Ortsplanung Zuzwil: Die Zukunft gestalten

 

 

Gemeindepräsident Roland Hardegger betonte die Notwendigkeit, der dörflichen Entwicklung in Rücksicht auf das Gestern, aber auch in Aussicht auf das Morgen einen bestimmten Rahmen zu geben.

 

Gemeinderat Markus Bösch verlangte Weitsicht in der Ausgestaltung der Infrastruktur.

 

Nach Gemeinderat Ruedi Peter bietet Zuzwil schon heute zahlreiche Naherholungsgebiete, welche es zu erhalten und zu schützen gelte.

 

Ortsplaner Armin Meier zeigte das Vorgehen bei der Bewertung von  schützenswerten Gebäuden auf.

 

Auch im Anschluss an die Information wurde rege diskutiert.

Les absents ont toujours tort (Die Abwesenden haben immer Unrecht)
Eine angeregte Fragerunde machte deutlich, dass der Anlass auf ein sehr positives Echo gestossen war. Die Informationsveranstaltung vom Donnerstagabend zeigte eindrücklich auf, mit welch komplexer Materie sich der Gemeinderat innerhalb und ausserhalb seiner Sitzungen zu befassen hat. Er muss die Gemeinde wie seine Hosentasche kennen, um zukunftsträchtige Entscheidungen treffen zu können.

Auf eindrückliche Art und Weise, kompetent, anschaulich und leicht verständlich präsentierten Gemeindepräsident Roland Hardegger, die Gemeinderäte Rudolf Peter und Markus Bösch sowie Ortsplaner Armin Meier eine Arbeit, welche von der Bevölkerung kaum je so deutlich wahrgenommen wird wie an dieser Veranstaltung. Wer Hintergründe und Zusammenhänge sieht, wird im Alltag einiges mit anderen Augen anschauen oder anders einordnen können. Vom heutigen Einsatz für bleibende Werte und eine nachhaltige Entwicklung über lange Zeiträume werden auch künftige Generationen noch profitieren können.
Walter Brunner

 
 

Walter Brunner 5. 5. 07

 

Das Zuzwiler Dorfbild wird durch zahlreiche schützenswerte Objekte geprägt: Links das ehemalige Haus August Josef mit Mosterei, rechts das Zehntenhaus mit Scheune im Besitz von Albert Koller an der Hinterdorfstrasse.

Zuzwil ist mehr als Lichtsignal und Autoausstellung
Die Vergangenheit wieder mit der Gegenwart in Einklang zu bringen, dies ist das Ziel des überarbeiteten Ortsplanes.

In einer fast zweistündigen Präsentation stellte eine Delegation des Gemeinderates zusammen mit einem Raumplaner die strategische Ausrichtung für die Entwicklung der Gemeinde Zuzwil in den kommenden Jahren vor. Im Vordergrund stehen die Förderung der historischen Eigenart von Zuzwil, die Verlagerung der Bauentwicklung in Zonen höherer Dichte und die Förderung der Quartierqualität im Sinne der Identifikation mit dem Ort.

Gemeindepräsident Roland Hardegger begrüsste im Pfarreiheim Zuzwil rund 50 Interessierte, um die vielfältigen Überlegungen des Gemeinderates bezüglich Zukunftsgestaltung transparent zu machen.

Gestern – heute – morgen in Einklang bringen
Dass für die sich rasant entwickelnde Gemeinde Zuzwil eine seriöse Planung unabdingbar ist, liegt auf der Hand. Es darf nicht sein, dass nach Lust und Laune gebaut wird, ohne das Gestern und das Morgen einzubeziehen. Bereits in der Vergangenheit wurde den Bestimmungen des kantonalen Baugesetzes, welches durch die Ortsplanung die zweckmässige Nutzung des Bodens sowie die geordnete Besiedlung und die bauliche Entwicklung des Gemeindegebietes sicherstellt, Rechnung getragen.

