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Wattwil: 02.02.2018
„Ist dein Unternehmen gerüstet für eine allenfalls schnelle Eigentumsveränderung?“<br>
„Ist dein Unternehmen gerüstet für eine allenfalls schnelle Eigentumsveränderung?“


Impulse wurden zur Pulsmessung
Der erste Impulsapéro im 2018 des Jungunternehmerzentrums Flawil fand bei der Niederlassung in Wattwil statt.
Peter Küpfer
An der Impulsveranstaltung des Jungunternehmerzentrums im Thurpark Wattwil nahm sich Christoph Brunner von OBT-Treuhand St. Gallen speziell Gesetzesänderungen per Neujahr und der Nachfolgeregelung von Unternehmen an. Die Fragestellung: „Ist dein Unternehmen fit für eine womöglich schnell zu realisierende Eigentumsveränderung?“

Die substantiellen Ausführungen des Referenten zu einschneidenden Neuerungen in der Steuerpraxis interessierten nicht nur Jungunternehmer. Die Frage nach der „Fitness“ des eigenen Unternehmens, plötzlich einen Eigentumsübergang zu realisieren, machte betroffen. Unter den Teilnehmenden war auch Regierungsrat Bruno Damann.

Mit den Impulsaperos offeriert das Jungunternehmerzentrum seit Jahren regelmässig von Fachleuten gecoachte Weiterbildungen zu aktuellen Themen.

Unternehmerische Herausforderungen angesprochen
An der ersten Veranstaltung im neuen Jahr referierte Christoph Brunner, Bereichsleiter Treuhand St. Gallen bei der OBT und Mitglied der Geschäftsleitung, über zwei brennend aktuelle Themen. Sie stiessen auf reges Interesse, nicht nur bei Jungunternehmern, sah man in den Reihen der Teilnehmenden doch auch manch lebenserfahrenes Gesicht.

Daniel Blatter, Präsident der Niederlassung Toggenburg, begrüsste im kleinen Saal des Thurparks Wattwil unter den Zuhörern auch Regierungsrat Bruno Damann, Vorsteher des St. Galler Volkswirtschaftsdepartements.

Einschneidende Änderungen der Steuerpraxis
Einleitend betonte der Referent, die aktuellen Neuerungen seien nicht durch neue Gesetzesprojekte generiert, sondern durch deren Scheitern im vergangenen Jahr. Damit verwies er auf das Nein der Stimmbürger zur lange geplanten Reform der Altersversicherungen sowie der Unternehmensteuer-Reform.

Auch die langwierige und komplexe Regelung des Verhältnisses der Schweiz zur EU habe Veränderungen in der Steuerpraxis bewirkt, auf die der Referent nicht konkret einging.

Tendenz: Dichteres Regelungsnetz
Umso konkreter wurde Brunner bei aktuellen Veränderungen in der behördlichen Handhabung der Steuerpraxis. Hier wartete der Experte mit einer Reihe von Beispielen auf, welche die Praxis in Steuerfragen ab dem 1. 1. 2018 veränderten, teilweise einschneidend. Sie reichten von Veränderungen bei den direkten Steuern über diejenigen bei der Mehrwertsteuer bis zur Verrechnungssteuer.

Dabei betonte der Referent, dass die Tendenz in die Richtung gehe, früheren Ermessensspielraum durch kleinmaschigere Regeln zu ersetzen. Sie hätten gerade auch im Steuerwesen zur Folge, dass Bereiche, die früher gegenüber den Behörden ausgehandelt werden konnten, nun deutlich weniger Spielraum liessen.

Bitcoins-Gewinne als Vermögen
Neu gelte zum Beispiel bei den direkten Steuern die vereinfachte Abrechnung ab dem 1. 1. 2018 nur noch eingeschränkt. Gewinne bei Kryptowährungen wie zum Beispiel den viel erwähnten Bitcoins gelten neu als Vermögen und müssten im Wertschriftenverzeichnis aufgeführt werden. Gewinne bei privaten Beteiligungen, bisher steuerfrei, unterlägen neu verschiedenen Einschränkungen. Sie machten sich auch bei Handänderungen bemerkbar, indem Kaufpreiseinigungen hinsichtlich des Konkurrenzverbots, allfällige Darlehen des Verkäufers oder Earn-out-Klauseln neu als Einkommen eingestuft und entsprechend versteuert würden.

