythmuswechsel und seine verschiedenen Tempi und Lautstärken. Das Gerüst des Textes beruht auf dem Gesang Marias, als sie Elisabeth von ihrer Schwangerschaft erzählt. Rütter hat aber eigene Teile eingewoben, so ein englisches Gedicht namens „Of a Rose, a Lovely Rose“. Dieses Gedicht besingt Maria in inniger Verehrung. Während die andern sechs Teile in lateinischer Sprache gesetzt sind, wird hier die englische Sprache verwendet. Das gibt diesem ganz besonders innigen Gesang eine ganz eigene Note.

Rutter hat allen sieben Teilen eigene Rhythmusvorgaben zugedacht. So heisst es etwa „Bright and Joyful“ (Hell und fröhlich) oder „Slow and Calm“ (Langsam und ruhig). Auch südamerikanische Tonbilder hat Rütter eingesetzt, begeistert von der farbigen, fröhlichen Musik lateinamerikanischer Marienfeste.

Orchester
Das kleine, aber feine Fürstenländer Kammerorchester ist eine ad-hoc-Formation mit festem Kern, genau wie der Chor selber auch. In diesem Konzert kam eine wunderschöne, prominent im Raum stehende Harfe zum Einsatz. Auch Orgel und Pauke kamen vermehrt zum Zug. Ihr Klang verschmolz mit den Stimmen der Sängerinnen und Sänger, auch die Sopranistin und der Bariton stachen nie unangenehm heraus, sondern setzten ihre Stimmen dem Ganzen verpflichtet ein. Majestätische Szenerien wechselten mit langsamen, meditativen Teilen ab. Das „Esurientes“ sang Elisabeth Germann derart berührend und fein, dass es da und dort beinahe zu Tränen rührte.

Adventliche Stimmung
Das ganze Konzert liess eine Art Advents-Vorfreude aufkommen. Festliche Harfen- und Orgelklänge sowie mancherorts markant eingesetzte Paukenschläge setzten Glanzpunkte in die einzelnen Chorteile. Maria war schliesslich mit ihrem Lobgesang voller Vorfreude. Darum passte das Konzert auch ganz besonders gut in diese schon bald erwartungsfrohe Jahreszeit.

In Uzwil spendete das Publikum nach dem sehr gelungenen Konzert langanhaltenden Applaus, der allerdings etwas zu früh einsetzte, hatte doch der Dirigent noch die Hände erhoben zum besinnlichen Ausklang des Magnificat. Alle Mitwirkenden freuten sich sichtlich über diese Freudenbezeugungen, es gab Blumen von den Veranstaltern und zufriedene Gesichter überall.


Am Sonntag, 7. Dezember 2014 - um 17.00 - wird das Konzert in der Andreaskirche Gossau nochmals aufgeführt.

Fürstenland Chor Gossau

Teil 1 des MAGNIFICAT von John Rutter

A Rose, a Lovely Rose

Quia fexit mihi magna – Teil 3


<br>Orchester, noch ohne Chor und Solisten.

Orchester, noch ohne Chor und Solisten.

<br>Freundliche Begrüssung der Konzertmeisterin durch den Dirigenten Guido Helbling.

Freundliche Begrüssung der Konzertmeisterin durch den Dirigenten Guido Helbling.

<br>Sopranistin Elisabeth Germann und Tenor/Bariton Hanspeter Schär

Sopranistin Elisabeth Germann und Tenor/Bariton Hanspeter Schär

<br>Wegen verschiedener Konzerte in der näheren Umgebung war die katholische Kirche diesmal nur halbvoll.

Wegen verschiedener Konzerte in der näheren Umgebung war die katholische Kirche diesmal nur halbvoll.

<br>Eveline Wenk sang als 2. Sopran im TE DEUM den achten Teil mit - eine sehr schöne Stimme aus den Reihen des Chors.

Eveline Wenk sang als 2. Sopran im TE DEUM den achten Teil mit - eine sehr schöne Stimme aus den Reihen des Chors.

<br>Am Schluss gab es Blumen für die Solisten sowie die Leiterin des Orchesters, hier von Dirigent Guido Helbling überreicht.

Am Schluss gab es Blumen für die Solisten sowie die Leiterin des Orchesters, hier von Dirigent Guido Helbling überreicht.

<br>Ruhig und präzise hielt Dirigent Guido Helbling jederzeit die Fäden in der Hand.

Ruhig und präzise hielt Dirigent Guido Helbling jederzeit die Fäden in der Hand.