In der dynamischen Entwicklung der vergangenen Jahre mussten aber  immer wieder Anpassungen und Ergänzungen vorgenommen werden, so dass das ursprüngliche Konzept heute nicht mehr klar ersichtlich ist. Es galt deshalb, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so miteinander in Einklang zu bringen, dass die Gemeinde optimal funktionieren kann. Die Stichworte Schutz, Gestaltung, Verkehr und Infrastruktur zeigen, wie vielfältig die Materie ist und wie viele Aspekte in einer Richtplanung Eingang finden müssen.

Von der Strategie zu konkreten Massnahmen
Drei strategische Hauptpunkte stellte Gemeindepräsident Hardegger als Leitlinien vor. Eine erste betrifft die Förderung der historischen Eigenart von Zuzwil sowie die räumlich-infrastrukturelle Vernetzung der Neubaugebiete mit den historischen Zentren. Weiter strebt man die Verlagerung der Bauentwicklung in Zonen höherer Dichte und des Geschosswohnbaus in Zentrumsnähe an. Die dritte Strategie befasst sich mit der Etappierung des Baulandangebotes und der Förderung der Quartierqualität im Sinne der Identifikation mit dem Ort.

Diese abstrakten Begriffe müssen nun in konkrete Massnahmen umgesetzt werden, was nicht ohne ebenso konkrete Grundlagen realisiert werden kann.

Ortsbildinventar
So wurde das bereits bestehende Ortsbildinventar aus dem Jahr 1984 vollständig überarbeitet und ergänzt. Zusammen mit Fachleuten begab sich der Gemeinderat zu Fuss und per Rad auf eine Tour de Zuzwil und veranlasste im Anschluss mit der Inventarisierung die Grundlagenarbeit. Ortsplaner Armin Meier legte anschaulich dar, wie jedes schützenswerte Gebäude nach bestimmten Kriterien bewertet wird. In einer dicken Broschüre ist aufgrund eines Rasters jedes Objekt auf einem Inventarblatt klassifiziert. Relevante Punkte sind unter anderen die architektonische Qualität, die künstlerische Substanz, Archäologie und Geschichte, die bauliche Substanz, der denkmalerische Zustand und der Stellenwert im Ortsbild.

Auch kleine Details und Merkmale eines Hauses sind auf einem solchen Blatt beschrieben. Die Besitzer dieser Objekte werden mit Merkblättern darüber informiert, was sie bei anstehenden Veränderungen zu beachten haben. Sanierungen sind mit vielen Auflagen verknüpft, was meist eine Verteuerung des Projekts nach sich zieht. Immerhin bezahlen Gemeinde und Kanton in solchen Fällen Beiträge oder bieten Hand zu einer Steueroptimierung. Neben den rein finanziellen Werten sind es aber vor allem ideelle Werte wie Freude am Objekt und Stolz, welche Grundeigentümer für ihren Aufwand entschädigen.

Naturschutz
Gemeinderat Rudolf Peter veranschaulichte durch Wort und Bild, dass sich auch in der Natur viel Schützenswertes finden lässt. Spezielle Feucht- und Trockenstandorte gehören ebenso dazu wie markante Einzelbäume, Baumgruppen, Baumreihen oder Hecken. Zu den rund 70 Objekten, welche bereits bisher im Schutzinventar vorhanden waren, kommen im neuen Richtplan etwa ein Dutzend Einzelbäume hinzu.

Die Gemeinde Zuzwil verfügt über attraktive Naherholungsgebiete wie das Ried oder die Uferlandschaft der Thur entlang und über Hecken, welche die Landschaft markant prägen, als Windschutz dienen und Lebensraum für spezifische Tier- und Pflanzenarten sind. Dies alles gilt es zu pflegen, zu erhalten und zu schützen. Auch diese Objekte sind mit Bild und Text inventarisiert.

Infrastruktur
Das stetige Anwachsen der Einwohnerzahl verlangt im Bereich der Infrastruktur eine weitsichtige Planung, was den Behörden bereits in der Vergangenheit recht gut gelungen ist, so dass anstehende Ergänzungen keine grossen Steuerfusssprünge verursachten. Gemeinderat Markus Bösch machte deutlich, dass es Aufgabe der Gemeinde sei, den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden.

