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Uzwil: 09.02.2018
Franziska Gehr im Raum, der ihrem Vater Ferdinand Gehr gewidmet ist. Sein Sgraffito prägt auch den Lichthof des Hauses.<br>Quelle: Bildform Henau, Peter Dotzauer
Franziska Gehr im Raum, der ihrem Vater Ferdinand Gehr gewidmet ist. Sein Sgraffito prägt auch den Lichthof des Hauses.
Quelle: Bildform Henau, Peter Dotzauer

30 Tage im neuen Gemeindehaus
Ein Blick auf den ersten Monat im neuen Uzwiler Gemeindehaus zeigt zahlreiche positive Rückmeldungen.
gk
Gut 30 Arbeitstage hat das Uzwiler Gemeindehaus hinter sich. Zeit für eine erste Bilanz zum Betrieb. Fazit: "Wir sind gut angekommen".

Hinein ins neue Gemeindehaus – der erste Eindruck ist völlig anders als früher. Menschen statt anonymer Irrgartenathmosphäre. Das Team der Réception bietet verschiedenste Kurzdienstleistungen gleich im Eingangsbereich. Und ist für viele Kundinnen und Kunden auch menschlicher Wegweiser durchs Haus. Marielle Keller, welche den Betrieb der Réception verantwortet: «Wir erhalten sehr viele positive Rückmeldungen der Kundinnen und Kunden. Den meisten gefällt, was sie antreffen.»

Einfach bis komplex
Verschiedene Abteilungen im Gemeindehaus haben mit Menschen in anspruchsvollen Lebenssituationen zu tun. Die Mitarbeitenden schildern übereinstimmend, in der neuen Infrastruktur seien schwierige Gespräche deutlich entspannter. Zurückzuführen auch darauf, dass die Schalteranlagen grosszügiger und diskret gestaltet sind. Das schaffe eine angenehme Distanz.

Und: Die Schalter sind nach hinten auch gegen die Arbeitsbereiche zu. Das schaffe einen vertraulichen Rahmen, den die Kundinnen und Kunden schätzten, sie fühlten sich offensichtlich wohler.

Trauzimmer kommt gut an
Für die vielfältigen Begegnungen zwischen Bevölkerung und Verwaltung stehen nebst den Schaltern unterschiedliche Besprechungsräume zur Verfügung. Sie sind Persönlichkeiten gewidmet, deren Wege sich mit Uzwil gekreuzt haben.

Auch ein besonderer Raum ist das Stickereizimmer im Dachgeschoss. Bereits 16 Paare wurden dort getraut. «Der textile Raum kommt bei Brautpaaren gut an», sagt Franziska Wirth, Leiterin der Einwohner- und Zivilstandsdienste.

Viel Technik
Minergiegebäude, kontrollierte Lüftung, Einbruchmeldeanlage, Brandmeldeanlage, Lichtsteuerungen – Gebäude wie das neue Gemeindehaus sind vollgepackt mit Technik. Sie hilft. Und ist gleichzeitig Herausforderung. Die üblichen Kinderkrankheiten sind weitgehend ausgestanden, verschiedene Feinjustierungen in den Steuerungen vorgenommen. Auch das Gebäudeklima im Zusammenspiel von Heizen und Lüften ist inzwischen gut einreguliert.

Telefonie
Mit dem Umzug haben auch die Telefonnummern geändert. Der Telefonieanbieter war nicht in der Lage, die rund 100 alten Telefonnummern mit einem individuellen Ansagetext hin zur neuen Nummer der gewünschten Mitarbeiterin zu versehen.

Für alle 100 alten Nummern war nur eine identische Ansage mit dem Verweis auf eine neue Nummer möglich. Und so landet aktuell noch immer ein grosser Teil der Anrufe fürs Haus in der Réception. Zu Spitzenstunden stauts dort, gehen Anrufe ins Leere. Um das zu verbessern, setzt die Verwaltung zusätzliche Ressourcen ein.

Sie können helfen
Auch Kundinnen und Kunden können ihren Beitrag leisten. Rufen Sie bitte auf die Direktnummern der Mitarbeitenden an. Sie steht auf jedem Schriftstück und Mail sowie auf der Homepage der Gemeinde in der Rubrik Ansprechpartner.

Oder wählen Sie die Direkt-Nummern der einzelnen Abteilungen: Bau (Baubewilligungen, Strassen, Kanäle) 071 950 4090 | Betreibungen 071 950 4060 | Einwohnerdienste 071 950 4010 | Finanzen 071 950 4040 | Gemeindeführung (Präsidium, Kanzlei, Personaldienst, Verwaltungsleitung) 071 950 4110 | Grundbuch 071 950 4080 | Infrastruktur (Sport- und Freizeitanlagen, Liegenschaften) 071 950 4100 | Réception 071 950 4000 | Schule 071 950 4020 | Soziales (AHV, Alimenten, Sozialhilfe) 071 950 4050 | Steuern 071 950 4030 | Zivilstandsdienste 071 950 4011

Tag der offenen Türe
Sie müsse nur Formulare holen, sagt eine Kundin im neuen Haus. Und entschwindet in den Schalter einer Verwaltungsabteilung. Sie hätten einige Kundinnen und Kunden, die Formulare abholten, die sie eher nicht brauchten. Wohl einfach, um einen Blick ins Haus zu werfen. So die schmunzelnde Vermutung einer Mitarbeiterin.

