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Oberuzwil: 04.12.2017
<br>An jedem Stand war adventliche Stimmung zu erleben, und zwar einzig mit warmem Licht und schönem Angebot.

An jedem Stand war adventliche Stimmung zu erleben, und zwar einzig mit warmem Licht und schönem Angebot.

<br>Der katholische Kirchenchor zeigte sich in tiefem Schwarz als optische Einheit, war aber auch gesanglich sehr gut in Form.

Der katholische Kirchenchor zeigte sich in tiefem Schwarz als optische Einheit, war aber auch gesanglich sehr gut in Form.

Hochbegehrter Glühwein am Weihnachtsmarkt Bichwil
1. Ausgabe eines stimmungsvollen Anlasses
Annelies Seelhofer-Brunner
Pünktlich auf den 1. Dezember änderte sich die Bichwiler Kulisse rund um die Kirche, der erste Schnee verzauberte die Gegend. Der Winter meinte es dann aber so gut, dass einem die Leute an den verschiedenen Ständen leidtun konnten, als am Samstag eine eklige Bise frostige Temperaturen noch frostiger fühlen liess. Auch die Musik kam an den zwei Markttagen nicht zu kurz, es gab gleich zwei gutbesuchte solche Anlässe in der Kirche. Die Querflötengruppe der Musikschule Oberuzwil beglückte im Pfarreiheim unter der Leitung von Daniela Löschnig mit adventlichen Weisen. Heiss begehrt waren das Kafistübli im Pfarreiheim und die Glühweinbar im Raiffeisenhüttli.

Vorgeschichte
Kerstin Schwarz wohnt am Bichwiler Kirchplatz. Und sie hatte anlässlich ihrer Ausbildung zur „Eventmanagerin“ für ihre Diplomarbeit die Idee, in Bichwil einen Weihnachtsmarkt auf die Beine zu stellen. Sie holte die katholische Kirchenverwaltung ins Boot, indem sie diese von der Idee überzeugte. Unter dem Dach von „Kirche und Kultur“ nahm das Unternehmen Fahrt auf. In Bichwil sind die Vereine immer zur Stelle, wenn eine gute Idee fürs Dorf aufkommt. Die Bichwiler Turnvereine sowie die Frauengemeinschaft Bichwil liessen sich von der Begeisterung anstecken, auch der katholische Kirchenchor Oberuzwil – in welchem etliche Bichwiler Sängerinnen und Sänger zu finden sind – erklärte sich zur Mitarbeit bereit.

Die Stiftung Dorfleben bot zudem finanzielle Hilfe an, sodass ein Organisationskomitee – OK – mit acht Leuten sich an die Arbeit machen konnte, immer unter den Fittichen von Kerstin Schwarz als Leiterin. Entstanden ist ein stimmungsvoller Weihnachtsmarkt mit ganz eigenem Charme, mit der Kirche und den Umgebungshäusern als Kulisse.

Offenes Singen mit dem katholischen Kirchenchor
Die Kirche war bis fast auf den letzten Platz gefüllt, als das Jugendensemble Bichwil-Oberuzwil den Singabend eröffnete, vermutlich bereits mit kalten Händen, hatten sie doch vorher schon auf dem Platz konzertiert. Wie immer wurden die jungen Leute von „alten Hasen“ aus der Musikgesellschaft Bichwil-Oberuzwil tatkräftig unterstützt. Die Formation kam am Schluss des Anlasses nochmals zum Zug, musste da aber erst die Instrumente neu einstimmen, denn die Kälte draussen zeigte schnell Wirkung.

Tabea Krucker am Cello, Marco D’Incau am Saxofon und die Panflötistin Sandra Scherrer sowie Roman Bislin-Wild am Keyboard verliehen dem gemeinsamen Gesang zusätzlichen Glanz. Besonders das Saxofon war immer wieder mit eigenen improvisatorischen „Ausflügen“ über den gesungenen Melodien zu hören.

Für alle Altersstufen
Esther Wild Bislin hatte eine generationenfreundliche Mischung von Advents- und Weihnachtsweisen zusammengestellt. Natürlich war es pures Glück, dass gleich das erste Lied – „Wyssi Flöckli“ von Peter Reber – mit den klimatischen Bedingungen auf dem Kirchplatz zusammenpasste. Die Dirigentin erklärte mit einem Augenzwinkern, dass sie in der Sommerhitze das Programm ausstudiert und einfach darauf gehofft habe, dass dann das Wetter auch mitspiele. Traditionelle Gospellieder wie „This Little Light of Mine“ lösten sich mit deutschen Melodien ab, wobei das eine oder andere Lied nach einigen „Übungsrunden“ auch bereits im Kanon gesungen werden konnte. Der Gesang füllte die Kirche, die brennenden Kerzen auf den Banklehnen trugen zur vorweihnachtlichen Stimmung bei. Und den Applaus sparten sich die begeisterten Besucherinnen auf einen entsprechenden Hinweis von Esther Wild Bislin auf den Schluss auf.

