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Anwil: 23.10.2017
Eine geschickte Kombination von Materialien ermöglicht eine neue Perspektive auf die Natur.
Eine geschickte Kombination von Materialien ermöglicht eine neue Perspektive auf die Natur.

Natur gekonnt arrangiert
Im Hinterthurgau war eine Herbstschau der besonderen Art zu geniessen.
Adrian Zeller
Im Weiler Anwil hört man gelegentlich das Gebimmel von Kuhglocken oder das Motorengeräusch eines Traktors. Ansonsten herrscht ländliche Ruhe. Ganz anderes am vergangenen Sonntagnachmittag: in der ansonsten idyllischen Siedlung herrschte Hochbetrieb. Wagen an Wagen mit Nummernschildern aus unterschiedlichen Kantonen reihten sich nebeneinander.
Der Weiler Anwil liegt etwas abseits der Landstrasse, die von Sirnach nach Dussnang führt.

Kaum jemand verirrt sich ohne Grund in die aus wenigen Bauernhöfen bestehende Siedlung. Am Sonntagnachmittag hatten viele Personen einen Grund den Weg auf sich zu nehmen: „le madame fleur“ hatte zu einer Präsentation von Abschlussarbeiten geladen.

Angelika Kuttruff, für Aussergewöhnliches
Mit bürgerlichem Namen heisst die Blumenkünstlerin Angelika Kuttruff. In Wil erinnert man sich an sie als Mitinhaberin des ehemaligen Geschäftes Floristik Design Braun an der Weierstrasse. Dort hatte sie sich einen Namen als Schöpferin von aussergewöhnlichen Sträussen und Blumendekorationen geschaffen.

Weg von der Kopfarbeit
An ihrem heutigen Wohn- und Arbeitsort, einem umfunktionierten Bauernhof, gibt sie ihre langjährige Erfahrung an Kursteilnehmende weiter. Wie sie betont, geht es dabei weniger um Wissensvermittlung, sondern um das Begleiten von gestalterischen Prozessen. „Ich rege sie dazu an, von ihren Gedanken weg zu kommen und ihre Intuition zu schulen.“

Die Schulung geschieht in fünf workshopartigen Modulen, die zu verschiedenen Jahreszeiten stattfinden. In der Beschreibung eines Moduls heisst es etwa: „Der Werkstoff von Mutter Natur will gekrönt sein. Gestaltetes, erfundenes und kreiertes sollen einen bleibenden Platz in den Herzen finden.“

Ungewöhnliche Kombinationen
Zum Abschluss der fünf Module gestalten die Teilnehmenden jeweils eigenständige Kreationen. Am Sonntagnachmittag waren die gestalterischen Ideen und botanischen Skulpturen von zehn Frauen zu bewundern. Dazu hatten sie angejahrte Stühle, Bretter und Fensterrahmen, Einmachgläser, Glassturze, Waschzuber mit knorrigem Rebholz, herbstlich verfärbten Blättern, mit zu Ketten aufgefädelten Hagebutten, trockenen Blütenständen und Lampionblumen, Rosen, Moosstücke und Grashalme arrangiert. Mit offensichtlichem Geschick wurden dabei Farben und Formen gespielt.

Beachtliches Niveau
Das Ergebnis erinnert spontan an einen Spitzenkoch, der einige wenige ausgesuchte Lebensmittel gekonnt zu einem überraschenden optischen und geschmacklichen Mix vereinigt. Während der nachmittäglichen Schau projizierte ein Beamer fortwährend Schnappschüsse aus der Entstehungsphase an die Wand.

Jede der originellen Kreationen hat keinerlei Ähnlichkeit mit anderen Werken. Angelika Kuttruff kommentierte: „Wenn man bedenkt, dass die Kursteilnehmer alle keine entsprechende Berufsausbildung hinter sich haben, ist das Niveau der Arbeiten erstaunlich.“
Blumensträusse brauchen nicht zwangsläufig in einer Vase zu stehen.
Blumensträusse brauchen nicht zwangsläufig in einer Vase zu stehen.

Für ein geschultes Auge steckt die Natur voller Farben und Formen, die sich gekonnt arrangieren lassen.
Für ein geschultes Auge steckt die Natur voller Farben und Formen, die sich gekonnt arrangieren lassen.

Die Beschränkung der Farben verleiht einem Arrangement einen ganz besonderen Reiz.
Die Beschränkung der Farben verleiht einem Arrangement einen ganz besonderen Reiz.

Der Sommer sendet einen üppigen botanischen Abschiedsgruss.
Der Sommer sendet einen üppigen botanischen Abschiedsgruss.