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Uzwil: 15.11.2016
<br>Dirigent Patrick Schinnerl hat in den wenigen Monaten seit seinem Antritt bereits einen guten Draht zu den Mitgliedern der JMU gefunden.

Dirigent Patrick Schinnerl hat in den wenigen Monaten seit seinem Antritt bereits einen guten Draht zu den Mitgliedern der JMU gefunden.

<br>Nicole Stobrawe hat ihre Truppe seit vielen Jahren im Begriff - die Beginnerband und das Aspirantenkorps.

Nicole Stobrawe hat ihre Truppe seit vielen Jahren im Begriff - die Beginnerband und das Aspirantenkorps.

Musikkabarett im Gemeindesaal
Jahreskonzert 2016 der Jugendmusik Uzwil JMU
Annelies Seelhofer-Brunner
War es nicht erst kürzlich, dass sich die Jugendmusik Uzwil mit all ihren Gruppierungen einem begeisterten Publikum gezeigt hatte? Dabei ist seit dem letzten Jahreskonzert bereits wieder ein Jahr vergangen, es gab einen Dirigentenwechsel und ganz viele Aktivitäten, die herausforderten, aber auch bereicherten. Die jugendlichen Musikantinnen und Musikanten begeisterten auch diesmal wieder einen vollen Gemeindesaal. Präsident Heinz Erismann wird sich nach mehr als zehn Jahren im Vorstand zurückziehen. Ein Nachfolger wurde bereits gefunden. Das Geheimnis wird an der HV gelüftet werden.

Kabarettreife Ansagen
Allein schon wegen der Ansagen würde es sich lohnen, so ein Konzert zu besuchen. Was da Nicolas Kraft und Lukas Tribelhorn einmal mehr alles aufs Korn genommen haben! Jugendlich-frech plauderten sie aus dem Nähkästchen, nahmen die Probentätigkeit des neuen Dirigenten Patrick Schinnerl genauer unter die Lupe und führten dazu einen kleinen Sketch auf. Sie sind genaue Beobachter und schauen auch hinter die Kulissen. Aber auch der Vorstand kam aufs Tapet. Wer hätte denn sonst gewusst, dass beispielsweise Präsident Heinz Erismann eine „Handy-Tussi“ sei?

Ihre frische Moderation provozierte immer wieder spontane Lacher, welche vom Publikum jedesmal mit Szenenapplaus verdankt wurden. Nach jeder Ansage setzten sich die beiden wieder an ihren angestammten Platz und spielten wie alle Andern eifrig und gekonnt mit, Nicolas Kraft auf der Posaune, Lukas Tribelhorn auf der Klarinette.

Neuer Dirigent
Ende Juli war der vorherige Dirigent Christoph Hunziker dem Ruf nach St.Georgen gefolgt und dirigiert seit August nun diesen hochklassigen Musikverein. Doch der Vorstand hatte ein glückliches Händchen bei der Suche nach einem neuen musikalischen Leiter. Der „Neue“, Patrick Schinnerl , hat schon Erfahrung mit der Leitung eines Jugendmusikorchesters, hat er doch während fünf Jahren das Jugendorchester Gossau SG geleitet. Man spürte schnell, dass er in dieser kurzen Zeit bereits einen guten Draht zu den jugendlichen Buben und Mädchen gefunden hat. Mit grossem Ernst und erstaunlicher Konzentration folgten die jungen Leute seinen klaren Anweisungen.

Multimediale Show
Vor dem eigentlichen Auftritt der Jugendmusik konnten die einzelnen JMU-Mitglieder auf den Wänden neben der Bühne bewundert werden. Sie stellten sich in witzigen Posen mit ihrem Instrument vor. Da hiess es beispielsweise: „Meine Klarinette ist auch ein Kerzenständer“. Auf der Homepage des Vereins findet man zu jedem Instrument die dazugehörige Person und dazu einen witzigen Spruch. Auch während des Konzerts flimmerten manchmal Bilder an der Wand. Kinder von heute sind sich gewohnt, mit mehreren Sinnen angesprochen zu werden.

Show-Elemente auch beim Auftritt
Schon der Eintritt der Jugendmusik war aussergewöhnlich. Erst waren nur die tiefen Instrumente auf der Bühne und intonierten „Seven Nation Army“, dann fielen von überall her im Saal die anderen Instrumente ein. Erst nach und nach bewegten sich diese Instrumentalisten zur Bühne hin. Doch dann ging es richtig los. Das Instrumentarium war äusserst beeindruckend, was ganz besonders auf die riesigen Becken des Schlagzeugs auf der rechten Seite der Bühne zutraf.

