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Wil: 15.03.2017
Einem Gast unerkannt eine Freude bereiten. Das ermöglicht "Caffé Sospeso" mit der Begleichung eines zweiten nicht konsumierten Kaffees oder Kuchen.
Einem Gast unerkannt eine Freude bereiten. Das ermöglicht "Caffé Sospeso" mit der Begleichung eines zweiten nicht konsumierten Kaffees oder Kuchen.

Jürg Grämiger, Präsident der Kirchverwaltung machte den Anfang mit seiner Einlage in die "Sospeso-Kasse". Links Gisela Dünner, Leiterin des Peters-Kafi, dahinter Franz Schibl, Leiter Soziales der Kath. Kirchgemeinde.
Jürg Grämiger, Präsident der Kirchverwaltung machte den Anfang mit seiner Einlage in die "Sospeso-Kasse". Links Gisela Dünner, Leiterin des Peters-Kafi, dahinter Franz Schibl, Leiter Soziales der Kath. Kirchgemeinde.

„Caffé Sospeso“ für Armutsbetroffene
Die gezielte Wahrnehmung des sozialen Einsatzes in der Pfarrei Wil soll mit der Ausweitung des Angebots im Peter Kafi Stärkung erfahren.
Niklaus Jung
Die Kath. Kirchgemeinde Wil will das Angebot im Peter-Kafi gezielt auf armutsbetroffene Menschen ausweiten. „Caffé Sospeso“ gibt jedem Gast die Möglichkeit, mit einer Kaffee- und Kuchenspende unerkannt einem minderbemittelten Gast einen Kaffeebesuch zu ermöglichen, den er sich sonst kaum leisten kann. Die Idee seitens Franz Schibli, Leiter Soziales bei der Kath. Kirchgemeinde, fand auch bei der Leiterin des Peter Kafi, Gisela Dünner positive Zustimmung.

Beim Peter Kafi stellte man fest, dass kaum Armutsbetroffene einkehren. Dem gegenüber steht der Begegnungstreff beim Caritasmarkt, wo das Bedürfnis von Armutsbetroffenen spürbar ist, an einem quasi öffentlichen Ort Kaffee trinken zu können.

Alle sozialen Schichten ansprechen
Nach Franz Schibli ist „Caffé Sospeso“ ein Versuch, breiter abgestützt soziale Schichten für einen Besuch im Peter Kafi zu gewinnen. Unter dem Titel „Gesellschaftliche Teilhabe“ soll Menschen der Zugang ermöglicht werden, welche sich sonst die Konsumation nicht leisten können.

Mit dem neuen Angebot sind in erster Linie Gäste angesprochen, welche sich die Konsumation im Peter Kafi leisten können. Sie sind eingeladen, zusätzlich zu ihrer Konsumation eine Spende für Kaffee und Kuchen für Minderbemittelte abzugeben. Die Spende kann unerkannt in die bereit stehende Spenden-Box im Peter Kafi eingelegt oder direkt dem Servicepersonal bezahlt werden. Dabei geht es um Fr. 3.70 für einen Kaffee oder Fr. 3.-- für einen Kuchen.

Einladung für Armutsbetroffene
Die EmpfängerInnen der Spenden müssen sich nicht ausweisen, um eine Blossstellung zu vermeiden. Nicht zuletzt erspart diese Regelung eine Kontrollfunktion beim Personal. Gisela Dünner, Leiter in des Peter Kafi, sieht darin kaum Missbrauch voraussehbar, weil sie vielmals die Kunden schon kennen. Der Gast darf aber auch selber nach dem Angebot nachfragen.

Anpassungen beim Angebot werden geprüft, sollten sich mehr Empfänger des Angebots melden, als Spenden vorhanden sind. Nach Franz Schibli zeigten Erfahrungen andernorts, dass es mehr Spenden gibt als Empfängerinnen und Empfänger. Jedenfalls wollten sie in der Startphase beim Caritas-Markt auf das Angebot im Peter Kafi hinweisen.

Franz Schibli, besonders auf soziales Engagement sensibilisiert
Mit der Anstellung des neuen Leiters Soziales bei der Kath. Kirchgemeinde steht mit Franz Schibli eine Persönlichkeit zur Verfügung, welche sich seit jungen Jahren für soziale Einsätze engagiert. In Wettingen mit vier Geschwistern aufgewachsen, habe er den Wert des gemeinsamen Familientisches schätzen gelernt. Nach seinem Theologiestudium waren Drogenkonsumierende erste Betreuungsgruppe. Hinzu kam die Betreuung von armutsbetroffenen Familien.

Während acht Jahren betreute er als Coach Jugendliche mit Beeinträchtigung. Ein weiterer Studiengang erweiterte seine Kompetenzen im Bereich Soziale Arbeit und Beratung. Weitere Einsatzorte vor seinem Antritt in Wil waren „Betreuung von Jugendlichen mit Lernbehinderung“ sowie die Leitung des Umstrukturierungsprozesses der Mütter- und Väterberatung Graubünden.

Franz Schibli beschreibt sich als Typ, der sich gerne mit Menschen über alternative Logiken zum herrschenden Zeitgeist austauscht. Ihn interessiert die Lebenswelt all jener Menschen mit denen er gerade zusammen ist.

Franz Schibli, Leiter Soziales: "Mit 'Caffé Sospeso' (aufgeschobener Kaffee) können sich Gäste mit bescheidenem Einkommen einen Kaffee oder ein Stück Kuchen leisten, ohne dafür zu bezahlen".
Franz Schibli, Leiter Soziales: "Mit 'Caffé Sospeso' (aufgeschobener Kaffee) können sich Gäste mit bescheidenem Einkommen einen Kaffee oder ein Stück Kuchen leisten, ohne dafür zu bezahlen".

Gisela Dünner: "Hier ist ein guter Ort für soziales Engagement".
Gisela Dünner: "Hier ist ein guter Ort für soziales Engagement".

Jürg Grämiger: "Mit dem neuen Angebot wollen wir das Peters-Kafi verstärkt auch für Menschen öffnen, welche sich sonst kaum einen Kaffee oder Kuchen leisten können".
Jürg Grämiger: "Mit dem neuen Angebot wollen wir das Peters-Kafi verstärkt auch für Menschen öffnen, welche sich sonst kaum einen Kaffee oder Kuchen leisten können".