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Region Wil-Toggenburg: 29.09.2017
Die Hochwassersicherheit ist für Wattwil von grosser Bedeutung.
Die Hochwassersicherheit ist für Wattwil von grosser Bedeutung.

Ausgewogenes Sanierungsprojekt für die Thur
Neben der Erhöhung der Sicherheit wird der Wert der Thur als Freizeit- und Erholungsraum gesteigert.
sk
Die Thursanierung in Wattwil wird in ihren Grundzügen von allen Seiten unterstützt. Beim Landbedarf für die notwendige Flussverbreiterung bestehen allerdings unterschiedliche Vorstellungen. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde hat der Kanton die Einwände von betroffenen Grundeigentümern sowie von Vertretern aus Bevölkerung, Quartieren, Landwirtschaft und Umweltschutz zu einem ausgewogenen Projekt aufgearbeitet. Der Landbedarf konnte reduziert werden, ohne die ökologische Qualität des Projektes zu schmälern.

Die Thur in Wattwil benötigt dringend eine Sanierung und Verbesserung der Hochwassersicherheit. Das über 100 Jahre alte Flussbauwerk ist teils stark beschädigt. Im Fall eines Hochwassers wäre im Dorfkern mit grossflächigen Überschwemmungen zu rechnen. Neben der Erhöhung der Sicherheit wird der Wert der Thur als Freizeit- und Erholungsraum gesteigert. Der Zugang zum Wasser wird erleichtert; der Aufenthalt im Flussbett wird bei normalem Wasserstand möglich. Auch die Natur gewinnt: Mit der Sanierung wird der Lebensraum für Tiere und Pflanzen aufgewertet, indem der Flussraum, wie im Gewässerschutzgesetz gefordert, naturnah gestaltet wird.

Direktbetroffene miteinbezogen
Im letzten Frühling hat die Projektleitung mit rund 100 Grundeigentümern entlang der Thur Gespräche geführt, um die geplanten Massnahmen zu erläutern und die Folgen für die Grundstücke zu diskutieren. Weitere Gespräche wurden mit Vertreterinnen und Vertretern von Quartieren, Parteien, Naturverbänden und der Landwirtschaft geführt.

Im Mai fand zudem die dritte Veranstaltung des Beirats mit rund 90 Teilnehmenden aus der Bevölkerung und von Interessenorganisatio-nen statt. Die Notwendigkeit der Thursanierung wie auch der Verbesserung der Hochwassersicherheit durch Verbreiterung der Flusssohle wird von allen Seiten unterstützt. Kritisiert wird der notwendige Landbedarf zur Aufweitung des Flussraumes. Vor allem von Seiten der Grundeigentümer und der Landwirtschaft wird gefordert, den Landbedarf zu reduzieren.

Überarbeitetes Projekt mit weniger Landbedarf
Die Projektverantwortlichen des Kantons haben in Zusammenarbeit mit der Gemeinde geprüft, wie die Bedürfnisse von Direktbetroffenen berücksichtigt werden können, ohne die technischen und gesetzlichen Vorgaben zu verletzen. Das überarbeitete Projekt sieht vor, die geplanten Dimensionen für den Uferbereich und die beiden Thurwege zu reduzieren. Die Breite des rechtsufrigen Grünstreifens zwischen der Thur und dem Thurweg wurde gegenüber den bisherigen Planungen um 0,5 Meter verkleinert.

Ebenso wurde die Breite der beiden Thurwege gegenüber den bisherigen Planungen um je 0,5 Meter reduziert: Der linksufrige Wander- und Gehweg soll die heutige Breite von 2,5 Metern beibehalten. Der rechtsufrige Velo- und Gehweg soll um rund 0,7 Meter auf 3,5 Meter verbreitert werden, damit die verfügbare Verkehrsfläche für Velofahrerinnen und Fussgänger mit der Siedlungsentwicklung Schritt halten kann.

Reduzierter Landerwerb
Bei Grundstücken, bei denen ein überdurchschnittlich hoher Anteil des Aussenraumes beansprucht wird, hat die Projektleitung entschieden, im Sinne von Härtefallen eine andere Lösung zu suchen: Teilweise wurde der Verlauf der Thur nochmals leicht verschoben. Als Kompensation wurde auf der gegenüberliegenden Seite der Uferstreifen zusätzlich reduziert und punktuell auf die Alleebäume verzichtet.

Dank den Anpassungen konnte der notwendige Landerwerb von 6,5 Hektaren auf 6,0 Hektaren reduziert werden. Für das Thursanierungsprojekt muss die landwirtschaftliche Nutzfläche um rund 4,5 Hektaren verringert werden, was ca. 3,5 Prozent der Nutzfläche auf der gesamten Thurebene Wattwil entspricht.

Der Gewässerraum kann teilweise weiterhin extensiv genutzt werden. In Abstimmung mit den ansässigen Landwirten und lokalen Naturverbänden soll die extensive Nutzung und der zukünftige Unterhalt dieser Flächen festgelegt werden. Im Weiteren fällt aufgrund der Flussverbreiterung wertvolles Bodenmaterial an, das zur Aufwertung der landwirtschaftlichen Nutzflächen und zur Schaffung von Fruchtfolgeflächen genutzt werden kann. Dank dieser Anpassungen kann der Landbedarf auf Kosten von angrenzenden Grundstücksflächen minimiert werden. Bei einer weiteren Reduktion des Uferstreifens kann die gesetzlich geforderte natürliche Funktion der Thur wie zum Beispiel ein stabiler Geschiebetransport und die Vernetzung der Lebensräume voraussicht-lich nicht mehr sichergestellt werden.

Verbreiterung des Flussraumes notwendig
Um die Ufer zu stabilisieren, die Hochwassersicherheit zu verbessern und die Vorgaben an die bauliche Sicherheit und den Umweltschutz zu erfüllen, wird die Flusssohle im dicht besiedelten Zentrumsgebiet von Wattwil von rund 23 auf 30 Meter ausgeweitet. Dies wird erreicht, indem die sogenannten Vorländer entfernt und die Uferböschungen um bis vier Meter nach aussen verschoben werden.

Ausserhalb des Zentrums wird die Sohle bis auf 45 Meter verbreitert, was der natürlichen Breite der Thur in Wattwil entspricht. Im gültigen Zonenplan der Gemeinde Wattwil ist entlang der Thur eine Grünzone ausgeschieden, um für notwendige Ausbauten der Thur genügend Platz zu sichern. Dieser Raum wird nun teilweise beansprucht, um den Flussraum zu verbreitern.

Zweite Vorprüfung findet 2018 statt
Das angepasste Wasserbauprojekt soll 2018 in eine zweite Vorprüfung durch die Gemeinde, die Werkbetriebe sowie durch die Fachstellen bei Bund und Kantonen gegeben werden. Sie werden die Einhaltung der jeweiligen Anforderungen überprüfen. Zuvor kann die Bevölkerung von Wattwil nochmals mitdiskutieren:

Am 16. November 2017 findet im Thurpark die vierte Beirats-Veranstaltung statt. Spätestens im Rahmen der öffentlichen Auflage des Projektes, voraussichtlich 2020, werden die Anstösser nochmals Gelegenheit erhalten, sich zum Projekt zu äussern. Mit einem Baustart ist frühestens 2022 zu rechnen.
Die Überprüfungen bei der Verbreiterung des Thurlaufes ergaben verschiedene Einsparungen beim Landerwerb.
Die Überprüfungen bei der Verbreiterung des Thurlaufes ergaben verschiedene Einsparungen beim Landerwerb.