Der Ruf der Perkussionisten
„…sie wissen nicht, was sie tun…“, ein Perkussionsstück des Appenzellers Urs Wieland, verleitete etwas zu Assoziationen mit dem James-Dean-Kultfilm „Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Damit hatte diese Nummer aber gar nichts zu tun. Sie zeigten vielmehr, wie Perkussionisten – ob Buben oder Mädchen – kaum stillsitzen können, wenn sie warten müssen. Da wurde geschnippt, geschnalzt, mit den Beiden gewippt und dazwischen mit Säcklein geraschelt oder ins Trinkfläschchen geblasen, Hauptsache, es war rhythmisch und man konnte sich dazu bewegen! Der ganze Körper diente als Klangkörper. Die vier Jugendlichen machten das mit einer Nonchalance, die verblüffte. Was so leicht und zufällig aussah, hatte jedoch eine klare Choreografie.

Musikalische Geschichten
Mit dem Stück „Hindenburg“ schrieb der Komponist Michael Geisler ein Stück tragische Weltgeschichte. Lautmalerisch wird da der Absturz des grössten Luftschiffs der Welt musikalisch verarbeitet. Verschiedene Stimmungen wechseln sich ab, und natürlich passt eine Explosion für eine Blasmusikformation bestens.
Auch das Engadin bekam einen musikalischen Platz. „Yellow Mountains“ beschreibt die Stimmung, wenn in diesem Bündner Hochtal die Lärchen gelb werden und ganze Berghänge einfach nur noch leuchten. Hier kamen besonders die Flöten und das Glockenspiel zum Zug. Auch der Eiger wurde, anfänglich ziemlich melancholisch gestimmt, musikalisch bestiegen. Dirigent Patrick Schinnerl reizte dabei alle Stimmungen zwischen feinem Piano und rasantem Forte aus.

Die gespielten Titel samt Komponist und Notenspendernamen können auf der Homepage des Vereins nachgelesen werden.

Beginnerband und Aspirantenkorps
Nicole Stobrawe leitet fast seit Urzeiten die ganz jungen Buben und Mädchen, dennoch hat sie weder Elan noch Geduld eingebüsst. Es war faszinierend zu sehen, wie sie mit weitausgreifenden Gesten die Kinder beschwor, ihren Anweisungen zu folgen. Sogar ein Keyboard wurde ins Ensemble eingebunden. Mit modernen Stücken, aber auch mit balladenartigen wie „Amazing Grace“ verzückten die jungen Menschen ihre Fans. Da durften dann zwei Zugaben – auf dem Programm sicherheitshalber bereits angekündigt – nicht fehlen. ABBA scheint auch bei den ganz Jungen noch ungebrochene Popularität zu geniessen. „Waterloo“ war im offiziellen Teil erklungen, in der Zugabe „Lay All Your Love On Me“ zum Zug gekommen.

Das Zusammenspiel von Kindern mit erst wenig musikalischer Praxis mit solchen, die bereits einige Jahre mitspielen, erfordert von der Leitung Fingerspitzengefühl. Dieses scheint Nicole Stobrawe in grossem Masse zu besitzen. Kameradschaft gehört zu einem guten Verein, in der JMU ist sie sichtbar. Der pädagogische Wert eines solchen Zusammenspiels kann kaum hoch genug gewertet werden. Man muss üben, selbst wenn es einem nicht immer passt. Man lernt aufeinander hören. Und nicht zuletzt ist es eine äusserst sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die zudem auch Andern Freude macht.

Zwischenspiel
Nicole Stobrawe wollte dem Vorstand eine Sitzung ersparen und fragte sich deshalb gleich von der Bühne aus durch einen Fragenkatalog, den sie sich ausgedacht hatte. „Gibt es wieder ein Musiklager?“ war wohl die wichtigste Frage. „Können wir wieder mit ungefähr 30 Kuchen rechnen?“ Dem Vorstand blieb nichts anderes übrig, als gute Miene zum „bösen“ Spiel zu machen und alles zu bewilligen, was die energiegeladene Frau auf der Bühne forderte. Diese Energie war auch in ihrem Dirigat sehr gut zu spüren. Dass sie die Kinder mag und eine gute Balance zwischen dem Machbaren und dem Unmöglichen hat, war gut zu spüren.

Gross und Klein zusammen
Höhepunkt des abwechslungsreichen Programms war das erstmalige Zusammenspiel aller drei Musikformationen. Rassig dirigierte Vizedirigent Patrick Wittwiler seine Kolleginnen und Kollegen durch den fetzigen Banana-Rock. Und weil vermutlich alle Mitglieder der Jugendmusik Uzwil den Film „The Lion King“ (König der Löwen) kennen, machte auch das Spielen der Szene mit dem schlafenden Löwen sichtlich Spass. Das Publikum war über das Gebotene absolut begeistert und wünschte stürmisch eine Zugabe. „Up In The Sky“ der erfolgreichen Bündner Band „77 Bombay Street“ wurde darauf richtig hinausgeschmettert und brachte nochmals so richtig Energie in den Saal.

