Sinnestexte von Stadtpfarrer Meinrad Gemperli)
Gruss euch allen, liebe Leute, zum Laternenumzug heute.
Die Laternen erinnern uns daran was kaum einer mehr verstehen kann. Keine Leuchten gab es an den Strassen ohne Licht die kleinen, engen
Gassen.
Um Nacht und Dunkel zu erhellen musste jeder eine Latern‘ ins Fenster stellen, geschützt gegen Wetter und den Wind damit jeder seine Türen find.
Da gab jeder selber darauf acht, dass es ein wenig hell war in der Nacht.
Das wollen uns die Laternenlichter sagen, die wir heute durch die Strassen tragen. Mehr als Tausende von Kilowatt
bringen Menschen Licht in unsere Stadt. So ziehen wir jetzt gleich los, alt und jung, klein und gross, und halten Rückschau, wo es in unserer Stadt
helle - und da und dort auch erloschne - Lichter hat.
* * * *
Das haut dich um, oben auf dem Turm,
Höchste Wonne an der Sonne,
und weite Sicht bei klarem Licht.
Für manche schon fast eine Vision.
Mit Spott und Hohn, der Welten Lohn,
die Initianten lichterloh verbrannten.
Doch schon kurz darauf, wollen alle rauf,
das Projekt war richtig, und gar weitsichtig.
In heimeligen Nischen grosses Lichterlöschen.
Nach Cafe lustieren wird nur frustrieren.
Nach 150 Jahren Tradition Berling‘scher Café-Vision,
aus das Träumen in diskreten Räumen,
mit Hinze politisieren und Kunze karisieren,
Klatschen, Zeitung lesen wär zu schön gewesen.
Stadt der Kultur, denkt euch nur
alle die da kamen mit Rang und Namen.
Grosse und auch Kleine, doch alle picco-feine
Bundesrat Couchepin Pascal,
die Regierung von Samt Gall,
der Stadtsaal im Akzent des alten Orient
molto con fuoco zur Opera Nabucco.
Mit stimmgewaltgen Helden in schönsten Melodien schwelgen,
und weltberühmten Chören Ohr und Herz betören.
Glänzende Regie, topp Choreographie,
totaler Augen-Ohrenschmaus und stehender Applaus.
Wil in bestem Licht - ein einziges Gedicht.
Keiner wird es wagen leichtsinnig herzusagen
oder gar mit Häme, ob denn was Gutes käme
aus der fürstäbtischen Stadt, die doch zwei Regierungsräte hat.
Und gleich zwei Frauen, den Augen kaum zu trauen.
Wenn auch in zweierlei Couleur, regieren beide mit Honneur.
Die Karin bravourös und elegant, hält die Zügel in der Hand.
Führt die Regierung durch das Jahr, als ob sie schon immer Chefin war.
Ich denke, die Huber und die Keller, machen den Kanton schon etwas heller.
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Da bist du platt, in unserer Stadt
wimmelts von Gremien und Strategien,
die zu bessern Lebensräumen führen.
Siedlung und Verkehr studieren,
Landschaft, Energie und Umwelt maximieren.
Eingebunden in die Küre
sind Parteien, Schulen und Quartiere.
Tourismus, Migranten und die Kirchen
und natürlich blitzgescheite Tierchen
von Architekten, Planern, Soziologen
sind zur Entwicklung beigezogen.
Eine clevere Lenkungsgruppe
fischt jedes Härchen aus der Suppe,
bringt Interessen unter einen Hut,
nicht zu denken, was sich da tut.
Doch eine Frage sei erlaubt:
ob auf gute Fundamente baut,
wenn auf soviel „Hardware“ wir versessen
und die „Software“ Mensch vergessen.
Vor alten Zeiten Freude zu bereiten
haben Musen den Busen
unserer Stadt geküsst, das Leben uns versüsst.
Orchester, schöne Stimmen, bringen fast von Sinnen.
Theater, Literatur und Dichtung sind Anliegen und Verpflichtung.
Mal gross, mal klein, doch stets adrett und fein,
mal laut, mal leise, machen sie uns weise.
Einfallstor für die Kultur - was wäre Wil doch nur
gäb‘s nicht zum Exempel, die Tonhalle, unsern Musentempel.
Es ehrt die Bürger und die Stadt, dass sie ein solches Bijoux hat.
Die Alten haben uns gelehrt, was ein Sprichwort uns erklärt
Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Da ist von der Abtei St. Gallen, uns ein reiches Erbe zugefallen:
Der Hof zu Wil mit seinen Kostbarkeiten,
damals wohl gebaut für ew‘ge Zeiten.
Ein Denkmal für Repräsentation und landesweiter Reputation
zu fürstäbtischem Regieren und herrschaftlichen Allüren.
Den Hof mit Leben neu zu füllen, in Dienst der Menschen heut zu stellen,
haben mut‘ge Zeitgenossen die “Stiftung Hof‘ einmal beschlossen.
Nach des Ausbau‘s erstem Streich, folgt der zweite nun sogleich.
Wir wünschen Mut und recht viel Glück,
Denkmäler brauchen viel Geschick,
und eine schöne Stange Geld, die alles erst zusammenhält.
* * * *
Grosse Lichter, kleine Lichter,
einfache und kunstvoll geformte,
farbenprächtige und genormte
habt ihr Kinder durch die Stadt getragen.
Nur eines möchte ich dazu noch sagen:
Ein Licht anzünden und es weitergeben
hilft uns miteinander leben.
Licht sei jeder, wie er kann,
ob gross, ob klein, kommt nicht drauf an.
Denn mehr als Tausende von Kilowatt
bringen Menschen Licht in unsere Stadt.