Nun: Das Gemeindehaus ist ein öffentliche Haus, ein offenes Haus. Man kann natürlich auch einfach so hineingehen und sich in den öffentlichen Bereichen umschauen. Mehr zu sehen – natürlich auch den Blick hinter die Kulissen – gibts am Tag der offenen Tür vom Samstag, 5. Mai. Infos dazu später im Uzwiler Blatt.

Gedenken an Werner Walser
Die traurige Nachricht überraschte, dass Werner Walser, der sich von 1990-2011 als Gemeindepräsident für Uzwil einsetzte, völlig überraschend und unerwartet im 69. Altersjahr gestorben ist. Das macht uns tief betroffen, haben doch viele Mitglieder des Gemeinderates und Mitarbeitende der Verwaltung lange Jahre und gerne mit ihm zusammengearbeitet. Seiner Familie und den Angehörigen möchten wir unser tiefes Beileid ausdrücken.

Die Abdankungsfeier findet am Montag, 12. Februar 2018, um 14.00 Uhr, in der evangelischen Kirche in Niederuzwil statt.
Lucas Keel, Gemeindepräsident

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Menschen: Margrith Bigler-Eggenberger
Dezember 1971, ein Jahr nach Einführung des Frauenstimmrechts auf eidgenössischer Ebene. Margrith Bigler-Eggenberger wird von der Vereinigten Bundesversammlung ohne grössere Probleme als Ersatzrichterin für das höchste Schweizer Gericht gewählt. Zwei Jahre später kandidiert sie als ordentliche Bundesrichterin. Es kam zu einer Wahl mit Nebengeräuschen. Die Wahl der ersten weiblichen Richterin schlug vielen Parlamentariern auf den Magen.

Einige deutsch-schweizerische Zeitungen überboten sich mit bösen Kommentaren. Und: Die Unterlagen auf den Tischen der National- und Ständeräte zeigten das vernichtende Bild einer kaum qualifizierten Praktikantin und Hausfrau. «Offensichtlich wurde mein Lebenslauf zusammengestrichen, um das negative Bild der unfähigen Frau zu bestätigen, welche vom Kochtopf ins Bundesgericht will. Das hat mich sehr geschmerzt.» Ihre Dozentur an der Hochschule St. Gallen, ihr Amt als Versicherungsrichterin verschwanden über Nacht aus ihrem Lebenslauf.

Die Wahl einer Frau in diese Männerdomäne wollte mit allen Mitteln verhindert werden. Ein veritabler Krimi im Bundeshaus. Mit gutem Ausgang: Sie schafft die Wahl hauchdünn. Und blieb 17 Jahre lang die einzige Bundesrichterin. Ihr Start am Bundesgericht war nicht einfach. «Es gab Kollegen, die sich weigerten, mit mir zu sprechen.» Glücklicherweise gab es auch andere.

Frau der ersten Stunde
Margrith Bigler-Eggenberger wurde 1933 in Niederuzwil geboren, absolvierte hier die Schulen, schloss die Kantonsschule St. Gallen mit der Maturität ab. Sie schloss ihr Studium mit dem Doktorat beider Rechte ab, erlangte das Anwaltspatent, arbeitete als Rechtsanwältin. Damals ein Weg abseits der anerkannten Frauenrolle. Sie wurde im Elternhaus politisiert. Verstand nicht, weshalb sie anders als ihr Bruder nicht wählen und abstimmen durfte.

Margrith Bigler-Eggenberger war von früh auf überzeugt: In einer modernen Demokratie muss die Gleichstellung von Mann und Frau selbstverständlich sein. Als Juristin war sie konfrontiert mit Gesetzen, die Frauen oft schlechter behandelten als Männer. Juristinnen wie Margrith Bigler-Eggenberger wollten das ändern. Waren bereit, dazu selber einen hohen Einsatz zu leisten, wurden angefeindet. Sie kämpfte dafür, dass Frauen in der Politik mitentscheiden und mitgestalten konnten. Und sie wollte die neuen Chancen des Frauenstimmrechts selber nutzen. Margrith Bigler-Eggenberger ging als Frau der ersten Stunde voran.







Werner Walser: Eine Erinnerung an gute Zeiten im Uzwiler Gemeindehaus.
Werner Walser: Eine Erinnerung an gute Zeiten im Uzwiler Gemeindehaus.

Margrith Bigler-Eggenberger im Raum, der ihr im neuen Gemeindehaus gewidmet ist.<br>Quelle: Bildform Henau, Peter Dotzauer
Margrith Bigler-Eggenberger im Raum, der ihr im neuen Gemeindehaus gewidmet ist.
Quelle: Bildform Henau, Peter Dotzauer