Schule, Feuerwehr, EW, ARA, Wasserversorgung, Sport und Freizeit, ausserfamiliäre Betreuungsaufgaben, Wohnen und Pflege im Alter sind bezüglich Ausstattung und Organisation permanent im Auge zu behalten und den Anforderungen der Zeit anzupassen. Ein aktuelles Beispiel ist der Austritt aus dem Zweckverband Pflegeheim Wil. In der langfristigen Planung entwickelt man bereits erste Ideen für die Verlegung des Fussballplatzes an die Peripherie des Dorfes, sollte dies einmal aus Platzgründen nötig werden.

Kulturschutz
Über schützenswerte Einzelobjekte wie geschichtsträchtige Gebäude oder den Sodbrunnen hinter dem VOLG hinaus wird auch der Erhaltung des ursprünglichen Ortsbildes hohe Beachtung zugemessen.

Als Beispiel sei die Häuserzeile in der Räbgrueb mit der einzigen noch nicht geteerten Zweitklass-Strasse erwähnt. Dass sich aber auch Neubauten sanft ins Ortsbild einfügen können, zeigen die Mehrfamilienhäuser im Grünring.

Verkehr
Die bauliche Entwicklung führt zwingend auch zu neuen Verkehrswegen. Hier zeigt die Strategie, dass mit geeigneten Massnahmen der Durchgangsverkehr auf die beiden Achsen Grünegg – Wuppenau und Herbergstrasse – Zuckenriet gelenkt wird, wobei der Schutz der schwächeren Vekehrsteilnehmer nicht vergessen werden darf. Der Einbau der viel belächelten „Halfpipe“ im Bereich der Käserei führte bei einer täglichen Frequenz von 6000 Fahrzeugen zu einer Reduktion der mittleren Geschwindigkeit von 63  auf 39 km/h.

Mit einer leicht veränderten Strassenführung und damit grösseren Abständen konnte auch das Rote Haus vor Verkehrsschäden besser geschützt werden. Bereits laufen konkrete Projekte für einen Kreisel bei der Verzweigung St. Gallerstrasse – Herbergstrasse, womit vor allem die Unfallgefahr bei der Einfahrt von Henau her entschärft werden soll.

Einer quartiergerechten Gestaltung von Strassenneubauten oder –sanierungen kommt also oberste Priorität zu. Dazu gehören auch neue Fusswege wie vom Hofäckerquartier zur Schulanlage oder neue Treppenverbindungen im Lentergebiet. Weiter optimieren will der Gemeinderat die Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Einfluss der Bevölkerung
Neben den Behörden sind nicht nur die Grundeigentümer, sondern die ganze Bevölkerung aufgefordert, die Zukunft der Gemeinde zu gestalten, sei es mit guten Ideen oder Ergänzungen, Wünschen und Anliegen zum Richtplan.

Wie im Gemeindemitteilungsblatt publiziert, bietet der Gemeinderat am Montag, 4. Juni, sowie am Mittwoch, 20. Juni 2007, je zwischen 17 und 20 Uhr Sprechstunden an, damit anstehende Fragen beantwortet werden können.
 

 

Links die Dorfansicht Zuzwil mit der ehemaligen Käserei im Vordergrund an der Oberdorfstrasse. Erhaltenswertes gibt es weiter bei der Häuserzeile an der Räbgruebstrasse.

 

Links: Neuer Fussweg Hofäcker - Schulareal. Rechts: Naherholungsgebiet, geschütztes Feuchtgebiet im Zuzwiler Riet.

 

Interessiert an der Ortsplanung zeigte sich auch der ehemalige Gemeindepräsident Hermann Fässler.
Rechts: Kinder-Rutsche, eine Infrastruktur Freizeit und Schule.

Kommentieren Sie diesen Artikel                              Den Artikel druckbar darstellen


Webmaster | Redaktion | Impressum | Werbung bei infoWILplus.ch | Hilfe
© 1999-<%=year(now)%> infoWILplus.ch