Nadja Räss und Markus Flückiger mit „Musik fast ohne Worte“
Auch am Samstagabend gab es ein musikalisches Feuerwerk in der Kirche. Die bekannte Jodlerin und frühere Intendantin der Klangwelt Toggenburg war zusammen mit dem Schwyzerörgeli-Virtuosen Markus Flückiger angesagt. Ganz so voll wie am Vorabend war die Kirche nicht, aber es interessierten sich doch sehr viele Musikbegeisterte für diesen Ausflug ins Silbensingen, in Jodelgesang über die üblichen Grenzen hinaus. Es gab keine Weihnachtslieder zu hören, dafür selbstkomponierte Klangreisen ins Churfirstengebiet. Doch da wurden nicht einfach Selun, Frümsel, Chäserugg und wie die sieben Spitzen alle heissen besungen, sondern selbst die Berge bekamen neue Namen, so etwa „Frümselchen“ oder auch „Hinderrückslig“. Auch mehrere - von ihr vertonte - Gedichte des Schwyzer Heimatdichters und Lyrikers Meinrad Lienert trug Nadja Räss vor.

Charmant führte die Sängerin – in einen schlichten schwarzen Cocktailkleid und blossen Armen dastehend, nur mit Stulpen etwas erwärmt - durch ihren klanglichen Ausflug in die Welt des Jodels. Ihre glockenhelle Stimme füllte den Kirchenraum mit einem zauberhaften Klanggefüge, ihre Pianissimi dagegen waren so zart wie ein hauchdünnes Gewebe. Ganz besonders gefielen die so unterschiedlich ausgestalteten Abschlüsse der einzelnen Jodelstücke, wie dies auch Esther Wild Bislin in ihrem Schlusswort und Dank an das Duo anmerkte.

Auch optisch ein Genuss
Es war zudem beglückend, Nadja Räss beim Singen zuzuschauen. Ihr Gesicht widerspiegelte die Begeisterung für die besonderen Töne, aber auch eine spitzbübische Freude an unüblichen Klangbildern, ohne sich je in unerträglichen Dissonanzen zu verlieren. Immer war ihr dabei Markus Flückiger ein umsichtiger Begleiter, welcher ihr ohne ein einziges Wort, dafür mit etlichen unterschiedlich gestimmten Schwyzerörgeli zur Seite stand. Auch ungewohnte Klänge aus dem hohen Norden mit hörbar anderem Ansatz beim Singen brachte Nadja Räss dem Publikum näher. Und wären Herdentiere in der Nähe der Kirche gewesen, so wären sie beim „Sässässä“, diesem Ruf der Sennen, sicher sofort herbeigeströmt…

Kulinarisches
Etwas Warmes war an diesen beiden Tagen heissbegehrt. Glühwein fand reissenden Absatz, aber auch heisses Risotto oder eine handwärmende Wurst. Der katholische Kirchenchor betrieb ein gutgehendes Café im Pfarreiheim. Der Service dort klappte vorzüglich, auch die Herren im Chor brachten sich ein, es wurde sogar der eine oder andere mit dem Abtrocknungstüechli auf der Achsel gesichtet. Torten gab es mehr als genug, dazu Gespräche über alle Generationen hinweg. Und im Raffeisenhüttchen trafen sich Verehrerinnen und Liebhaber von Glühwein oder alkoholfreiem Punsch.

Stimmungsvolle Kulisse
Kaum ein Platz eignet sich für so einen Markt besser als der Bichwiler Kirchplatz. Von Autolärm verschont, eingerahmt von den umstehenden Gebäude, dazu mit adventlichem Lichtzauber versehen, sah der Markt wie eine Märchenlandschaft aus. Die Stände waren in warmes Licht getaucht, welches einen genauen Blick auf die Auslagen vielleicht etwas erschwerte, aber eine tolle Stimmung verbreitete. Die ruhige Atmosphäre – es gab keine plärrenden Lautsprecher und kein „Merry Christmas“ in einer Endlosschleife, sondern einfach Gespräche von Du zu Du – trug das Ihre zu einem besinnlichen Einstieg in die Adventszeit ein.

Sehr schönes Angebot
An den Ständen standen im Zwiebellook gekleidete Männer und Frauen und oft auch Kinder, mit Kappen und oft auch Handschuhen versehen, wobei letztere nur fürs Geldeinziehen ausgezogen wurden. Das ging aber auch der potenziellen Käuferschaft so, besonders am Samstag blieb wohl manches Portemonnaie im Sack, weil es einfach zu kalt war, das benötigte Geld hervorzuklauben. Aber gesehen hat man ja, wer was anbietet, der Markt bot eine gute Plattform für die eigenen Produkte. Die Stände waren liebevoll ausgestaltet, auch das Angebot hochstehend. Und Naturmaterialien waren hoch im Kurs, alles in allem: ein in allen Teilen gediegener Markt.

