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Wil: 26.04.2017
Fredy Rüegg stellte die Ärztin Alke Titze vor.
Fredy Rüegg stellte die Ärztin Alke Titze vor.

Zahlreiche Besuchende im Gewölbekeller.
Zahlreiche Besuchende im Gewölbekeller.

Alke Titze präsentierte das Palliative Care.
Alke Titze präsentierte das Palliative Care.

Dank mit einer Wiler Spezialität.
Dank mit einer Wiler Spezialität.

Lebensqualität bis zuletzt

Das Forum CVP 60 Plus lud zu einem Informationsanlass ein.
Ernst Inauen
Das Thema Gesundheit kann offenbar stets eine breite Zuhörerschaft mobilisieren. So lockte der Vortrag von Frau Dr. med. Alke Titze viele erwartungsvolle Besucher in den Gewölbekeller im Hof zu Wil. Die Oberärztin im Palliativzentrum Kantonsspital St.Gallen beleuchtete das Thema Palliative Care.

Trotz prächtigem Frühlingswetter war der Besucherandrang der älteren Generation bei der Informationsveranstaltung beachtlich. Die Organisatoren des Forums CVP 60 Plus zeigten sich zufrieden. Offensichtlich ziehen vor allem die Themen Geld und Gesundheit immer viele Zuhörer an. Fredy Rüegg hiess als Organisator der öffentlichen CVP 60 Plus-Veranstaltung die Besuchenden aus der Region Wil-Fürstenland und die Referentin Alke Titze in willkommen. Einleitend stellte sie sich und ihren beruflichen Werdegang selber kurz vor. Die 40-jährige Ärztin wuchs in Süddeutschland auf. Sie absolvierte ihr Medizin-Studium an deutschen Universitäten. Anschliessend trat sie in der Schweiz in verschiedenen Spitälern Praktiken und Arbeitsstellen als Oberärztin an, unter anderem auch in Flawil und in Wil. Seit Ende 2016 ist sie als Oberärztin des Palliativzentrums am Kantonsspital St.Gallen tätig.

Ganzheitliche und umfassende Betreuung
Die palliative Betreuung beginne dort, wo die konventionelle Medizin alleine nicht mehr genüge oder eine Heilung nicht mehr möglich sei, stellte Alke Titze fest. Ziel sei es, die Lebensqualität und die Würde des Patienten bis zuletzt zu erhalten. „Der Umgang mit sterbenden Menschen nimmt an Bedeutung zu, weil die demografische Entwicklung eine Zunahme der älteren Generationen bewirkt und damit auch die Pflegebedürftigkeit steigt. 95 % der Menschen sterben nach längerer Pflegebedürftigkeit und lediglich 5 % plötzlich und unerwartet“, bemerkte die Referentin. Die Palliativ-Medizin lege die Behandlung auf die Bedürfnisse der Patienten und nicht auf die Krankheit fest, führte sie weiter aus. Die ganzheitliche Pflege und Betreuung könne in Zusammenarbeit mit Medizinern, Psychologen, Seelsorgern, Ernährungsberatern, Sozialarbeitern erfolgen. Damit würden der Hausarzt oder die Spitex unterstützt.

Wohlbefinden erhalten
Palliative Care ist relativ neu. Erst zwischen 2010 bis 2015 setzten in der Schweiz Bund und Kantone im Rahmen einer nationalen Strategie zahlreiche Massnahmen palliativer medizinischer Behandlung um. Im Kanton St.Gallen besteht seit 2010 mit dem Konzept Palliativ Care ein Zentrum im Kantonsspital im Verbund mit anderen Kliniken, so auch Flawil. Die Referentin umschrieb den Begriff Palliative Care so: „Palliative Care umfasst alle Massnahmen, die das Leiden eines unheilbaren Menschen lindern und ihm die bestmögliche Lebensqualität bis zum Ende verschaffen“. Eine heilungsorientierte Behandlung und die Linderung von Leiden sollen sich ergänzen. Zur Schmerzlinderung kann auch Morphium angewendet werden. Eine Abhängigkeit sei nicht zu befürchten, beschwichtigte Alke Titze.

Patienten- und Vorsorgeverfügung
Alke Titze behandelte in ihrem informativen Referat auch die Themen frühzeitige, vorausschauende Vorkehrungen. Mit einer Patientenverfügung im Sinne einer vorausschauenden Planung und Kommunikation bestimme der Betroffene selber, welchen Massnahmen er bei einer medizinischen Behandlung zustimme oder sie ablehne. Vorteilhaft sei es, dem Hausarzt und den nahen Angehörigen eine Kopie abzugeben. Die Referentin empfahl ausserdem, sich frühzeitig Gedanken über die Regelung der Vollmachten und Vorsorge zu machen. Diese müssten handschriftlich verfasst oder notariell beglaubigt werden. Solche selbst bestimmten Anordnungen könnten den Angehörigen Ungemach ersparen. Nach dem Referat beantwortete Alke Titze Fragen aus dem Publikum und stand beim anschliessenden Apéro für persönliche anliegen zur Verfügung.

Persönliche Begegnung nach dem Referat.
Persönliche Begegnung nach dem Referat.

Beim Apéro wurde eifrig diskutiert.
Beim Apéro wurde eifrig diskutiert.