Die Vergangenheit wieder mit der Gegenwart in Einklang zu bringen, dies ist das Ziel des
überarbeiteten Ortsplanes.In einer fast zweistündigen Präsentation stellte eine Delegation des Gemeinderates zusammen mit einem Raumplaner die strategische Ausrichtung für die
Entwicklung der Gemeinde Zuzwil in den kommenden Jahren vor. Im Vordergrund stehen die Förderung der historischen Eigenart von Zuzwil, die Verlagerung der Bauentwicklung in Zonen höherer Dichte und die
Förderung der Quartierqualität im Sinne der Identifikation mit dem Ort.
Gemeindepräsident Roland Hardegger begrüsste im Pfarreiheim Zuzwil rund 50 Interessierte, um die vielfältigen
Überlegungen des Gemeinderates bezüglich Zukunftsgestaltung transparent zu machen.
Gestern – heute – morgen in Einklang bringen
Dass für die sich rasant entwickelnde Gemeinde Zuzwil eine seriöse
Planung unabdingbar ist, liegt auf der Hand. Es darf nicht sein, dass nach Lust und Laune gebaut wird, ohne das Gestern und das Morgen einzubeziehen. Bereits in der Vergangenheit wurde den Bestimmungen des
kantonalen Baugesetzes, welches durch die Ortsplanung die zweckmässige Nutzung des Bodens sowie die geordnete Besiedlung und die bauliche Entwicklung des Gemeindegebietes sicherstellt, Rechnung getragen.
In der dynamischen Entwicklung der vergangenen Jahre mussten aber immer wieder Anpassungen und Ergänzungen vorgenommen werden, so dass das ursprüngliche Konzept heute nicht mehr klar ersichtlich ist.
Es galt deshalb, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so miteinander in Einklang zu bringen, dass die Gemeinde optimal funktionieren kann. Die Stichworte Schutz, Gestaltung, Verkehr und Infrastruktur zeigen,
wie vielfältig die Materie ist und wie viele Aspekte in einer Richtplanung Eingang finden müssen.
Von der Strategie zu konkreten Massnahmen
Drei strategische Hauptpunkte stellte Gemeindepräsident
Hardegger als Leitlinien vor. Eine erste betrifft die Förderung der historischen Eigenart von Zuzwil sowie die räumlich-infrastrukturelle Vernetzung der Neubaugebiete mit den historischen Zentren. Weiter
strebt man die Verlagerung der Bauentwicklung in Zonen höherer Dichte und des Geschosswohnbaus in Zentrumsnähe an. Die dritte Strategie befasst sich mit der Etappierung des Baulandangebotes und der Förderung
der Quartierqualität im Sinne der Identifikation mit dem Ort.
Diese abstrakten Begriffe müssen nun in konkrete Massnahmen umgesetzt werden, was nicht ohne ebenso konkrete Grundlagen realisiert werden kann.
Ortsbildinventar
So wurde das bereits bestehende Ortsbildinventar aus dem Jahr 1984 vollständig überarbeitet und ergänzt. Zusammen mit Fachleuten begab sich der Gemeinderat zu Fuss und per Rad
auf eine Tour de Zuzwil und veranlasste im Anschluss mit der Inventarisierung die Grundlagenarbeit. Ortsplaner Armin Meier legte anschaulich dar, wie jedes schützenswerte Gebäude nach bestimmten Kriterien
bewertet wird. In einer dicken Broschüre ist aufgrund eines Rasters jedes Objekt auf einem Inventarblatt klassifiziert. Relevante Punkte sind unter anderen die architektonische Qualität, die künstlerische
Substanz, Archäologie und Geschichte, die bauliche Substanz, der denkmalerische Zustand und der Stellenwert im Ortsbild.
Auch kleine Details und Merkmale eines Hauses sind auf einem solchen Blatt
beschrieben. Die Besitzer dieser Objekte werden mit Merkblättern darüber informiert, was sie bei anstehenden Veränderungen zu beachten haben. Sanierungen sind mit vielen Auflagen verknüpft, was meist eine
Verteuerung des Projekts nach sich zieht. Immerhin bezahlen Gemeinde und Kanton in solchen Fällen Beiträge oder bieten Hand zu einer Steueroptimierung. Neben den rein finanziellen Werten sind es aber vor
allem ideelle Werte wie Freude am Objekt und Stolz, welche Grundeigentümer für ihren Aufwand entschädigen.