Einzig die langen Öffnungszeiten waren anscheinend nicht für alle günstig, da es einfach so kalt war, dass man bereits nach kurzer Zeit fror. So waren denn auch viele Stände nach dem Konzert bereits abgeräumt. Ganz besonderes Mitgefühl hatte man mit den Schülerinnen und Schülern, die grad neben dem Friedhof ihren Stand hatten, völlig schutzlos der eisigen Bise gegenüber. Da hätte ein seitlicher Vorhang sicher Zustimmung gefunden. Kinder und Lehrkräfte spenden einen Teil des Erlöses für das Hilfswerk THEODORA.

Eisfeld für Jugend und Junggebliebene
Ein Eisfeld aus Kunststoff war für sportliche Leute angelegt worden. Da spielt das Wetter keine Rolle, laut Medienberichten ist das Material auch nicht so kalt wie richtiges Eis, dafür sind die Gleiteigenschaften etwas weniger gut. Doch das störte viele Kinder nicht, die auf dem Spielplatz des Kindergartens auf ihren Kufen herumfuhren, hinfielen, wieder aufstanden und es erneut versuchten. Man entdeckte auch den einen oder andern Papi oder auch ein Mami, die ihrem Nachwuchs zur Seite standen. An den Seitenwänden waren die Namen der Sponsoren auszumachen, ohne die ein solches Angebot kaum auf die Beine gestellt werden könnte.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt
Die Initiative einer einzelnen Person, nämlich Kerstin Schwarz, hat der ganzen Dorfgemeinschaft ein wunderschönes Erlebnis geschenkt. Gerade solche Angebote für Gross und Klein, wie in Bichwil in überschaubarem Rahmen gehalten, tragen zu einer tragfähigen Gemeinschaft bei. Man kennt sich, kommt ins Gespräch und kann in einem gemütlichen Lokal auch länger zusammensitzen. Ohne Freiwillige wäre ein solcher Markt allerdings nicht durchzuführen. Das Gefühl, etwas für die Gemeinschaft getan zu haben, wiegt jedoch den Zeiteinsatz bei Weitem auf. Lädt nicht gerade die Vorweihnachtszeit zu solchem Tun für Andere ein?



<br>Das Duo Nadja Räss/Markus Flückiger begeisterte mit teilweise ungewohnten Tönen und bescherte dem grossen Publikum ein einzigartiges Klangerlebnis.

Das Duo Nadja Räss/Markus Flückiger begeisterte mit teilweise ungewohnten Tönen und bescherte dem grossen Publikum ein einzigartiges Klangerlebnis.

<br>Beim Bichwiler Spielplatz konnten sich Kinder und Erwachsene auf dem temporären - allerdings synthetischen -  Eisfeld vergnügen.

Beim Bichwiler Spielplatz konnten sich Kinder und Erwachsene auf dem temporären - allerdings synthetischen - Eisfeld vergnügen.

<br>Ob da Finger und Ventile immer mitmachen mochten, bei der Kälte vor der Kirche? Das Jugendorchester hielt tapfer durch und erfreute draussen und beim Singen auch drinnen.

Ob da Finger und Ventile immer mitmachen mochten, bei der Kälte vor der Kirche? Das Jugendorchester hielt tapfer durch und erfreute draussen und beim Singen auch drinnen.

<br>Esther Wild Bislin hatte die musikalischen Fäden stets im Griff, führte durch das Offene Singen am Freitag und begrüsste und verabschiedete die musikalischen Gäste am Samstagabend mit sichtlicher Freude.

Esther Wild Bislin hatte die musikalischen Fäden stets im Griff, führte durch das Offene Singen am Freitag und begrüsste und verabschiedete die musikalischen Gäste am Samstagabend mit sichtlicher Freude.

<br>Nadja Räss gab zu ihren Jodelkompositionen humorvolle Erklärungen ab. Singen scheint warm zu geben, denn sie trat ärmellos, im hübschen kleinen Schwarzen und nicht etwa in Tracht auf.

Nadja Räss gab zu ihren Jodelkompositionen humorvolle Erklärungen ab. Singen scheint warm zu geben, denn sie trat ärmellos, im hübschen kleinen Schwarzen und nicht etwa in Tracht auf.

<br>Sehr stimmungsvolle Atmosphäre auf dem Kirchplatz Bichwil...

Sehr stimmungsvolle Atmosphäre auf dem Kirchplatz Bichwil...

<br>Vieles war selbstgemacht, was an den Ständen angeboten wurde, zudem hübsch ausgestellt - wenn da nur die Kälte nicht gewesen wäre.

Vieles war selbstgemacht, was an den Ständen angeboten wurde, zudem hübsch ausgestellt - wenn da nur die Kälte nicht gewesen wäre.

<br>Im Kafistübli im Pfarreiheim dagegen musste niemand frieren. Es war äussert gut besucht.

Im Kafistübli im Pfarreiheim dagegen musste niemand frieren. Es war äussert gut besucht.

<br>Diese Frau hat alles ins Rollen gebracht: Kerstin Schwarz aus Bichwil, welche mit diesem Projekt ihre Diplomarbeit zur Event-Managerin schrieb.

Diese Frau hat alles ins Rollen gebracht: Kerstin Schwarz aus Bichwil, welche mit diesem Projekt ihre Diplomarbeit zur Event-Managerin schrieb.