iwp logo infowilplus.ch  
Orte
Spezial
Wil: 13.11.2017
Das Musiker-Duo Tenor Benjamin Berweger und Pianist Sebastián Tortosa. Die einzelnen Lieder handelten nicht nur von Sterben und Abschied.
Das Musiker-Duo Tenor Benjamin Berweger und Pianist Sebastián Tortosa. Die einzelnen Lieder handelten nicht nur von Sterben und Abschied.

Schwanengesang im Baronenhaus
Franz Schubert hatte seine letzten Lieder nicht unter dem Titel „Schwanengesang“ zusammengefasst.
Carola Nadler
Am zweiten Baronenhauskonzert dieser Saison in Wil waren der Tenor Benjamin Berweger und der Pianist Sebastián Tortosa zu Gast. Auf dem Programm stand Franz Schuberts „Schwanengesang“.

November. Draussen herrschte trübes, nasskaltes Wetter, erster Schnee hatte sich angekündigt. Gerne hätte man an diesem Sonntagnachmittag eine grössere Besucherschar im Baronenhaus gesehen. „Als es Zeit war, aufzubrechen, brach gerade dieser Sturm los“, meinte Roland Bosshart als Erklärung: Man habe sich dann wohl gescheut, das Haus nochmals zu verlassen.

Ganz im Zeichen dieses Wetters stand auch das Gedicht „Novemberstimmung“ von Martin Greif aus dem 19. Jahrhundert, mit dem Andrea und Roland Bosshart die Zuhörer begrüssten: Von kalt durchwehten Fluren ist da die Rede. Und: „Die ich geliebt, sind alle Staub“.

Todesjahr
Ganz in dieses Stimmungsbild passte denn auch das musikalische Programm: Franz Schuberts „Schwanengesang“. Schubert selbst hatte seine letzten Lieder nicht unter diesem Titel zusammengefasst, man war posthum einer Tradition gefolgt, nach welcher die letzten Werke eines Komponisten so bezeichnet werden.

Tenor Benjamin Berweger erzählte in seiner Begrüssung selbst von der Entstehungsgeschichte der Liedersammlung, die nebst einem einzigen Gedicht von Gabriel Seidl aus Texten von Ludwig Rellstab und Heinrich Heine besteht. Schubert war im gleichen Entstehungsjahr dieser aneinander entstandenen Lieder gestorben - durchaus möglich, dass er selbst daran gedacht hatte, diese als Zyklus herauszugeben.

Auseinandersetzung mit dem Tod
Die einzelnen Lieder handelten jedoch nicht - nur - von Sterben und Abschied. In der „Liebesbotschaft“ wird einem munteren Bächlein ein Gruss an die Liebste mitgegeben, das berühmte „Ständchen“ („Leise flehen meine Lieder“) schwelgt in den romantischsten Gefühlen und das Lied „Abschied“ gar zeigte sich als überaus munterer Abschied von einem Städtchen: „Du hast mich wohl niemals traurig gesehen, so kann es auch jetzt beim Abschied nicht geschehen“. Eine sympathische Einstellung.

Dennoch sind viele Lieder von schwerer Gemütslage geprägt, die Schubert trotz junger Jahre, aber von schwerer Krankheit gezeichnet, mit grosser Tiefe und Reife musikalisch umzusetzen wusste. So darf das zweimalig ausgesprochene „Gute Nacht“ - erst aufbegehrend, dann ergeben gelassen - in „Kriegers Ahnung“ sicher als Schuberts eigene Auseinandersetzung mit dem Sterben angesehen werden.

Keine Romantisierung
Benjamin Berweger bot mit seinem hellen, klaren Tenor einen völlig entschlackten Schubert, der ohne schwülstige Romantisierung in seiner Direktheit zu den Wurzeln der Gemütsregungen vorzudringen vermochte.

Bar jeglicher Schnörkel zeichnete der Sänger Verzweiflung, Hoffnung, Freude und Besinnung und verhinderte damit ein völliges Erschlagensein am Ende des Konzertes. Pianist Sebastián Tortosa passte sich in seinem Spiel diesem Klangbild sensibel an, wie Blätter an feinen Zweigen perlten seine Arpeggien, archaisch-urgewaltig dagegen die Bassmotive in „Der Atlas“.

Nächstes Baronenhauskonzert: Sonntag, 21. Januar 2018, 17.00 Uhr mit dem Manesse-Quartett.
Begrüsst wurden die Gäste von Andrea und Roland Bosshart.
Begrüsst wurden die Gäste von Andrea und Roland Bosshart.

Eindrücklicher Auftritt von Tenor Benjamin Berweger.
Eindrücklicher Auftritt von Tenor Benjamin Berweger.

Die Schubert-Melodien spielte Pianist Sebastián Tortosa.
Die Schubert-Melodien spielte Pianist Sebastián Tortosa.

Herzlicher Applaus für die beiden Musiker-Grössen.
Herzlicher Applaus für die beiden Musiker-Grössen.