Naturschutz
Gemeinderat Rudolf Peter veranschaulichte durch Wort und Bild, dass sich
auch in der Natur viel Schützenswertes finden lässt. Spezielle Feucht- und Trockenstandorte gehören ebenso dazu wie markante Einzelbäume, Baumgruppen, Baumreihen oder Hecken. Zu den rund 70 Objekten, welche
bereits bisher im Schutzinventar vorhanden waren, kommen im neuen Richtplan etwa ein Dutzend Einzelbäume hinzu.
Die Gemeinde Zuzwil verfügt über attraktive Naherholungsgebiete wie das Ried oder die
Uferlandschaft der Thur entlang und über Hecken, welche die Landschaft markant prägen, als Windschutz dienen und Lebensraum für spezifische Tier- und Pflanzenarten sind. Dies alles gilt es zu pflegen, zu
erhalten und zu schützen. Auch diese Objekte sind mit Bild und Text inventarisiert.
Infrastruktur
Das stetige Anwachsen der Einwohnerzahl verlangt im Bereich der Infrastruktur eine weitsichtige
Planung, was den Behörden bereits in der Vergangenheit recht gut gelungen ist, so dass anstehende Ergänzungen keine grossen Steuerfusssprünge verursachten. Gemeinderat Markus Bösch machte deutlich, dass es
Aufgabe der Gemeinde sei, den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden.
Schule, Feuerwehr, EW, ARA, Wasserversorgung, Sport und Freizeit, ausserfamiliäre Betreuungsaufgaben, Wohnen und Pflege im
Alter sind bezüglich Ausstattung und Organisation permanent im Auge zu behalten und den Anforderungen der Zeit anzupassen. Ein aktuelles Beispiel ist der Austritt aus dem Zweckverband Pflegeheim Wil. In der
langfristigen Planung entwickelt man bereits erste Ideen für die Verlegung des Fussballplatzes an die Peripherie des Dorfes, sollte dies einmal aus Platzgründen nötig werden.
Kulturschutz
Über
schützenswerte Einzelobjekte wie geschichtsträchtige Gebäude oder den Sodbrunnen hinter dem VOLG hinaus wird auch der Erhaltung des ursprünglichen Ortsbildes hohe Beachtung zugemessen.
Als Beispiel sei
die Häuserzeile in der Räbgrueb mit der einzigen noch nicht geteerten Zweitklass-Strasse erwähnt. Dass sich aber auch Neubauten sanft ins Ortsbild einfügen können, zeigen die Mehrfamilienhäuser im Grünring.
Verkehr
Die bauliche Entwicklung führt zwingend auch zu neuen Verkehrswegen. Hier zeigt die Strategie, dass mit geeigneten Massnahmen der Durchgangsverkehr auf die beiden Achsen Grünegg – Wuppenau
und Herbergstrasse – Zuckenriet gelenkt wird, wobei der Schutz der schwächeren Vekehrsteilnehmer nicht vergessen werden darf. Der Einbau der viel belächelten „Halfpipe“ im Bereich der Käserei führte bei
einer täglichen Frequenz von 6000 Fahrzeugen zu einer Reduktion der mittleren Geschwindigkeit von 63 auf 39 km/h.
Mit einer leicht veränderten Strassenführung und damit grösseren Abständen konnte
auch das Rote Haus vor Verkehrsschäden besser geschützt werden. Bereits laufen konkrete Projekte für einen Kreisel bei der Verzweigung St. Gallerstrasse – Herbergstrasse, womit vor allem die Unfallgefahr bei
der Einfahrt von Henau her entschärft werden soll.
Einer quartiergerechten Gestaltung von Strassenneubauten oder –sanierungen kommt also oberste Priorität zu. Dazu gehören auch neue Fusswege wie vom
Hofäckerquartier zur Schulanlage oder neue Treppenverbindungen im Lentergebiet. Weiter optimieren will der Gemeinderat die Anbindung an den öffentlichen Verkehr.
Einfluss der Bevölkerung
Neben
den Behörden sind nicht nur die Grundeigentümer, sondern die ganze Bevölkerung aufgefordert, die Zukunft der Gemeinde zu gestalten, sei es mit guten Ideen oder Ergänzungen, Wünschen und Anliegen zum
Richtplan.
Wie im Gemeindemitteilungsblatt publiziert, bietet der Gemeinderat am Montag, 4. Juni, sowie am Mittwoch, 20. Juni 2007, je zwischen 17 und 20 Uhr Sprechstunden an, damit anstehende Fragen
beantwortet werden können.