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Wil: 06.11.2017
Keine Gugelhöpfe, sondern exakt arrangierte Heukuchen, im Hintergrund eine wiederkauende Kuh.
Keine Gugelhöpfe, sondern exakt arrangierte Heukuchen, im Hintergrund eine wiederkauende Kuh.

Wirkungsvolle Inszenierung
Eva-Maria Pfaffen zeigt Werke in der Kunsthalle Wil
Vroni Krucker
Die Ausstellung «Aus der Fülle» der Künstlerin erinnert an die ursprüngliche Nutzung des Raumes als Markthalle für Kleinvieh sowie Standort der Tansformatorenstation.

Fast meint man den typischen Geruch von Kaninchen, Geflügel usw. noch zu riechen – allerdings überlagert vom Geschmack der Farbe. Die Kunsthalle Wil versteht sich seit ihrer Gründung 1991 als Forum für zeitgenössische Kunst mit Fokus auf xperimentelles raumbezogenes Schaffen. Ausgestellt werden Künstlerinnen und Künstler, die bereits einige Jahre selbständig gearbeitet haben und mit innovativen, interessanten Werken aufgefallen sind, jedoch noch nicht zu den Stars der Kunstszene gehören.

Was macht gute Kunst aus …..
…..fragte Claudia Reeb zu Beginn ihrer Ausführungen. Die Antwort auf diese Frage habe sie zum Studium der Kunstgeschichte bewogen. Aber diese konnte ihr auch kein Dozent geben. Ihr Fazit: «Vermutlich muss jeder Betrachter eine Antwort selber finden» Gute Kunst brauche keine Erklärung, sie sei Denkanstoss und suche die Auseinandersetzung. Kunst spreche jeden anders an.

Einfache Rohstoffe
Gabrielle Obrist betonte die einfachen wertarmen Materialien. Das Wort «Etwas auf sich haben» gelte ganz besonders für die Werke der Künstlerin. Sie sollen eine Atmosphäre schaffen, Erinnerungen wach werden lassen, Erinnerungen an die Kindheit, die auch nach vielen Luzerner-Jahren noch immer präsent seien. Die mehrfach preisgekrönte Künstlerin ist seit 2001 als Dozentin an der Hochschule Luzern - Design & Kunst tätig. Sie unterrichtet im Vorkurs und in den Projektmodulen. Ihre Schwerpunkte bilden Material und Raum sowie Kunst im öffentlichen Raum. Für ihre Arbeiten erhielt sie verschiedene Auszeichnungen und Preise u.a. den Eidgenössischen Preis für Freie Kunst.

Eva-Maria Pfaffen
Aufgewachsen ist die in Luzern lebende und ausgebildete Kinderkrankenschwester im kleinen Walliser Dorf Ausserberg. Ihre Eltern führten einen Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb, das heisst, der grösste Teil der Arbeit wurde von Frauen und Kindern bewältigt. Diese Erfahrungen aus ihrer Kindheit beschäftigen die Künstlerin bis heute, sind Inspirationsquelle, prägen ihr gesamtes Tun. Sie verbindet in ihren Arbeiten Modernes mit Traditionellem und spiegelt Vergangenes mit Gegenwärtigem, immer in Bezug zum vorgegebenen Raum.

Sinnliche Erfahrungen
Es sind sehr wenige, aber eigenwillige Objekte, die in der Kunsthalle zum Nachdenken anregen. Eine raumgreifender, geschossverbindende Installation aus Butterpapier prägt das Erdgeschoss. Die fliessenden, leicht geschwungenen Papierstränge enden am Hallenboden in Formen, die an Tierhufe erinnern. Die Papierstränge können ebenso das Fliessen der Milch darstellen als auch die staksigen Beine von Jungtieren – und schon sind wir gedanklich wieder bei Szenen in der Kleinviehhalle. Etwas fast Vergessenes hat die Künstlerin an der Schmalseite des Raumes angebracht: Gipsabformungen eines im Wallis beim Melken benutzten Abschüttsiebs, so sogenannten «Volla». Die trichterartigen Gebilde harmonieren mit der Wand als gehörten sie dazu.

Heukuchen und Isolatoren
Auf der Galerie verströmt eine grosse Zahl von gepressten und akkurat nebeneinander gesetzten, Gugelhopf ähnelnde «Heukuchen» den Duft von getrocknetem Gras und lassen Erinnerungen an laue Sommernächte aufkommen, dahinter eine kurze Filmszene mit einer wiederkäuende Kuh, was aufzeigt, dass Eva-Maria Pfaffen die Nuancen und Feinheiten, die Achtsamkeit gegenüber der Natur am Herzen liegen. Im verwinkelten Zwischenraum stehen weitere Zeugen der Vergangenheit: filigrane Papierabformungen erinnern an die Strom-Isolatoren und lassen eine weitere Vergangenheit der Halle aufleben. Sie bekommen im Tageslicht den Ton von Elfenbein.

Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 17. Dezember, Donnerstag – Sonntag 14.00 - 17.00 Uhr

Am 15. November um 19.00 Uhr wird eine Führung durch die Ausstellung angeboten
Am 17. Dezember um 16.00 Uhr bietet sich die Möglichkeit, am Künstlergespräch teilzunehmen

Die Künstlerin Eva-Maria Pfaffen, Co-Kuratorin Claudia Reeb, Leiterin und Co-Kuratorin Gabrielle Obrist (von links) vor der voluminösen Darstellung im Erdgeschoss.
Die Künstlerin Eva-Maria Pfaffen, Co-Kuratorin Claudia Reeb, Leiterin und Co-Kuratorin Gabrielle Obrist (von links) vor der voluminösen Darstellung im Erdgeschoss.

Die Gipsabformungen der "Vollas"....
Die Gipsabformungen der "Vollas"....

.... verschmelzen mit der weissen Wand als gehörten sie fix dazu
.... verschmelzen mit der weissen Wand als gehörten sie fix dazu

Wie ein filigraner Vorhang wirken die langen Stränge aus Butterpapier
Wie ein filigraner Vorhang wirken die langen Stränge aus Butterpapier

Die "Isolatoren" erinnern an vergangene Zeiten der Kunsthalle
Die "Isolatoren" erinnern an vergangene Zeiten der Kunsthalle

Eva-Maria Pfaffen im Gespräch mit Roland P. Poschung, Inhaber der Firma Medien und Ausbildung
Eva-Maria Pfaffen im Gespräch mit Roland P. Poschung, Inhaber der Firma Medien und Ausbildung

Kunst bietet immer Gesprächsstoff
Kunst bietet immer Gesprächsstoff