Bei den Änderungen im Bereich Mehrwertsteuer wies der Referent darauf hin, dass die Änderungen der Mehrwertsätze numerisch zwar geringfügig seien, den Unternehmen jedoch beträchtlichen Mehraufwand brächten. Bei den Veränderungen im Bereich der Verrechnungssteuer gelte neu: Im Falle, dass Aktien zwar deklariert, die Dividende irrtümlich aber nicht („vergessen!“), entfalle der Anspruch auf Rückforderung – eine Praxis, die der Bundesrat für nicht gerechtfertigt ansehe und deshalb eine Änderung auf Gesetzesstufe vorbereite.

Automatischer Informationsaustausch
Der Referent wies in diesem Zusammenhang auf ein kritisches Datum hin. Die Eidgenössische Steuerverwaltung gehe von der „ Fiktion“ aus, dass aufgrund des automatischen Informationsaustausches die Steuerbehörden spätestens am 30. September 2018 Kenntnis von allen Steuerfaktoren habe, die dem Austausch unterlägen. Dies habe zur Folge, dass ab diesem Zeitpunkt Selbstanzeigen nicht mehr straflos behandelt würden.

Ist Dein Unternehmen fit für einen Eigentumswechsel?
Auch das zweite Thema fesselte die Zuhörer. Man habe die Tendenz, so der Referent, einen Handwechsel des eigenen Unternehmens vor allem in Hinsicht auf die Generationenablösung und der Frage nach der Nachfolge wahrzunehmen. Das hat ja alles noch Zeit, so die vorwiegende Tendenz.

Der Referent brachte durch ein einschneidendes Beispiel aus der Praxis zum Bewusstsein, dass sich Umstände zu einem Eigentumsübergang jederzeit einstellen könnten und dann manchmal auch schnelles Handeln gefragt sei. Eine schwere Krankheit in einem Familienunternehmen, wo der Chef alles entscheide, alles wisse und oft auch ausführe, könne sein Weiterbestehen gefährden. Dann komme es darauf an, wie gut es auf einen solchen Fall konkret vorbereitet sei.

Grenzen der Regelungsdichte
Die Diskussion wurde rege benützt. Es zeigte sich bei den engagierten Votanten eine klare Tendenz. Sie beklagten sich teilweise in deutlicher Form gegen den immer dichter werdenden administrativen Wildwuchs. Gerade auch an die Adresse des anwesenden Regierungsrates sagte ein Votant: „Hört endlich auf mit diesem Unsinn! Wir Unternehmer ersticken im uns auferlegten dauernden und kontraproduktiven Administrativkram!“.

Weitere Votanten bekräftigten diese Stimme. Es sei schon lange eine obere Grenze des Zumutbaren erreicht. Zwar nahm Regierungsrat Damann, der als Mitglied der Vereinigung als Zuhörer anwesend war, nicht Stellung. Im angeregten Gespräch am Apérotisch nach der Veranstaltung aber schon. Er habe den Abend sehr informativ und anregend gefunden, sagte er im Gespräch mit Inforwilplus. Für ihn sei der Kontakt mit der Wirklichkeit und der Unternehmerbasis sehr wichtig. So gingen die Impulse an diesem Informationsabend von mehreren Seiten aus.
Referent Christoph Brunner fesselte durch Praxisnähe und Substanz.<br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br>
Referent Christoph Brunner fesselte durch Praxisnähe und Substanz.



















Regierungsrat Bruno Damann: „Für mich ist der Kontakt mit der Basis ein wichtiger Bestandteil. Zudem bin ich Mitglied des Jungunternehmerzentrums.“<br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br>
Regierungsrat Bruno Damann: „Für mich ist der Kontakt mit der Basis ein wichtiger Bestandteil. Zudem bin ich Mitglied des Jungunternehmerzentrums.“





















Die Diskussionen gehen beim Apéro rege weiter. Rechts Regierungsrat Bruno Damann.<br><br><br>
Die Diskussionen gehen beim Apéro rege weiter. Rechts Regierungsrat Bruno Damann.




An allen Tischen ist viel Engagement in der Sache spürbar.<br>
An allen Tischen ist viel Engagement in der Sache spürbar.


Die Ausführungen kamen bei den Zuhörenden sichtlich an.
Die Ausführungen kamen bei den Zuhörenden sichtlich an.

Impulse auch von Betroffenenseite: Teilnehmende Unternehmer beklagten das Überhandnehmen von administrativem Aufwand.
Impulse auch von Betroffenenseite: Teilnehmende Unternehmer beklagten das Überhandnehmen von administrativem Aufwand.