Dank
Die vor dem Konzert an die Wände projizierte Sponsorenliste las sich wie das „Who Is Who“ in Uzwil. Unzählige KMUs haben Tombolapreise gestiftet oder unterstützen die JMU sonst in irgendeiner Weise. Hinter den Kulissen sind an einem solchen Anlass immer unzählige Helferinnen und Helfer tätig. Präsident Heinz Erismann dankte denn auch allen Beteiligten ausdrücklich für diesen wertvollen Dienst. Der ehemalige Dirigent Christoph Hunziker wurde zudem offiziell verabschiedet, begleitet von begeisterten Pfiffen der JMU-Mitglieder, vor allem aber auch der vielen anwesenden Ehemaligen im Publikum. Erismann dankte auch den musikalischen Leitern und hob besonders die langjährigen Dienste der unverwüstlichen Nicole Stobrawe hervor.

Doch auch er selber wurde für seinen grossen Einsatz während der letzten zehn Jahre gewürdigt. Mit viel Herzblut habe er den Vorstand durch die vergangenen Jahre geführt, sagte Margrit Tuchschmid, Vizepräsidentin des Vereins. Er bekam für seine grossen Verdienste um den Verein einen brausenden Applaus und ein Präsent.


Wer gerne in der Jugendmusik mitspielen möchte, hat am Donnerstag, 17.11.2016, Gelegenheit, mit seinem Instrument auf die grosse Bühne im Gemeindesaal zu kommen und eine Probe mitzumachen. Zeitpunkt: 18.15 Beginn, Dauer ca. 1 ½ Stunden.

Hier können die verschiedenen Anlässe der Jugendmusik Uzwil im Jahr 2016 nachgelesen werden.


Jugendmusik Uzwil

Die wahre Geschichte der Hindenburg

Waterloo – ABBA

The Lion Sleep Tonight

Up In The Sky – gesungen


<br>Toller Abschluss mit allen Gruppierungen unter der Leitung von Vizedirigent Patrick Wittwiler.

Toller Abschluss mit allen Gruppierungen unter der Leitung von Vizedirigent Patrick Wittwiler.

<br>Zu Beginn waren nur wenige JMU-Mitglieder auf der Bühne, der Rest spielte im ganzen Saal verteilt, was einen ganz besonderen Klang erzeugte.

Zu Beginn waren nur wenige JMU-Mitglieder auf der Bühne, der Rest spielte im ganzen Saal verteilt, was einen ganz besonderen Klang erzeugte.

<br>Lukas Thoma hatte mit seinem Keyboard einen etwas einsamen Platz, schien sich aber trotzdem sehr wohl zu fühlen.

Lukas Thoma hatte mit seinem Keyboard einen etwas einsamen Platz, schien sich aber trotzdem sehr wohl zu fühlen.

<br>Dirigent Patrick Schinnerl im Gespräch mit Musikfans.

Dirigent Patrick Schinnerl im Gespräch mit Musikfans.

<br>Sie wussten sehr wohl, was zu tun sei, wenn auch ihr Perkussionsstück "...denn sie wissen nicht, was sie tun" hiess...

Sie wussten sehr wohl, was zu tun sei, wenn auch ihr Perkussionsstück "...denn sie wissen nicht, was sie tun" hiess...

<br>So jung und schon an so grossen Becken - Mathis Länzlinger scheint dies zu gefallen.

So jung und schon an so grossen Becken - Mathis Länzlinger scheint dies zu gefallen.

<br>Joel Wirth wurde von Präsident Heinz Erismann - wenn auch ungern! - mit würdigen Worten verabschiedet. Neue Aufgaben warten auf den jungen Mann.

Joel Wirth wurde von Präsident Heinz Erismann - wenn auch ungern! - mit würdigen Worten verabschiedet. Neue Aufgaben warten auf den jungen Mann.

<br>Christoph Hunziker, ehemaliger Dirigent, gab seinen früheren Schützlingen ebenfalls die Ehre.

Christoph Hunziker, ehemaliger Dirigent, gab seinen früheren Schützlingen ebenfalls die Ehre.

<br>Ohne diese beiden "Lausbuben vom Dienst" - links Nicolas Kraft, rechts Lukas Tribelhorn - wäre ein JMU-Konzert ein ganzes Stück farbloser. Sie erhielten denn auch viel Applaus für ihre witzigen Ansagen. Bester Spruch: "Make JMU great again" - angelehnt an die grossspurigen Worte des eben gewählten amerikanischen Präsidenten.

Ohne diese beiden "Lausbuben vom Dienst" - links Nicolas Kraft, rechts Lukas Tribelhorn - wäre ein JMU-Konzert ein ganzes Stück farbloser. Sie erhielten denn auch viel Applaus für ihre witzigen Ansagen. Bester Spruch: "Make JMU great again" - angelehnt an die grossspurigen Worte des eben gewählten amerikanischen Präsidenten.